Saarland: Ärztekammer räumt Panne im Skandal um Pathologen ein

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Bei internen Ermittlungen „kritische medizinische Befunde“ zu dem Mediziner entdeckt.

Im Fall des niedergelassenen Pathologen aus dem Saarpfalzkreis, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Fehldiagnosen ermittelt, räumt die Spitze der saarländischen Ärztekammer jetzt eine Informationspanne ein. Ärztekammer-Chef Josef Mischo, Geschäftsführer Michael Hoffmann und Kammer-Justitiar Martin Partzsch bestätigten, dass der 60-jährige Mediziner vor Jahren an einem „Interventionsprogramm für suchtkranke Ärzte“ teilgenommen hat. In diesem Zusammenhang sei er auch stationär in einer Rehaklinik behandelt worden. Bei kammerinternen Untersuchungen sei jetzt festgestellt worden, dass sich in den Unterlagen zu der Reha „kritische medizinische Befunde“ befunden haben. Der Suchtmediziner, der das das suchttherapeutische Programm der Kammer verantwortete, muss diese Befunde gekannt haben, hat es aber angeblich unterlassen, die Ärztekammer darüber zu informieren. Auch die Approbationsbehörde wurde damals nicht informiert. Kammerchef Mischo: „Wir gingen davon aus, dass die Reha erfolgreich war.“

Nähere Angaben zu den „kritischen medizinischen Befunden“ lehnten die Vertreter der Kammer im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung ab und verwies auf den Datenschutz. Eingeräumt wurde, dass die Rehaklinik eine weitere Therapie für erforderlich hielt. Die Frage, ob der Pathologe von den behandelnden Ärzten überhaupt als weiter dienstfähig eingestuft wurde, wurde nicht beantwortet.

Der anerkannte Suchtmediziner, der den Pathologen im Auftrag der Kammer betreute, ist Ende 2015 plötzlich verstorben. In seiner Praxis konnten jetzt angeblich zu diesem Fall keine Unterlagen mehr gefunden werden.

Als erste Reaktion kündigte die Ärztekammer an, beim Sucht-Interventionsprogramm künftig das Vier-Augenprinzip einzuführen. Demnach müssten zwei Fachärzte in die Betreuung des ärztlichen Patienten eingebunden werden.

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