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Wohlfahrtsverbände: Zwangsräumung ist Skandal

Scharfe Kritik an Gerichten : Wohlfahrtsverbände: Zwangsräumung ist Skandal

Die Liga der freien Wohlfahrtspflege Saar fordert die Amtsgerichte und Gerichtsvollzieher auf, Zwangsräumungen für die Zeit der Ausgangsbeschränkungen während der Coronakrise auszusetzen. „Die Zwangsräumung einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern durch einen Gerichtsvollzieher letzte Woche in Saarbrücken ist in der derzeitigen Situation ein Skandal“, sagt die Vorsitzende des Liga-Ausschusses Armut, Anne Fennel.

Auch in anderen saarländischen Städten und Landkreisen würden Zwangsräumungen nicht aufgeschoben. Im Fall der Saarbrücker Familie habe das Amtsgericht einen Antrag auf Aufschub abgelehnt. Die alleinerziehende Mutter musste mit ihren Kindern die Wohnung verlassen, die Obdachlosenbehörde habe ihr eine andere Wohnung zugewiesen. Sie konnten lediglich mitnehmen, was sie tragen konnten. „Zwar dürften die Sachen und die Einrichtung, etwa eine Küche, noch abgeholt werden, doch dies zu organisieren, sei fast unmöglich, da auch die Wohlfahrtsverbände durch die einschneidenden Beschränkungen nicht überall tätig werden dürfen“, sagt Fennel. Das verschärfe die Situation von Betroffenen. „Während alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert sind, zu Hause zu bleiben, werden andere auf die Straße gesetzt“, sagt Fennel.

In der Liga Saar arbeiten die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege im Saarland zusammen. Dazu gehören die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die SynagogenGemeinde Saar.