Saarland will Informatik-Unterricht stärken

Schulleiterempfang : „Wir warten auf den Digitalpakt“

Beim Schulleiterempfang versprach Bildungsminister Commerçon gestern, die informatische Bildung zu stärken.

Tradition ist ja schön. Nicht minder schön ist es, mal damit zu brechen. So fasste sich Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD), ganz ungewohnt für ihn, am Montagabend im Pingusson-Bau beim neunten Schulleiterempfang tatsächlich mal knapp. Dankte den saarländischen Schulleitern – und gab einer anderen das Wort. Der Informatik-Professorin Verena Wolf nämlich. Aus gutem Grund. Schließlich will, so der Minister, das Land die informatische Bildung an den Schulen vorantreiben. In 24 „Medienschulen“ im Land wurde bereits mit 500 000 Euro Fördermitteln die Computertechnik aufgerüstet.

Das aber sind bislang eher Tröpfchen auf einen heißen Stein. „Wir würden ja gerne richtig starten“, sagte Commerçon. Mit dem Digitalpakt, der dem Saarland rund 60 Millionen Euro für den Ausbau der Digitalisierung in den allgemeinbildenden Schulen vom Bund bringen soll, geht es gerade nicht voran. Bund und Länder sind im Streit. Am Mittwoch hat nun der Vermittlungsausschuss das Thema auf der Agenda. Commerçon zeigte sich aber optimistisch, dass es doch noch klappt.

Wie essentiell eine fundierte informatische Bildung aber ist, und damit ist nicht bloß das Programmieren gemeint, machte Verena Wolf, seit 2012 Professorin an der Saar-Uni, in ihrem Vortrag plastisch deutlich. Künstliche Intelligenz (KI) greife mittlerweile in unser aller Leben ein – und bestimme es mit. Positiv wie negativ. Bei Krebsdiagnosen genauso wie beim Shoppen im Internet. Längst aber erkenne man nicht mehr unbedingt, oder verstehe gar, wo KI am Werk ist.

In Österreich beispielsweise, berichtete die Informatikerin, sollen noch in diesem Jahr Algorithmen darüber befinden, ob jemand eine Fördermaßnahme für den Arbeitsmarkt bekommt oder nicht. Da Algorithmen aber im wahrsten Wortsinne emotionslos Chancen kalkulieren, hätten alleinerziehende Frauen generell schlechte Karten. Schon, weil ihnen die Betreuung ihrer Kinder als Nachteil angerechnet werde. „Diskriminierung ist ein großer Problem von durch Algorithmen gestützen Enstcheidungen“, warnte die Professorin.

Daher sei es wichtig, Schülerinnen und Schüler „zu digital mündigen Bürgern zu erziehen“. Man müsse die IT-Welt genauso erklären wie Biologie oder Physik, „die digitale Umwelt entmystifizieren“. Der Unterricht solle ein „Grundverständnis von Methoden der Informatik“ bieten. Denn nur der digital mündige Bürger könne sich, weil er weiß, um was es geht, notfalls auch dagegen wehren, wenn die Künstliche Intelligenz zu weit denkt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung