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Steuern, die zurückfließen
Zuschüsse für Jugendarbeit auf dem Prüfstand

Dudweiler. Der Bezirksrat Dudweiler will sicher gehen, dass die Vereine in der Jugendarbeit nur qualifiziertes und überprüftes Personal einsetzen.

Ein heikles Thema, über das „schwierig zu reden ist“, sprach Martin Kerz bei der jüngsten Sitzung des Dudweiler Bezirksrates an. Das Mitglied der SPD-Fraktion ergriff beim Tagesordnungspunkt „Gewährung von Zuschüssen an Sportvereine zur Förderung der Jugendarbeit für das Jahr 2018“ das Wort. Da der Bezirksrat für die Verteilung dieser Zuschüsse zuständig ist, könne man sich doch einen Schlüssel überlegen, nach dem die Vereine einen Nachweis erbringen müssten. Dieser solle darlegen können, dass die Übungsleiter für die Arbeit qualifiziert seien, kurz: „Dass die Kinder in sicheren Händen sind.“


Hintergrund seiner Initiative seien Meldungen, denen man entnehmen konnte, dass es mancherorts im Jugendtraining zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Er sei sich im Klaren darüber, dass es für viele Vereine sicherlich schwierig zu stemmen sei, beispielsweise Übungsleiter zu Fortbildungen zu schicken. Deswegen habe seine Fraktion dieses Thema angeschnitten, um es im Rat zu diskutieren.

Bezirksbürgermeister Reiner Schwarz habe in seiner Eigenschaft als Mitglied der gleichen Fraktion den Landessportverband für das Saarland (LSVS) kontaktiert. Derzeit gebe es keine Regelung, nach der „bestimmte Dinge gefordert werden“. Auch der Erwerb der „Juleica“, dem Nachweis für Ehrenamtler in der Jugendarbeit, bei dem man unter anderem pädagogische und rechtliche Inhalte lernt, sei freiwillig. „Es ist innerhalb der Vereine heute schon sehr schwer, überhaupt Menschen zu finden, die Jugendarbeit machen“, gab er zu bedenken. Wenn man ihnen nun noch die Auflage mache, Kosten für Schulungen zu übernehmen, werde es noch schwerer.



Ralf-Peter Fritz, Vorsitzender der CDU-Fraktion, stimmte zu, dass man sich über das Thema Gedanken machen sollte, wobei es die Zuschüsse für dieses Jahr aus Zeitmangel wohl kaum mehr betreffen könne. Er regte an, das Thema innerhalb des interfraktionellen Gesprächs aufzugreifen, das man somit auch „wiederbeleben könnte“.

Michael Wagner, Leiter der örtlichen Volkshochschule, wies darauf hin, dass man von Übungsleitern, die für die VHS in der Jugendarbeit tätig sind, ein Führungszeugnis und ein erweitertes Führungszeugnis anforderte. „Das ist zumindest mal ein Anfang“, so Wagner.

„Das kostet richtig Geld“, gab der Bezirksbürgermeister zu bedenken. Der finanzielle Aspekt solle jedoch nicht der einzige Grund sein, dagegen zu sein, konterte Martin Kerz: „Wir überweisen den Vereinen ja schließlich Geld, um die Jugendlichen ordentlich zu betreuen und zu trainieren.“

So wichtig der Schutz von Kindern sei, für so falsch halte er den Ansatz, alle Übungsleiter in der Jugendarbeit unter „Generalverdacht“ zu stellen, warf Mirko Welsch vom Bürgerbündnis Saar ein. Er regte an, eine „nachhaltige“ Lösung zu finden, die nicht „über den Kopf hinweg der Vereine“ entschieden, sondern mit ihnen diskutiert werde.

Annabelle Sontag (FDP) sagte, dass es in Schulen oder Kindergärten ganz undenkbar sei „dass jemand mit den Kindern arbeitet, ohne vorher ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt zu haben“.

Der Vorstoß von Martin Kerz, den Tagespunkt auf die nächste Sitzung zu verschieben mit der Maßgabe, bis dorthin neue Kriterien ausformuliert zu haben, stieß auf negatives Echo. Bezirksbürgermeister Schwarz warf ein, dass es die Verwaltung kaum schaffe, eine entsprechend geänderte Vorlage auszuarbeiten und alle Vereine anzuschreiben. „„Wir sollten aber sehr wohl deutlich machen, dass uns das Thema wichtig ist und wir gewisse Sachen ändern wollen“, erklärte Ralf-Peter Fritz. Sein Vorschlag, die Thematik im nächsten Jahr zu behandeln und gleichzeitig die Vereine seitens der Verwaltung anschreiben zu lassen und um eine Stellungnahme zu bitten, was bisher unternommen wurde, stieß auf einstimmige Unterstützung. Dies soll ausgeweitet werden auf alle anderen Vereine und Verbände, die sich in der Jugendarbeit engagieren.