Zwei Saarländer werden in Berlin für soziales Engagement ausgezeichent

Kostenpflichtiger Inhalt: Aktion gegen Lebensmittelverschwendung : Mit leeren Gurkengläsern zum Bundespräsidenten

Susanne Speicher von der „Fridays-For-Future“-Bewegung im Saarland und Harald Kreutzer, der Sprecher des Vereins „Weltveränderer“ aus Saarbrücken sind zum kommenden Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ins Schloss Bellevue in Berlin eingeladen. Beide sollen dort für ihr soziales Engagement ausgezeichnet werden.

Die Weltveränderer, ein noch recht junger Verein aus dem Saarland, organisiert verschiedene Veranstaltungen rund um das Thema der globalen Verantwortung. Nachhaltigkeit ist für sie ein wichtiges Thema. So machen sie zum Beispiel immer wieder darauf aufmerksam, wie viel Essen bei Veranstaltungen, in der Gastronomie im Allgemeinen oder auch in Kantinen von Schulen und Firmen weggeworfen wird. Gründe hierfür seien zumeist entsprechende „Hygienevorschriften“ oder weil schlichtweg einfach zu viel übrig bleibe, so Kreutzer. Er fordert, dass hier etwas verändert werden muss.

Auch bei dem Empfang des Bundespräsidenten im Schloss Bellevue wird es ein Buffet geben und man könne sich vorstellen, dass auch hier einiges im Abfalleimer lande, sagte Kreutzer der SZ. Daher planen Speicher und Kreutzer mit leeren und gespülten Gurken- und Senfgläsern zu der Veranstaltung am 9. Januar nach Berlin zu reisen. Dies ist Teil einer Aktion, die den Menschen vorbildhaft die Angst oder Scham nehmen soll, sich von dem übrig gebliebenen Speisen bei Buffets von Veranstaltungen zu bedienen. Um diesen Gedanken zu verbreiten, werden sie beim Händeschütteln mit Steinmeier diesem einige Gläser überreichen. Mit der Bitte, sich an den Resten seines Buffets öffentlichkeitswirksam zu bedienen. „Wenn schon der protokollarisch oberste Mann im Staat dies macht, kann das für uns Normalsterbliche auch nicht so anrüchig sein“, meint Kreutzer.

Die Weltveränderer planen durch die Saarbrücker SPD-Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb den Bundespräsidenten über ihr Vorhaben in Kenntnis zu setzen, da die Gläser wohl ansonsten aus sicherheitstechnischen Gründen gar nicht erst bis zum Buffet der Veranstaltung gelangen können.

Die Gefäße, die Speicher und Kreutzer dem Bundespräsidenten Steinmeier überreichen wollen, sind handelsübliche Gurkengläser. Denn Aufbewahrungsboxen für Lebensmittel, die man im Handel für nachhaltige Produkte erwerben kann, seien zumeist teurer, hieß es. Deshalb haben sich die „Weltveränderer“ diese Alternative einfallen lassen, sodass die Idee von „jedermann und jederfrau“ auf der Straße umgesetzt werden könne, betonte Kreutzer. Anstatt viel Geld für teure Gefäße auszugeben, können so einfach die Etiketten abgelöst werden und man nutze das Glas so mehrfach.

Die Gläser, die im Januar mit nach Berlin reisen, werden bei einer Tassen-Mal-Aktion der Weltveränderer am kommenden Samstag, 14. Dezember, von Kindern aus Malstatt noch verziert und verschönert. Bei dieser Aktion, die unter dem Namen „Blick über den Tassenrand" in der Breite 63, dem Bürger- und Kulturzentrum des Stadtteils stattfinden wird, gibt es auch einen „globalen Input“ des Vereins. Denn es soll dort auch darüber gesprochen werden, wie es den Kindern in anderen Regionen der Welt geht und darüber, ob und wie am anderen Ende der Welt Weihnachten gefeiert wird.

Ein wesentlicher Punkt unterscheidet die Weltveränderer nach eigenem Bekunden von anderen Organisationen. Sie wollen mit ihren Aktionen vor allem Menschen erreichen, welche bislang nur wenig oder gar nicht zu globalen Themen informiert sind. „In der Vergangenheit haben wir die Erfahrung gemacht, dass Nachhaltigkeitsthemen sehr häufig von Menschen gestaltet werden, welche den Bildungsweg vom Gymnasium über die Hochschule in die Entwicklungs- oder Umweltpolitik gemacht haben“, erklärte Kreutzer. Daher hätten sie sich das Ziel gesetzt, dass ihre Veranstaltungen vor allem von Menschen mit anderen Lebensläufen mitgestaltet werden.