Aktionstag „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ „Der einzige Fehler ist, nichts zu tun“: Hier kann man sich im Saarland morgen als Ersthelfer fit machen

Saarbrücken · Am Aktionstag „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ werden am 20. September Wiederbelebungsmaßnahmen an fünf zentralen Orten im Saarland trainiert. Denn nicht nur die Profis vom Rettungsdienst können Leben retten, helfen kann fast jeder.

Trainer Christian Wickert zeigt Eva Stein die Reanimation an einer Puppe im Caritas-Klinikum Saarbrücken.

Trainer Christian Wickert zeigt Eva Stein die Reanimation an einer Puppe im Caritas-Klinikum Saarbrücken.

Foto: Caritas-Klinikum Saarbrücken/Nele Scharfenberg

Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. Jedes Jahr erleiden rund 60 000 Menschen einen Herz-Kreislaufstillstand außerhalb eines Krankenhauses. Im Saarland sind es etwa 700 bis 800 Menschen pro Jahr, von denen nur zehn bis zwölf Prozent überleben.

„Die Überlebenschancen kann man steigern“, sagt Dr. Andreas Sielenkämper, Landesvorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten. Es komme auf eine schnelle Ersthilfe an. Denn bei einem Herzstillstand entscheiden nur wenige Minuten über Leben und Tod und auch darüber, wie und ob das Gehirn unwiderruflich geschädigt wird.

Kostenlose Reanimationstrainings im Saarland am 20. September

Wie man sich als Ersthelfer richtig verhält, wenn plötzlich jemand zusammenbricht und nicht mehr atmet, wird auf dem Aktionstag „Ein Leben retten. 100 Pro Reanimation“ am Mittwoch, 20. September, gezeigt. An fünf Orten im Saarland werden kostenlose Reanimationstrainings angeboten (siehe Infobox).

Initiiert hat Dr. Andreas Sielenkämper den bundesweiten Aktionstag im Saarland. „Wir hoffen, dass die Aktion das Bewusstsein für Erste Hilfe schärft und zum Handeln im Notfall motiviert“, sagt Sielenkämper. Ziel sei es, die Reanimation durch Laien – also Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer ohne medizinische Ausbildung – zu steigern.

„Der einzige Fehler ist, nichts zu tun.“

Norwegen macht es vor: Dort beginnen rund 70 Prozent der Ersthelfer mit Wiederbelebungsmaßnahmen, bis der Rettungsdienst eintrifft. In Deutschland sieht das anders aus – nur 40 Prozent der Bürger reanimieren. „Da ist noch Luft nach oben“, findet Sielenkämper.

Das Problem sei, dass sich viele Menschen die Reanimation nicht zutrauen. Aber: „Man kann nichts falsch machen! Der einzige Fehler ist, nichts zu tun“, betont der Anästhesist und Notfallmediziner am Saarbrücker Caritas Klinikum. Das Reanimationstraining sei sogar für Jugendliche geeignet. Ab elf Jahren könne man daran teilnehmen. „Leben retten kann fast jeder“, findet er.

Wiederbelebung in drei Schritten: Prüfen – Rufen – Drücken

Als Faustregel gilt: Prüfen – Rufen – Drücken. Zuerst solle die betreffende Person angesprochen und geprüft werden, ob sie bewusstlos ist und noch atmet – dazu den Puls fühlen und auch den Brustkorb beobachten, rät Sielenkämper. „Dann rufen Sie den Notruf, die 112.“ Atmet der Betroffene nicht und reagiert nicht mehr, sollte im dritten Schritt mit der Reanimation begonnen werden.

Die Herzdruckmassage sei dabei extrem wichtig, da das Gehirn bereits nach nur drei bis fünf Minuten ohne Blutfluss zu sterben beginnt. Durch das schnelle und tiefe Drücken des Brustkorbs werde der sich noch im Blut befindende Restsauerstoff zu den Organen und zum Gehirn transportiert. Sollten mehrere Helfer vor Ort sein, rät der Mediziner, sich nach etwa zwei bis drei Minuten abzulösen. „Auch im Krankenhaus wechseln wir nach drei Minuten“, sagt Sielenkämper. Das sei wichtig, um das schnelle Tempo der Herzdruckmassage beizubehalten und nicht langsamer zu werden, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Die Teilnehmer üben die Herzdruckmassage an Puppen

Wie die Reanimation richtig geht, zeigen am 20. September erfahrene Rettungskräfte aus sechs saarländischen Kliniken, erzählt Sielenkämper. Sie leiten die Interessierten an.

Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin dürfe zehn bis 15 Minuten an einer Puppe die Herzdruckmassage üben. Die von der Lord-Stiftung Saarbrücken finanzierten Übungspuppen sind mit einer App verbunden. Die misst ganz genau, ob die richtige Frequenz und Drücktiefe eingehalten wird. Das schaffe Sicherheit, sagt Sielenkämper und hofft am Aktionstag auf viele Interessierte.