Saarland setzt sich für Niedtalstrecke ein

Grenzüberschreitender Bahnverkehr : Saarland setzt sich für Niedtalstrecke ein

Zumindest Güterverkehr soll zwischen Dillingen und Bouzonville künftig wieder möglich sein. Doch die Gespräche laufen zäh. Langfristig könnte der Streckenabschnitt auch für die Anbindung an Luxemburg nützlich sein.

Personenzüge fahren auf der Niedtalstrecke von Dillingen nach Bouzonville schon lange nicht mehr, für die stündlich verkehrenden Regionalbahnen ist in Niedaltdorf, 900 Meter vor der Grenze zu Frankreich, Endstation. Mit einer Ausnahme: An Karfreitag bringt ein Zug jedes Jahr Saarländer nach Bouzonville zum Karfreitagsmarkt. Vor mehreren Jahren wurde auch der Güterverkehr eingestellt. Nun will die Bahn den 900 Meter langen Streckenabschnitt von Niedaltdorf bis zur Grenze stilllegen – es wäre das Ende der Schienenverbindung, in die Verkehrspolitiker noch immer große Hoffnungen setzen. Denn sie könnte eines Tages gebraucht werden, um Saarbrücken über Thionville mit Luxemburg zu verbinden (siehe Grafik).

Schon heute gibt es Bedarf an der Strecke Dillingen-Bouzonville. Die Firma Bahnlog, die mehrmals pro Woche Kalk aus Frankreich zur Dillinger Hütte transportiert (derzeit über den Umweg via Forbach) und in Bouzonville einen Container-Umschlagplatz bauen will, würde die Strecke gerne nutzen.

„Wir unterstützen das Vorhaben und haben bereits klar unsere Erwartung gegenüber der DB Netz AG zum Ausdruck gebracht, dass die DB von einer Stilllegung des Streckenabschnitts Niedaltdorf – Landesgrenze Deutschland/Frankreich Abstand nehmen soll“, heißt es im saarländischen Verkehrsministerium. Die Verhandlungen des interessierten Unternehmens mit der DB Netz AG und der französischen Netzgesellschaft SNCF Réseau über eine Reaktivierung der Strecke liefen, gestalteten sich aber „äußerst zäh“. Richtiges Interesse daran hat wohl weder die deutsche noch die französische Bahngesellschaft, man verspricht sich offenkundig wirtschaftlich zu wenig davon.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Günter Heinrich aus Siersburg, einem Ort direkt an der Niedtalstrecke, lässt das nicht gelten: „Wir haben mit viel Gehirnschmalz eine Frankreich-Strategie entwickelt, die wir uns nicht von den Immobilien-Abteilungen von Deutscher Bahn und SCNF kaputt machen lassen wollen.“ Laut Heinrich, seines Zeichens Landtagsvizepräsident, gibt es neben Bahnlog weitere Interessenten an der Strecke; so könnten die Ford-Werke in Saarlouis über die Strecke mit Stahl aus Frankreich beliefert werden. Der Abgeordnete sieht auch enormes wirtschaftliches Potenzial in einem großen Industriegebiet bei Thionville, das durch die Bahn für das Saarland erschlossen werden könnte. Das Unternehmen Knauf errichtet dort für 110 Millionen Euro ein Werk zur Produktion von Dämmstoffen.

Heinrich sowie Kommunalpolitiker aus Rehlingen-Siersburg weisen seit Jahren auch darauf hin, dass eine Nutzung der Schienenstrecke für den Güterverkehr die Möglichkeit eröffnen würde, mittel- bis langfristig den Personenverkehr vom Saarland über Lothringen nach Luxemburg aufzunehmen, wohin täglich rund 9000 Saarländer zur Arbeit pendeln. Voraussetzung dafür wäre ein Anschluss nach Bouzonville. Vor zwei Jahren hatte der Bahn-Bevollmächtigte fürs Saarland, Jürgen Konz, Hoffnungen geweckt: Voraussichtlich innerhalb eines Jahres könne ein Testbetrieb anlaufen, wenn die Landesregierung die Verbindung mitplane und mitfinanziere. Es blieb bei einem Gedankenspiel.

Das saarländische Verkehrsministerium hat bei Gesprächen mit französischen Verantwortlichen nach eigener Darstellung bereits mehrfach auf die Reaktivierung der Niedtalstrecke gedrängt. Aufgrund fehlender Fahrgastpotenziale verfolge die Region Grand Est allerdings keine Planungen für die Wiederaufnahme des Personenverkehrs.

Allerdings gibt es in der Region Grand Est auch andere Meinungen. In drei gemeinsamen Schreiben bitten nun Heinrich und der Präsident des Départements Moselle, Patrick Weiten, den Präsidenten der Region Grand Est, Jean Rottner, den Präsidenten der SNCF, Guillaume Pepy, sowie die französische Verkehrsministerin Elisabeth Borne, sich für eine Reaktivierung der Bahnlinie einzusetzen. Darin betonen sie insbesondere die Bedeutung der Strecke für die zahlreichen Berufspendler, die etwa bei der Dillinger Hütte oder bei Ford arbeiten.

Was die Sache zusätzlich schwierig macht: Auf der deutschen Seite der Strecke fehlt die Elektrifizierung. Heinrich weist darauf hin, dass CDU, CSU und SPD sich im Bund ausdrücklich zur Elektrifizierung von Nebenstrecken der Bahn bekannt hätten. Allerdings dämpft das Verkehrsministerium die Hoffnungen: „Eine Elektrifizierung der Strecke ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geplant, da die Wirtschaftlichkeit einer solchen Maßnahme nicht gegeben ist.“

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