1. Saarland

Saarland: Diskussion um Boni für Rettungswagen-Besatzung.

Kostenpflichtiger Inhalt: Boni für Notfallsanitäter? : Sanitäterin fordert Boni für ihre Kollegen

Steuerfreie Zahlungen während der Krise wie in manch’ anderen Branchen gebe es für Mitarbeiter der Rettungsdienste nicht, klagt eine Notfallhelferin.

Nicht nur in den Krankenhäusern und in der Pflege, auch in der Notfallhilfe arbeiten viele Mitarbeiter derzeit bis zum Umfallen – und werden dafür bekanntlich schlecht bezahlt. Bonuszahlungen wären hier – wie in anderen Branchen (zum Beispiel dem Einzelhandel) bereits angekündigt – angemessen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat diese Boni jetzt in der Corona-Krise bis zu einer Höhe von 1500 Euro steuerfrei gestellt. Als erstes Zeichen des Umdenkens und der Wertschätzung. Doch noch gibt es keine konkreten, vor allem schnell umzusetzende Zusagen, allen Pflegekräften einen „Belastungsbonus“ in Höhe von mindestens 500 Euro zu bezahlen, wie es am Mittwoch beispielsweise der Präsident der Landespflegekammer in Rheinland-Pfalz, Markus Mai, gefordert hat.

Über Facebook, dann per Mail erreichte die SZ jetzt eine anonyme Beschwerde einer Notfallsanitäterin, beschäftigt beim DRK-Landesverband. Sie beklagt, dass es für sie und ihre Kollegen keine Bonuszahlungen gebe. Mitarbeiter ihrer (nicht näher benannten) Rettungsstelle hätten über ihre Leitung beim Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (ZRF) einen Bonus erbeten, „weil wir einem maximalen Risiko ausgesetzt sind. Wir arbeiten länger, übernehmen mehr Dienste von erkrankten Mitarbeitern“. Der ZRF habe dieses Anliegen „abgeschmettert“ und wertschätze die Arbeit der Notfallhelfer nicht, heißt es in ihrer Mail. Man habe zudem „von Pflegenden in der Klinik“ erfahren, dass Pflegepersonal in den Corona-Ambulanzen Boni erhielten und beim Gehalt höher eingestuft würden. Das fordere nun auch die Belegschaft der Krankenwagen-Besatzungen. Zudem würden die Schutzmasken knapp.

Bislang gibt es solche Bonuszahlungen nach SZ-Recherchen aber noch nicht. Man prüfe dies zwar, teilte Holger Kirchhoff, geschäftsführender Direktor der DRK-Klinik in Saarlouis, wo es eine Corona-Station gibt, auf Anfrage mit. Es sei aber noch nichts entschieden. Wie die meisten Kliniken bezahle sein Haus tarifgebunden, so dass die Träger dies entscheiden müssten.

Weder beim Zweckverband ZRF, in dem sich die Landkreise und der Regionalverband zusammengeschlossen haben, um Notfallhilfe und Rettungsdienste mit verschiedenen Trägern landesweit zu organisieren, noch beim DRK-Landesverband kennt man die Forderungen und Vorwürfe, von denen in der Beschwerde-Mail die Rede ist. „Mit uns hat niemand darüber gesprochen“, sagte ZRF-Pressesprecher Lukas Hoor auf Nachfrage der SZ. Man sei als Zweckverband erst einmal auch nicht zuständig, wenn es um tarifliche Fragen der Träger, bei denen die Notfallsanitäter beschäftigt sind, gehe.

Auch beim DRK-Landesverband, Arbeitgeber der unzufriedenen Notfallsanitäterin, ist die Forderung nach Boni nicht bekannt. Gleichwohl sei es legitim – und mehr noch geboten – über die bessere Entlohnung des medizinischen Personals zu sprechen und deren Arbeit gebührend zu wertschätzen, betonte Christian Groß vom Deutschen Roten Kreuz Saar. Er ist dessen Referent für den Rettungsdienst und gleichzeitig stellvertretender DRK-Geschäftsführer im Saarland. Groß versichert, dass der Nachschub an Schutzmasken auch bei den Ambulanzen gesichert sei: „Wir haben gemeinsam mit dem ZRF viele Bestellungen aufgegeben. Einige sind ausgefallen, das stimmt. Aber wir erhalten Masken. Die Schutzausrüstung ist da.“ Das bestätigt auch Lukas Hoor. Groß findet es „schade“, dass die Diskussion über mögliche Bonuszahlungen auf dem indirekten Weg über die Medien geführt werde und insistiert, dass sein Landesverband über offizielle Kanäle nicht mit solchen Forderungen konfrontiert worden sei. Er habe diesbezüglich bei allen DRK-Rettungsstellen im Land nachgefragt.

Zurzeit sei man damit beschäftigt, das Gesundheitssystem so zu ertüchtigen, dass möglichst viele schwer Corona-Kranke gerettet werden können. „Wir arbeiten hier sehr gut miteinander, es läuft wie ein Uhrwerk.“ Um die Boni habe man sich schlicht noch nicht kümmern können in der jetzigen, akuten Situation. Sie würden und müssten – wie auch die generell bessere tarfliche Entlohnung medizinischer Berufe – nach der Krise sicherlich zum Thema werden, ist sich Groß sicher. Politik und Gesellschaft hätten das zum Glück erkannt.