1. Saarland

Saarländer wegen Brandstiftung in Keller von Wohnhaus verurteilt

Saarländer wegen Brandstiftung in Keller von Wohnhaus verurteilt

Saarbrücken. Mit dem anscheinend freundlichsten Beschuldigten der vergangenen Jahre hatte es jetzt das Landgericht zu tun. Der 57-jährige Saarländer, dem Brandstiftung in einem Wohnhaus vorgeworfen wurde, war sehr um Mitarbeit bemüht und betont höflich. Besonders gegenüber den Justizwachtmeistern, die ihn zur Anklagebank brachten

Saarbrücken. Mit dem anscheinend freundlichsten Beschuldigten der vergangenen Jahre hatte es jetzt das Landgericht zu tun. Der 57-jährige Saarländer, dem Brandstiftung in einem Wohnhaus vorgeworfen wurde, war sehr um Mitarbeit bemüht und betont höflich. Besonders gegenüber den Justizwachtmeistern, die ihn zur Anklagebank brachten. Aber auch die Zuschauer im Saal und die Prozessbeteiligten begrüßte er extra. "Guten Tag, da bin ich wieder", sagte der Mann etwa, als er nach der Beratungspause zur Verkündung seines Urteils wieder in den Saal geführt wurde. Wenige Minuten später wurde der 57-Jährige von seinen Richtern als vollständig schuldunfähig eingestuft und zur Unterbringung in der forensischen Psychiatrie verurteilt. Nach Feststellung des Gerichts hatte er 2001 in einem Auto Feuer gelegt. Und dann wieder im August 2007 im Keller eines Wohnhauses in der Nachbarschaft. Dabei verbrannten einige alte Möbelstücke, bevor das Feuer, bei dem niemand verletzt wurde, gelöscht werden konnte. Eine Zeugin hatte den Beschuldigten gesehen, als der aus dem qualmenden Keller kam. Und gegenüber der Polizei, bei der psychiatrischen Gutachterin und jetzt vor Gericht hatte der Mann die Tat zugegeben. Dazu die Gutachterin: Der 57-Jährige sei weitgehend desorientiert, wisse nicht immer so genau, wo er gerade sei und was dort gerade passiere. Aber an zwei Dinge aus seinem Leben erinnere er sich genau: Daran, dass er in einem Haus Feuer gelegt habe. Und an einen besonders schweren Autounfall. Dieser schwere Autounfall muss Anfang der 70er Jahre gewesen sein. Damals war der betroffene Anfang 20 und erlitt schwerste Schädelverletzungen und ein Schädel-Hirn-Trauma. Die Folgen sehen aus heutiger Sicht so aus: Aus dem normalen jungen Mann wurde ein schwer kranker Erwachsener. Teile seines Gehirns funktionieren nicht mehr, Wahrnehmung und Erinnerung sind hochgradig gestört. Und auch körperlich hat der Mann nicht alle elementaren Funktionen unter Kontrolle. Fazit der Richter: Der Betroffene sei ganz offensichtlich für sein Tun nicht verantwortlich. Deshalb dürfe er nicht bestraft werden. Er müsse aber zum Schutz der Allgemeinheit in die forensische Psychiatrie. Dazu der Vorsitzende Richter: "Wir tun ihnen damit wohl einen Gefallen." Denn so wie in den vergangenen Jahren oder gar Jahrzehnten ginge es nicht mehr weiter. Da habe der Staat den Mann alleine gelassen in seiner Wohnung. Mit seinen Gebrechen und seinem tagtäglichen Alkoholkonsum. Das gehe so nicht. Jetzt werde er betreut. Zunächst in der Forensik und später eventuell in einer betreuten Wohneinrichtung unter ärztlicher Kontrolle. Das sei ein gangbarer Weg. "Auf geht's", meinte darauf der 57-Jährige zu den Wachtmeistern. Und fast fröhlich weiter: "Jetzt gehen wir nach unten, wieder in die Zelle."