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Saarland: Unternehmer (VSU) kritisieren Anke Rehlinger (SPD) für Äußerung

Debatte um Lohnplus für Arbeitnehmer : Saar-Unternehmer kritisieren SPD-Spitzenkandidatin Rehlinger für Äußerung

Die Inflation liegt aktuell bei 5,3 Prozent. Nun forderte Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger deswegen „zwingend“ höhere Tarifabschlüsse – und handelte sich dafür Kritik ein.

Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU), hat Saarlands Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) scharf kritisiert. Der Grund: Die SPD-Landeschefin hatte zuletzt wegen der steigenden Inflation (5,3 Prozent) dringend höhere Tarifabschlüsse fordert.  „Eine dauerhaft starke Inflation ist ein Problem für alle, die jeden Euro zweimal umdrehen müssen. Bei Tarifverhandlungen muss die Inflationsrate zwingend zu höheren Abschlüssen führen, damit Steigerungen nicht direkt aufgefressen werden“, sagte die 45-Jährige, die bei der Landtagswahl im Saarland als Spitzenkandidatin der SPD antritt, der Bild-Zeitung.

Kritik an Rehlinger-Forderung

Für Schlechter ist Rehlingers Forderung eine Grenzüberschreitung: „Ein solcher Eingriff in die Tarifautonomie steht der Wirtschaftsministerin nicht zu. Es ist Aufgabe der Tarifparteien, auf Basis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Branchen tragfähige Tarifverträge zu verhandeln.“

Saarland: Unternehmer (VSU) kritisieren Anke Rehlinger (SPD) für Äußerung
Foto: Oliver Dietze/VSU/Oliver Dietze

Noch höhere Tarifabschlüsse brächten die Unternehmer, die unter der Corona-Krise sowieso schon massiv leiden, noch weiter in Existenznot und Bredouille, so Schlechter. „Viele Händler und Gastronomen müssen jetzt mühsam ihr im Rahmen der Corona-Krise massiv belastetet Geschäftsmodell wieder aufbauen. Unangemessene Abschlüsse wären Gift für diesen langsamen Erholungsprozess“, stellte Schlechter klar. Auch die Industrie sei durch Probleme in den Lieferketten und durch stark gestiegenen Energiepreise deutlich unter Druck geraten.

Schlechter fordert „Augenmaß“ bei Verhandlungen

Hinzu kommt laut Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände, dass zahlreiche Konjunkturforscher vor einer Lohn-Preis-Spirale warnten – durch „überhöhte Tarifabschlüsse“. Gerade vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Sozialpartner mit Augenmaß in die Verhandlungen gingen, um die Wirtschaft nicht zu überfordern, so die Mitteilung.  „Es ist richtig, dass unserer Gesellschaft durch die Corona-Krise, die große Aufgabe der Energiewende und jetzt auch durch die gestiegene Inflation Lasten aufgebürdet werden. Es kann aber nicht sein, dass die Wirtschaft diese Lasten allein tragen soll. Dazu ist sie schlicht nicht in der Lage“, teilte Schlechter mit.