Zwei Saarbrücker Weltverbesserer prangern nicht an, sie tun etwas.

Weltverbesserer : Von der Lebenskunst, einfach stehenzubleiben

Daniela Schaffart und Volker Wieland haben sich beim „Retten“ weggeworfener Lebensmittel kennengelernt. Sie wollen andere begeistern.

Stehenbleiben, mitten auf dem Bürgersteig. Innehalten. Sich fragen: „Was tue ich eigentlich gerade? Was für einen Job mache ich? Welche Kleidung trage ich? Macht es mich glücklich von innen heraus, oder geht es nur darum, Geld zu verdienen, Erfolg zu haben?“ Und: „Ist es vielleicht sinnvoll, mal einen Schritt zur Seite zu gehen oder auch mal einen Schritt zurück?“ Daniela Schaffart weiß, welche Kraft solche Fragen entfalten können. Mit welcher Wucht die Antworten darauf ein Leben verändern können. Sie weiß es, weil sie solche Fragen aus der gewohnten Bahn geworfen haben und immer wieder aus der Bahn werfen.

Daniela Schaffart hat „die Welt erforscht“, wie sie sagt, war als Dokumentarfilmerin rund um den Globus unterwegs, um anderen Menschen die Welt zu erklären. „Irgendwann habe ich selbst realisiert, dass ich es anders machen will. Nicht mehr um die Welt fliegen. Nicht mehr so viel vor dem Computer sitzen und Filme schneiden. Lieber mehr in der Natur sein“, sagt sie. Sie habe sich in diesem Moment selbst ernst genommen, ihr Leben geändert. Sie lebt einfacher, rettet mit anderen Lebensmittel aus den Mülltonnen von Supermärkten, kümmert sich darum, dass Lebensmittel, die noch brauchbar sind, Abnehmer finden.

Dabei hat sie auch Volker Wieland kennengelernt. Im Sportstudium habe er unter anderem gelernt, seinen Körper wahrzunehmen, sagt er. Daraus hat sich eine Wertschätzung für sich selbst entwickelt. Ohne diese Wertschätzung, ohne dieses Auf-sich-selbst-hören, sei es kaum möglich, wirklich etwas für andere zu tun, etwas für die Welt um einen herum zu tun. Volker Wieland ist grundsätzlich barfuß unterwegs, um sich und die Erde zu spüren. Er steigt auch mal in die Saar, um dort Müll zu fischen, weil er es nur schwer erträgt, wie Menschen mit ihrer Welt umgehen.

Er will diesen Menschen aber keinen Vorwurf machen, sagt er. „Es gab eine Phase in meinem Leben, da wollte ich anderen erzählen, wie sie besser leben sollen“, sagt er. Inzwischen glaubt er: „Es geht nicht darum, andere zu verändern, es geht darum, sie zu ermuntern.“ Und das gehe nicht mit erhobenem Zeigefinger. „Ich will den Menschen nicht sagen: Ihr macht etwas falsch. Ich will bei mir selbst anfangen, Verantwortung zu übernehmen“, erklärt er.

Auf sich selbst schauen – das sei „gar nicht so einfach“, findet Daniela Schaffart. Man gerate schnell unter „Egoismus-Verdacht“. „Es ist uns schon als Kind abtrainiert worden, auf uns selbst zu schauen und uns zu fragen, was uns glücklich macht“, sagt sie. Volker Wieland erinnert sich an den Satz „Der Willi ist ausgestorben.“ Mit solchen Sätzen werde schon Kindern verwehrt zu sagen, was sie wollen, was ihnen ein Bedürfnis ist. Aber darum gehe es doch: „Ich kann anderen nichts vorschreiben. Aber ich kann für mich selbst einstehen und mutig sein, zu dem zu stehen, was mich auszeichnet und besonders macht.“

Aus diesem Selbstverständnis  heraus komme man dann automatisch darauf, sich Gedanken über das, was wir essen, zu machen. Auf Gedanken über den Abfall unserer Gesellschaft. Gedanken darüber, warum Menschen leiden. Gedanken darüber, wie wir uns fortbewegen. Und so entwickle man auch Mitgefühl, nicht Mitleid, mit anderen Menschen, mit der Welt.

Das alles sei auf der einen Seite ganz einfach, auf der anderen aber offenbar auch unheimlich schwierig. „Die Leute sagen immer, dass das ja keiner so machen kann wie wir“, sagt Volker Wieland. Dabei gehe es doch „nur um Wertschätzung, darum, das Leben zu feiern, und das, was wir haben, nicht nur zu verbrauchen, sondern es zu genießen“. Und darum, ab und zu innezuhalten und sich Fragen zu stellen.

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