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Fußball-Fieber
WM gucken ist an manchem Arbeitsplatz tabu

Fans wie Adin Hajric decken sich gern mit WM-Utensilien ein. Ob sie am Arbeitsplatz die Spiele sehen dürfen, hängt vom Arbeitgeber ab.
Fans wie Adin Hajric decken sich gern mit WM-Utensilien ein. Ob sie am Arbeitsplatz die Spiele sehen dürfen, hängt vom Arbeitgeber ab. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Bei Saarstahl haben Fernseher in der Produktion nichts zu suchen. Auch im Handel fehlt oft die Zeit, ein komplettes Spiel zu sehen.

Das nächste Deutschland-Spiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Am morgigen Samstag um 20 Uhr kickt die deutsche Nationalelf gegen Schweden – ein wichtiges Spiel. Doch was tun, wenn die Übertragung in die Arbeitszeit fällt? Wir haben uns in Saarbrücker Unternehmen umgehört.


Bei der Saarstahl AG in Burbach besteht nach Angaben von Sprecherin Ulrike Jungmann keine Möglichkeit, die Spiele anzuschauen. „Wie bei allen großen Sportveranstaltungen der Vergangenheit gilt für einen hoch technisierten Industriebetrieb wie Saarstahl, dass viele Produktionsanlagen grundsätzlich nicht einfach abgeschaltet werden können, sondern kontinuierlich durchlaufen müssen, auch aufgrund der starken Auslastung derzeit“, teilt Jungmann mit. Und Leinwände in die Produktion zu stellen, kommt wegen der Arbeitssicherheit nicht in Frage.

Da die Spiele aber auch am Wochenende beziehungsweise abends sind, betreffe das nur einen Teil der Belegschaft. „Hier gibt es die Möglichkeit, dass Mitarbeiter sich von Fall zu Fall abstimmen beziehungsweise Schichten untereinander tauschen. Verwaltungsmitarbeiter können nach Rücksprache von der Gleitzeit Gebrauch machen. Insgesamt stellen sich die Mitarbeiter darauf ein“, erklärt Jungmann.



Pressesprecher Thomas Blug sagt, es gebe bei der Stadt Saarbrücken keine einheitliche Regelung. „Wenn es der Dienstbetrieb zulässt, spricht aber auch nichts dagegen, dass Mitarbeiter im Rahmen unserer flexiblen Arbeitszeitmodelle sich stunden- oder tageweise freinehmen. Das wird in den Ämtern aufgrund der jeweiligen Gegebenheiten intern geklärt.“

Rolf Vostal, Versicherungsmakler in Saarbrücken, sieht die WM-Spiele dagegen ganz entspannt: „Ich bin da völlig schmerzfrei. Wenn ein Mitarbeiter im Hintergrund den Livestream laufen lässt, habe ich nichts dagegen. Und wenn Deutschland mal um 14 Uhr spielen würde, würde ich der Belegschaft freigeben.“

Karin Markenstein, Pressesprecherin der ZF Friedrichshafen AG, erklärt: „Die Mitarbeiter dürfen bei uns alle Spiele mit deutscher und französischer Beteiligung schauen.“ Die Spiele werden auf Leinwänden in den Kantinen übertragen. „Voraussetzung ist allerdings, dass der Produktionsbetrieb nicht beeinträchtigt wird und die Mitarbeiter für die Zeit des Spiels ausstempeln.“

Bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr können die Feuerwehrleute jedes Spiel anschauen. „Wir haben ja im 24-Stunden-Dienst Bereitschafts- und Arbeitszeit. In der Bereitschaftszeit darf man natürlich auch die Weltmeisterschaft anschauen. Die Feuerwehrleute haben die Möglichkeit, die Arbeits- und Bereitschaftszeit innerhalb ihrer Schicht flexibel zu planen“, sagt Stefan König, der derzeit die Berufsfeuerwehr leitet. Nur wenn ein Einsatz ansteht, dann muss selbst der Elfmeter hintenanstehen. Dann wird ausgerückt.

Im Einzelhandel können die Mitarbeiter auch kein ganzes Spiel während der Arbeitszeit verfolgen. Peter Appel, Werbeleiter bei Globus in Güdingen erklärt: „In unserem Kundenbereich, wo auch die Fanartikel angeboten werden, haben wir für unsere Kunden einen Fernseher aufgebaut. Dort laufen alle Spiele der Weltmeisterschaft.“ Die Mitarbeiter des Globus können in ihren Pausen dann auch die Spiele verfolgen. „Bisher hatten wir aber Glück, denn die Spielzeiten waren bisher immer außerhalb unserer Arbeitszeit.“

Die Belegschaft des  Güdinger Einkaufszentrums drückt nicht nur den Deutschen die Daumen. Jeder dritte Globus-Kunde kommt aus Frankreich. „Deshalb freuen wir uns natürlich auch, wenn Frankreich weit kommt“, sagt Werbeleiter Appel. Die Fanartikel laufen in diesem Jahr gut, sagt der Handelskenner. „Wir sind jetzt in freudiger Erwartung und hoffen, dass wir wegen der 0:1-Niederlage am vergangenen Samstag gegen Mexiko nicht nach Hause fahren müssen. Das ist auch für andere Firmen schlecht. Oder für die Veranstalter von Public Viewings.“