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Saarländerin Bianca Hein Star von neuer SOKO-Staffel
„Ich würde gerne mal auf Saarländisch drehen“

Vor dem Einsatz: Bianca Hein (links) mit ihren Kollegen Joscha Kiefer (als Kriminaloberkommissar Dominik Morgenstern) und Mersiha Husagic (als Kriminalkommissarin Theresa Resi Schwaiger) beim Drehstart für die neue Staffel der TV-Serie „SOKO München“, die von heute an im ZDF läuft.
Vor dem Einsatz: Bianca Hein (links) mit ihren Kollegen Joscha Kiefer (als Kriminaloberkommissar Dominik Morgenstern) und Mersiha Husagic (als Kriminalkommissarin Theresa Resi Schwaiger) beim Drehstart für die neue Staffel der TV-Serie „SOKO München“, die von heute an im ZDF läuft. FOTO: dpa / Tobias Hase
Saarbrücken/München. Die Saarländerin Bianca Hein zählt heute zu den bekannten deutschen TV-Schauspielern. Ihre Karriere begann auf der Naturbühne Gräfinthal. Von Caroline Rübe

Am heutigen Montag startet die neue Staffel von „SOKO München“ im ZDF (18 Uhr). Zu den Stars der Erfolgsserie gehört die Saarländerin Bianca Hein, die seit 13 Jahren als Kommissarin Katharina Hahn dabei ist und auch in München lebt.


Frau Hein, warum sind Sie Ihrer Rolle so lange treu geblieben?

HEIN Meine Figur hat sich in all den Jahren weiterentwickelt. Von der Kriminalkommissarin bis zur Kriminalhauptkommissarin. Katharina ist in der Zeit Mutter von zwei Kindern geworden, das wurde in die Geschichten eingebunden, sie hat einen Mann, mit all den Facetten, die das mit sich bringt. Wir erzählen zudem Geschichten, die immer wieder neu sind und versuchen, uns nicht zu wiederholen. Aktuelle Themen werden in die Drehbücher eingebracht, die die Menschen bewegen. Auch Kriminalität aus dem Alltag, die dann ins Fiktionale übertragen wird.



Die Serie „SOKO München“ existiert seit 40 Jahren, und das, obwohl die Serie nicht mit Blut oder überspitztem Horror arbeitet, sondern realistische Polizeiarbeit zeigt. Wie erklären sie sich diesen Erfolg?

HEIN Wir sind eine menschliche SOKO mit allen Schwächen und Stärken. Eine Polizistin mit Familie ist im täglichen Einsatz. Das war, als die SOKO 1978 auf Sendung ging, noch anders. Ingrid Fröhlich, die erste Kommissarin in einer SOKO, vor 40 Jahren zum ersten Mal im Einsatz, hat mir mal erzählt, dass sie damals nicht schießen durfte, sondern sie hat Kaffee gekocht für die Kollegen. Und sah dabei gut aus. Das Frauenbild hat sich selbst seit meinen Anfängen bei der SOKO 2006 noch sehr geändert. Es gibt heute mehr Frauen vor der Kamera und in wichtigen Positionen, wie zum Beispiel Regie und Fotografie, hinter der Kamera. Und das ist toll.

Sie sind ja im Mandelbachtal geboren und aufgewachsen. Was vermissen Sie am meisten?

HEIN Oh, ich vermisse ganz viel. Meine Eltern, meine Verwandten, die da zum großen Teil leben, die Ländlichkeit, dass man im französischen Supermarkt einkaufen kann. Ich vermisse auch die Verbindlichkeit der Menschen, also die Verlässlichkeit. Als meine Eltern vor zwei Jahren – an einem Wochenende – einen Wasserrohbruch hatten, rief ich bei der Gemeinde an. Ich hatte nicht nur sofort jemanden am Telefon, der auch noch sehr freundlich war. Zehn Minuten später stand ein Fachmann vor der Tür, zwei Stunden später der Bagger. Und am Nachmittag war alles wieder trocken. Man hilft sich untereinander. Verbindlichkeit, das Wort zählt, das ist das Besondere an den Saarländern.

Sie standen mit fünf Jahren schon auf der Naturbühne Gräfinthal. Haben Ihre Eltern Sie dazu gebracht?

HEIN Die Naturbühne Gräfinthal ist schon etwas Besonderes. Eine Freilichtbühne, wo das halbe Dorf auf den Beinen steht und ein Stück erarbeitet. Es ist ein Geschenk, wenn man als Kind die Möglichkeit bekommt, auf so einer großen Bühne Theater zu spielen. Großartig fürs Selbstbewusstsein und für die persönliche Weiterentwicklung. Mich hat das tatsächlich so geprägt, dass es mein größter Wunsch war, Schauspielerin zu werden. Ich wollte eine Zeit lang auch singen, weil ich auch musikalisch gefördert wurde. Ich war im Kinderchor des Saarländischen Staatstheaters und nach dem Abitur war für mich klar, mein Beruf soll in Richtung Schauspiel und Gesang gehen.

Kommen Sie aus einer Schauspielerfamilie?

HEIN Nein, mein Vater hat mich quasi mitgezogen auf die Bühne. Wie das fast alle Eltern mit ihren Kindern aus der Umgebung gemacht haben. Die Großeltern standen schon auf der Bühne in Gräfinthal, die Eltern auch und dann eben auch die Kinder. Letztes Jahr hatte ich eine sehr schöne Begegnung und eine Reise in meine Kindheit. Ich war an Weihnachten in Saarbrücken und habe meinen Kindern das Saarländische Staatstheater gezeigt. Ich habe dort als Kind und als Jugendliche in „Hänsel und Gretel“, „Figaros Hochzeit“ und „Carmen“ gespielt. Wie sehr habe ich mich gefreut, dass die Pförtnerin von damals immer noch da ist und mich erkannte. Meiner Tochter durfte ich kurz die Maske und das Foyer zeigen, es roch noch so wie damals. Eine unvergesslich schöne Zeit.

Sie haben die renommierte Folkwang-Hochschule besucht, spielen aber dennoch kein Theater mehr. Warum nicht?

HEIN Wir drehen fast das ganze Jahr von Mitte Januar bis Dezember, da bleibt wenig Zeit. Theater bedeutet Probenzeit, danach Vorstellungen, das lässt sich einfach mit meiner Rolle in der SOKO nicht vereinbaren. Aber ich habe mir vorgenommen, wieder mehr Zeit für neue Projekte zu haben.

In einem Interview haben Sie gesagt, Sie seien kein Krimi-Fan. Warum spielen sie dann in so vielen Krimis mit?

HEIN Das ist ja wie immer so in Zeitungen, dass man auch gerne anders zitiert wird (lacht). Ich bin kein ausschließlicher Krimi-Gucker, sondern schaue auch gerne mal was ganz Lustiges.

Was würden sie am liebsten spielen?

HEIN Ich finde gute Komödien sind total unterschätzt, leider aber auch sehr selten. Ich habe mal für Sat1 eine Sitcom gedreht, und gemerkt, dass ich „funny bones“ (frei übersetzt: lustige Ader) habe, so was würde ich gerne noch einmal machen. Und auf Saarländisch drehen. Hier in Bayern ist das Bayerisch sehr präsent, auch in der SOKO. Und wie gerne würde ich manchmal auf Saarländisch antworten! Den Dialekt saugt man mit der Muttermilch auf, aber dafür, dass ihn ein ganzes Bundesland spricht, hört man ihn äußerst selten im Fernsehen.

Das Gespräch führte Caroline Rübe