Zehn Jahre nach dem Erdbeben: Auch das Saarland spendete für Haiti

Kostenpflichtiger Inhalt: Erdbebenkatastrophe von Haiti : Auch das Saarland spendete für die Opfer der Katastrophe

Er meldet sich und sagt: „Ja, ich bin tatsächlich der Horst Horbach mit dem Spendenkonto.“ Der Richtige am Apparat. Und der Richtige ist ein wenig überrascht, muss noch einmal im Gedächtniskasten kramen.

Ja, lange zehn Jahre ist es her, dass der Mann aus Neunkirchen für seinen haitianischen Schwiegersohn und dessen Landsleute alle Hebel in Bewegung setzte. Jean Montout, damals 27, ist auch heute noch mit Horbachs Tochter Katharina verheiratet. Und noch heute verbindet ihn viel mit seiner Heimat Haiti.

Als es in seiner Geburtsstadt Jacmel bebte, verlor Montout erst eine Cousine, dann einen Cousin. Auch viele Freunde überlebten den 12. Januar nicht. „Die Stadt Jacmel ist kaputt“, meldete damals das Kinderhilfswerk Plan International. Und Horst Horbach musste handeln, verpasste seinen Namen einem Konto, auf dem am Ende knapp 39 500 Euro eingehen sollten. „Man kennt mich hier, ich habe gehofft, das würde helfen.“ Es half, und wie es half!

Der mittlerweile 70-Jährige erinnert sich noch gut daran, wie er regelmäßig zur Western-Union-Bank nach Saarbrücken fuhr und dort ein Passwort nach Haiti durchgab. Am anderen Ende wartete der Bruder seines Schwiegersohns, ein Arzt, der nach dem Beben nicht mehr zur Ruhe kam. Fast 600 Menschen starben in Jacmel, viele wurden obdachlos. Die Spenden aus dem Saarland: ein Segen für die Menschen vor Ort. Die dafür bei Jean Montouts Mutter Schlange standen. Für Reis, Getreide, Spülmittel, Seife. „Wir haben mit dem Geld sogar 40 bis 50 Hühner gekauft.“ Und acht Häuser wieder aufgebaut. Das Konto unter dem Namen „Horst Horbach“ hatte nach einem Jahr seinen Zweck erfüllt. Auch andere Hilfsaktionen waren zeitlich begrenzt, aber ebenso wirkungsvoll.

Unter dem Motto „Jeder Beitrag hilft“ spendeten Mitarbeiter des Regionalverbands die Restcentbeträge ihrer Monatsgehälter. 4954 Euro. Ein Engagement, das auch auf die Saar-Haitianerin Marie-Claude Dumas zurückgeht. Selbst Schüler der Waldorfschule Bexbach machten mit – und überreichten ihr einen Scheck über 17 000 Euro. Die lokale Hilfsbereitschaft: überwältigend. Und das, obwohl nach SZ-Informationen damals gerade einmal drei Menschen aus Haiti im Saarland lebten. Heute, Stand 30. November 2019, sind es laut Innenministerium 14 Haitianer. Sie werden, um es in den Worten von Horst Horbach auszudrücken, wohl auch zehn Jahre danach noch „einen Kloß im Hals haben“.