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Saarbrücken
WM-Aus sorgt für Frust am Staden

Ein Spiel zum Wegschauen. Fußballfans wandten sich ein ums andere Mal enttäuscht von dem ab, was da an Fernsehbildern aus Russland kam.
Ein Spiel zum Wegschauen. Fußballfans wandten sich ein ums andere Mal enttäuscht von dem ab, was da an Fernsehbildern aus Russland kam. FOTO: Heiko Lehmann
Saarbrücken. Letzter Auftritt der Löw-Elf schlägt Saarbrücker Fans auf die Stimmung. Aber viele waren vom Debakel keineswegs überrascht. Von Heiko Lehmann

Hier und da gab es gestern gegen 17.54 Uhr am Standen in Saarbrücken ein Kopfschütteln oder ein tiefer Blick in die Leere. So richtig fassungslos war aber keiner der etwa 800 Besucher, die das WM-Aus der Deutschen Nationalmannschaft auf sechs Großbildfernseher an der Saar verfolgten.


„Die waren heute einfach schlecht. Wir waren sogar schlechter als Südkorea. Das geht in Ordnung, dass wir ausgeschieden sind“, sagte Heide Grimm, die eigentlich gar kein Fußball-Fan ist, aber die Spiele der Deutschen bei großen Turnieren immer schaut.

Max Müller und Tobias Seibel waren, wie viele andere auch, in Deutschland-Trikots zum Spiel gegen Südkorea gekommen. Beide hatten schon in der ersten Halbzeit kein gutes Gefühl. „Die Aufstellung ist komisch. Müller sitzt auf der Bank, und dafür spielen Özil und Khedira. Mit den zwei haben wir schon gegen Mexiko verloren“, so Jonas Seibel. „Trotzdem schaffen wir das. Irgendwie machen wir wieder ein Tor“, hoffte Max Müller nach 20 Minuten.



Doch bis zur Halbzeit passierte im so wichtigen WM-Spiel für Deutschland nicht viel. Dafür tat sich an den Bierständen am Staden umso mehr. „Wir arbeiten heute mit vier Leuten an jedem Stand. Bei diesem Wetter ist immer die Hölle los“, sagte Marvin Brandt, der selbstverständlich im Trikot von Nationalspieler Julian Brandt die durstigen Fans mit Getränken versorgte und zur Pause auch noch guter Dinge war.  „Julian wird irgendwann eingewechselt und dann schießt er uns ins Achtelfinale“, sagte Brandt.

In den zweiten 45 Minuten war dann die Anspannung am Staden förmlich zu spüren. Als Leon Goretzka in der 47. Minute den Ball freistehend dem südkoreanischen Torhüter in die Arme köpfte, ging das erste Raunen durch den Staden. Doch die Fußball-Magerkost ging weiter. „Irgendwie glaube ich nicht, dass das heute noch was wird. Die spielen alle viel zu lahm. Vor vier Jahren haben wir viel schneller gespielt“, sagte Heike Kempf, die sich aufgrund der heißen Sonne schon in den Schatten verzogen hatte und gar nicht mehr hinschauen wollte.

In der 77. Minute wurde Julian Brandt eingewechselt, und der ganze Staden applaudierte. Mit „Deutschland-Deutschland“-Rufen machten sich die Fans wieder Mut. Doch selbst die großen Kopfballer in der National-Elf wie Mario Gomez (79.) oder Mats Hummels (86.) vergaben riesige Chancen zur 1:0-Führung. Schweden erzielte im Parallelspiel das 3:0, und jeder am Staden wusste, Deutschland brauchte zum Weiterkommen nur ein Tor. Wenig später brach Jubel am Staden aus.

Deutschland hatte zwar kein Tor geschossen, doch der Schiedsrichter zeigte eine sechsminütige Verlängerung an und die Fans klammerten sich an jeden Strohhalm. Als Südkorea das 1:0 zunächst wegen angeblicher Abseitsstellung nicht anerkannt bekam, jubelten die Fans zum zweiten Mal.

Doch es sollte der letzte Jubel in Saarbrücken gewesen sein. Südkorea bekam das Tor nach Videobeweis doch noch zuerkannt und erzielte wenig später das 2:0. „Irgendwie ist das schon sehr bitter, aber wir haben einfach nicht gut gespielt. Das Leben geht weiter“, sagte Service-Mann Marvin Brandt nach dem WM-Aus. Doch trotz der wenig weltmeisterlichen Leistung blieb die totale Niedergeschlagenheit in Saarbrücken gestern aus.

Das war vor einem Monat noch ganz anders. „Als Saarbrücken die Relegation zur 3. Fußball-Liga nicht geschafft hat, war es viel schlimmer. Damals herrschte Beerdigungsstimmung. Heute war das Ausscheiden ja irgendwie eine logische Konsequenz“, sagte FCS- und Deutschland-Fan Thorsten Schwartz.