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Fachkräfte fehlen
Saarländer warten immer länger auf Handwerker

Neun bis zehn Wochen müssen Saarländer manchmal auf einen Handwerker warten. (Symbolbild)
Neun bis zehn Wochen müssen Saarländer manchmal auf einen Handwerker warten. (Symbolbild) FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt
Saarbrücken/Düsseldorf. Der Fachkräftemangel wird im Saar-Handwerk mehr und mehr spürbar. Besserung ist nicht in Sicht. Von Thomas Schäfer
Thomas Schäfer

Viele Saarländer müssen immer länger auf einen Handwerker warten. Das räumte Bernd Wegner, Präsident der Handwerkskammer, auf SZ-Anfrage ein. „Neun, zehn Wochen, manchmal noch länger“, dies seien angesichts voller Auftragsbücher aktuell die Wartezeiten in vielen Bereichen, gerade am Bau. Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren durch den zunehmend spürbaren Fachkräftemangel kontinuierlich zugespitzt. „Vor zwei, drei Jahren lag die Wartezeit meist noch bei nur fünf oder sechs Wochen“, erklärte Wegner, der im Fachkräftemangel inzwischen den „wesentlichen Bremsfaktor“ für die Entwicklung des Handwerks im Saarland sieht.


Eine schnelle Besserung ist laut Wegner nicht in Sicht, da man befürchten müsse, dass in diesem Jahr rund 400 Lehrstellen im Land unbesetzt blieben. „Ich wäre froh, es würde anders kommen, aber das ist nicht zu erwarten.“ Neben dem allgemeinen demografischen Wandel sei dafür vor allem die hohe Quote von Studienanfängern verantwortlich, so Wegner. Während sie zu Beginn des Jahrtausends nur knapp über 30 Prozent gelegen habe, erreiche sie inzwischen an die 60 Prozent.

Bundesweit sind die Probleme des Handwerks ebenfalls gravierend. „In allen Bau- und Ausbaugewerken müssen Kunden momentan bis zu zwölf Wochen warten, bis ein Handwerker kommt“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der „Rheinischen Post“. Überall würden händeringend Fachkräfte gesucht, zudem blieben in diesem Jahr voraussichtlich rund 20 000 Lehrstellen unbesetzt.



Der stärker werdende Mangel mache es erforderlich, „nicht nur die inländischen Potenziale am Arbeitsmarkt noch besser auszuschöpfen, sondern parallel dazu die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte zu erleichtern“, erklärte Wollseifer und lobte die bekannt gewordenen Eckpunkte für ein Einwanderungsgesetz. Auch Wegner sieht Schritte in die richtige Richtung: „Wenn wir keinen Zuzug in die Arbeitswelt bekommen, können wir das Wirtschaftswachstum nicht beibehalten.“

Bernd Wegner,
Präsident
der Handwerks­kammer Saar
Bernd Wegner, Präsident der Handwerks­kammer Saar FOTO: Peter Kerkrath