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„Haben ein echtes Problem“
Saarland findet nicht genügend Grundschullehrer

FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken/Gütersloh. Viele Grundschulen suchen schon jetzt händeringend Lehrer. Einer Studie zufolge wird sich die Situation noch weiter verschärfen.

Angesichts einer neuen Bertelsmann-Studie über einen dramatischen Mangel an Grundschullehrern in Deutschland hat der saarländische Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) erhebliche Schwierigkeiten auch im Saarland eingeräumt. „Wir haben ein echtes Problem bei der Besetzung von Grundschullehrerstellen. Da haben wir nicht genug. Daher haben wir auch rund 100 Lehrerinnen und Lehrer aus anderen Schulformen eingesetzt“, erklärte Commerçon gestern.


Zugleich betonte er, dass die Situation im Saarland im Vergleich zu anderen Bundesländern „wesentlich entspannter“ sei. Für die nächsten Jahre habe das Land „bereits früh entsprechende Strukturen geschaffen, um den Lehrkräftebedarf zukünftig selbst decken zu können“. Beim Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverband stieß diese Aussage des Ministers auf Unverständnis und scharfe Kritik. „Es hakt an allen Ecken und Enden, und eine Besserung ist nicht Sicht“, teilte der Verband mit und bekräftigte seine Forderungen nach attraktiveren Arbeitsbedingungen und einer gleichwertigen Besoldung.

Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Saarland. Nach wie vor würden Grundschullehrer am schlechtesten bezahlt und hätten mit 28 Wochenstunden die höchste Unterrichtsverpflichtung aller Schulformen. Um die Misere zu beheben, verlangt die GEW von der Landesregierung aktuelle Bedarfsanalysen mit einer entsprechenden Anpassung der Studienplätze, eine spürbare Senkung der Arbeitsbelastung sowie eine bessere Bezahlung.



Während die Linksfraktion im Saar-Landtag Verständnis für die Forderungen der Lehrerverbände zeigte, machten die Grünen der Landesregierung schwere Vorwürfe. „Sie darf keine Haushaltskonsolidierung auf dem Rücken von zukünftigen Grundschülern betreiben, sondern muss endlich vorausschauend handeln“, sagte Landeschef Markus Tressel. Eine Erhöhung der Klassengrößen dürfe dabei keine Option sein.

Der Bertelsmann-Untersuchung zufolge spitzt sich der Lehrermangel an Deutschlands Grundschulen bis zum Jahr 2025 dramatisch zu. Insgesamt müssten bis dahin etwa 105 000 Lehrer neu eingestellt werden, es stünden aber nur rund 70 000 Absolventen zur Verfügung. Aufgrund der langen Ausbildungsdauer reiche es allerdings nicht allein aus, mehr Personal auszubilden. Notwendig seien flexible Lösungen und die Qualifizierung von Seiteneinsteigern. Nach Zahlen der GEW sind bundesweit derzeit 2000 Stellen an Grundschulen nicht besetzt.