Saarländischer AfD-Chef Josef Dörr wollte vor Jahren die Linke beraten

Landespolitik : Heutiger AfD-Chef Dörr wollte vor Jahren die Linke beraten

Der heutige AfD-Landesvorsitzende Josef Dörr hat seit dem Beginn seines politischen Engagements im Jahr 1955 schon mehrere Parteien kennengelernt:

23 Jahre lang war er Mitglied der CDU, ab 1979 kurzzeitig Landesvorsitzender der Christlich-Sozialen Wähler-Union (CSWU), in der sich CSU-Freunde sammelten, und ab 1984 engagierte er sich 28 Jahre lang bei den Grünen, wo er es immerhin zum Kreisvorsitzenden und Landesschatzmeister brachte. Seit 2013 ist Dörr in der AfD aktiv, wo er – wie er sich auszudrücken pflegt – der „Elite des guten Willens“ vorsteht und für die „Rettung Deutschlands“ kämpft.

Was die meisten nicht wissen: In dem kurzen Zeitraum zwischen seinem Austritt bei den Grünen und der Aufnahme in die AfD suchte Dörr Kontakt zur Linken. „Vor mehreren Jahren hatte ich eine Verbindung zur Linken-Fraktion zwecks Beratung im schulischen Bereich“, sagte der ehemalige Sonderschulrektor auf SZ-Anfrage. Er habe sich angeboten. Allerdings wurde daraus nichts. „Ich war bereit, ich hätte das gerne gemacht“, sagte Dörr. Er berate jeden und habe zuletzt auch Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) seine Beratung angeboten, der habe das aber nicht gewollt.

Auf die Frage, ob die Linksfraktion im Landtag seine Beratung damals nicht wollte, sagte Dörr: „Die haben das schon gewollt, aber dann haben die Bedingungen nicht gestimmt. Insgesamt sind wir nicht einig geworden.“ Den Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine lobt der 80-Jährige in den höchsten Tönen: „Von dem Mann halte ich sehr viel. Ich hätte in keiner Phase Probleme, mit ihm zusammenzuarbeiten.“

Bei der Linksfraktion kann sich keiner an eine entsprechende Offerte Dörrs erinnern – auch nicht die schon damals für Bildungspolitik zuständige Abgeordnete Barbara Spaniol, die Dörr noch aus gemeinsamen Zeiten bei den Grünen kennen dürfte. Um eine Mitgliedschaft in der Linken bewarb sich Dörr nach eigenen Worten damals nicht.

Dörr war 45 Jahre lang Lehrer, davon 38 Jahre Rektor einer Sonderschule (heute Förderschule). In zwei Kommissionen des damaligen Kultusministers Diether Breitenbach (SPD) habe er mitgearbeitet.

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