Zwei Gärtner wollen den Saarbrücker Saarkran retten

Saarbrücker Stadtgeschichte : Zwei Gärtner wollen den Saarkran retten

Alexander Benzmüller und Tim Schwarz starten eine neue Initiative zur Sanierung des Saarbrücker Wahrzeichens.

Aus Trauer entsteht Engagement. Aus Ärger über Ignoranz entsteht ein „Jetzt erst recht“-Gefühl. Zumindest ist das ab und zu bei Alexander Benzmüller so. Etwas, das den Gärtner gerade traurig stimmt, ist der Anblick des historischen Saarkrans am Saarbrücker Saarufer unterhalb der Wilhelm-Heinrich-Brücke. Was für ihn genauso traurig ist: Der Stadtpolitik, der Saarbrücker Bevölkerung und der Saarbrücker Wirtschaft scheint der marode Kran gleichgültig zu sein.

„Warum ist dieses wichtige Stück Geschichte absolut unwichtig?“, fragt Benzmüller. „Stadtmitte am Fluss, hochtrabende Pläne, alles toll, alles super! Und der Saarkran? Völliges Desinteresse, Vergessen. Am besten abreißen? Einfach traurig!“, sagt Benzmüller. „Wo sind bei diesem Thema die Mandatsträger dieser Stadt?“, fragt er. Und zeigt sich auch von der Saarbrücker Wirtschaft enttäuscht. Denn deren Wahrzeichen sei der Kran doch eigentlich. Der 1761 nach Plänen des Baumeisters Friedrich Joachim Stengel errichtete Kran diente dem Umladen von Waren aus Saarschiffen auf Karren und Fuhrwerke.

Er wurde zum „Symbol für die Handelsgeschichte der Stadt Saarbrücken“ – allerdings erst, seit er zwischen 1989 und 1991 von der Industrie- und Handelskammer wieder auf dem alten Fundament neu aufgebaut wurde. 800 000 Mark, also rund 400 000 Euro, hat sich die IHK das damals kosten lassen. Bereits 2001 war das Bauwerk schon wieder sanierungsbedürftig. Es gründete sich eine Initiative aus Wirtschaftsvertretern und anderen engagierten Bürgern, die das Geld dazu, 13 000 Euro, sammelten. Bei der Sanierung hatte man allerdings offenbar am Material gespart und statt Eichen- wurde Fichtenholz eingesetzt, das schneller faulte.

Es sei an der Zeit, wieder zu handeln, sagt Alexander Benzmüller. Seine ersten Versuche, in der Wirtschaft Geld lockerzumachen, seien zwar gescheitert, aber: „Das treibt mich nun umso mehr an, dieses Projekt Saarkran voranzubringen.“ Zusammen mit Tim Schwarz, ebenfalls ein Gärtner, ruft Alexander Benzmüller auf: „Bürger, Geschäftsleute, Handwerker, lasst uns gemeinsam ein Projekt entwickeln und umsetzen. Lasst den Saarkran wieder zu einem stolzen Wahrzeichen von Saarbrücken auferstehen!“

Dass er mit Hartnäckigkeit etwas erreichen kann, hat Benzmüller bereits gezeigt. Vor zwei Jahren hat er so lange keine Ruhe gegeben, bis unter dem steinernen Kopf des „geizigen Beckers“ an der Saarbrücker Schlossmauer Rhododendren gepflanzt wurden. Durch diese „Aufwertung“, das war Benzmüllers Ziel, sollte das steinerne Zeugnis aus der Saarbrücker Stadtgeschichte besser in Szene gesetzt werden. In der Nachbarstadt engagiert sich Benzmüller als Sprecher der AG „Lebenswertes Völklingen“ für die historische Anlage am Alten Brühl.

Im Sommer des Jahres 2012 ist der marode Arm des Krans abmontiert worden. Der Metalladler, der auf ihm thronte, ist eingelagert worden. Mit rund 80 000 Euro bezifferte die Stadt damals die Kosten für eine Sanierung des Saarkrans. Alexander Benzmüller zweifelt an dieser Kalkulation. Er hofft, dass sich Handwerker melden, die neu rechnen und sich an der Sanierung beteiligen.

Trotz aller anderen Probleme: Es sei geradezu unerträglich, dass Menschen bereit sind, die Zeugen der Vergangenheit einfach so verschwinden zu lassen, sagt der Gärtner mit historischem Bewusstsein. Und wenn die Politik die Initiative nicht ergreife, dann müssen das eben die Bürgerinnen und Bürger tun, finden er und Tim Schwarz.

So wie auf diesem Foto aus dem Jahr 2001 soll der Saarkran wieder aussehen. Historisch ist nur noch der steinerne Sockel. Foto: BECKER&BREDEL/Becker && Bredel
Alexander Benzmüller (links) und Tim Schwarz vor dem Saarkran, den sie wieder in seine alte Form bringen wollen. . Foto: BeckerBredel

Kontakt ist möglich per E-Mail an:
saarkran@gmx.de

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