Saarländerin droht lebenslange Haft nach Todesschüssen auf Ex-Freund

Kostenpflichtiger Inhalt: Plädoyers in Mord-Prozess : Saarländerin droht lebenslange Haft nach Todesschüssen auf Ex-Freund

Im Strafprozess gegen eine 58 Jahre alte Saarländerin, die ihren Ex-Lebensgefährten auf offener Straße in Püttlingen erschossen hat, wurden die Schlussplädoyers gehalten. Darin wurde die Tat als Mord eingestuft.

Die 58 Jahre alte Saarländerin, die im Februar auf offener Straße ihren früheren Lebensgefährten (46) erschossen hat, muss mit einer Verurteilung wegen Mordes und damit zwingend mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. Das ergibt sich aus den Schlussplädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung. Sie alle haben zum Abschluss des dritten Prozesstages vor dem Schwurgericht die Todesschüsse von Püttlingen-Köllerbach als heimtückischen Mord eingestuft.

Damit folgten die Juristen im Ergebnis dem Geständnis der Angeklagten, das die Frau am Vortag über ihren Verteidiger hatte ablegen lassen. Nach den Schlussplädoyers bekam die Angeklagte die Gelegenheit zu ihrem letzten Wort vor der Beratung und Verkündung des Urteils. Die 58-Jährige brach dabei ihr bisheriges Schweigen und sagte in Richtung der Angehörigen des Getöteten unter Tränen: „Ich würde mich gerne bei der Mutter und der Familie entschuldigen. Es tut mir unendlich leid.“ Gleichzeitig kündigte sie einen Brief an, in dem sie ihre Beweggründe für die tödlichen Schüsse erklären wolle. Um eine solche Erklärung hatten die Angehörigen des Getöteten mehrfach gebeten. Aber die Angeklagte sah sich nach eigener Aussage außer Stande, diese sehr persönliche Erklärung öffentlich vor all den Menschen im großen Sitzungsaal des Schwurgerichts abzugeben.

Nach dem bisherigen Stand der Beweisaufnahme hatten die Angeklagte und ihr langjähriger Lebenspartner sich etwa 1995 bei der Arbeit als Physiotherapeuten in einer Klinik kennen gelernt. Trotz ihres Altersunterschiedes von mehr als zehn Jahren wurden sie ein Paar. Der Mann machte sich mit eigener Praxis selbstständig, wo sie tageweise mitarbeitete. Sie kauften ein Haus. Rund 16 Jahre hatte die Beziehung Bestand. Dann brach sie Ende 2012 auseinander, als der Mann sich einer jüngeren Arbeitskollegin zuwandte. Mit ihr gründete er eine Familie, beide bekamen zwei kleine Kinder. Die seit ihrer Kindheit eher ängstliche und zurückhaltende Angeklagte wurde damit nicht fertig. Sie fühlte sich ausgenutzt, alt und hässlich. Sie zog sich weitgehend von sozialen Kontakten zurück – bis auf das regelmäßige Training in einem Schützenverein seit dem Jahr 2014. Sie drehte sich immer mehr in einer Art Spirale aus Verzweiflung, Wut und Eifersucht ein. Gleichzeitig beobachtete sie via Facebook das neue Glück der Familie ihres Ex-Lebensgefährten.

Was dann genau geschah, das weiß bislang nur die Angeklagte. Jedenfalls packte sie am frühen Abend des 7. Februar 2019 ihre Pistole in die Handtasche und fuhr mit dem Auto zur Praxis ihres früheren Lebenspartners nach Püttlingen. Vor dem Haus ging sie auf und ab. Als der 46-Jährige gegen 19.30 die Praxis verließ und die Tür zusperren wollte, sprach sie ihn an. Er drehte sich um und sie schoss ihm mit der Pistole des Kalibers neun Millimeter vier Mal in die Brust. Einen der Schüsse gab sie ab, als der 46-Jährige schon auf dem Boden lag. Der Mann verblutete innerlich und äußerlich. Zwei der Schüsse hatten lebenswichtige Organe schwer geschädigt. Er hatte keine Chance zu Überleben. Die Angeklagte legte die Waffe ab, setzte sich mit dem Rücken zum Schaufenster der Praxis auf den Boden und weinte. In diesem Zustand wurde sie von der Polizei entdeckt und festgenommen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Die Verkündung des Urteils wird ab elf Uhr erwartet.

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