Saarbrücker Diskussion über Perspektiven der Industriekultur

Industriekultur : Was wird aus dem Bergbau-Erbe?

Wenn Gewesene über Gewesenes debattieren, könnte das befreiend sein. Weil man mal der Verantwortungslast ledig redet. Dafür aber waren Meinrad Maria Grewenig als Ex-Weltkulturerbe-Chef und Neu-SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Commerçon als früherer Kultusminister wohl noch zu amtsnah, um derart im Saarbrücker Schlosskeller über die Industriekultur im Saarland zu diskutieren.

Beide redeten zu oft noch im Zuständigkeits-Präsens von ihren „Häusern“, als dass man in puncto Vöklinger Hütte bei der Diskussion des Kultur- und Sozialvereins Saarland da hätte tiefschürfend Neues erfahren können.

Der Vorzeigeort für die Eisenproduktion ist das Eine; wie aber steht’s um das Erbe des Bergbaus in der Region? Cathrin Elss-Seringhaus, Redakteurin der Saarbrücker Zeitung, mahnte zur Konsequenz: Immer wieder seien „große Pläne gemacht worden, aber keiner hält sich dran“. Auch Commerçon plädierte „für eine Industriekulturpolitik aus einer Hand“. Bloß, sich etwa auf einen Erinnerungsstandort festlegen, eben darin liegt die Crux. Itzenplitz, Velsen, Luisenthal, Reden? Hier wurde in der Debatte mit etlichen in der Industriekultur ehrenamtlich Tätigen mal „die älteste Dampfmaschine“ als Trumpf gezogen, mal auf die bereits geleistete Arbeit gepocht. Grewenig hingegen sieht auch enormes Potenzial in den „Bergehalden“, dieser von Menschen geschaffenen Landschaft. Breiteren Zuspruch fand durchaus die Idee, die Halden mit ausgewählten Grubenorten zu verbinden, also nicht punktuell, sondern via Netzwerk an den Bergbau zu erinnern. Wer aber soll das bezahlen: die RAG-Stiftung, das Land, beide? Viele offene Fragen – zumindest aber Einigkeit darin, dass sieben Jahre nach der letzten Schicht im Schacht noch die rundum überzeugende Erinnerung an den Saar-Kohlebergbau fehlt.

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