1. Saarland
  2. Saarbrücken

Wirrwarr an den deutsch-französischen Grenze bei Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken/Schoeneck : In der Rue Pasteur liegt ein Teil von Deutschland in Frankreich

Die Bewohner von drei Häusern in Gersweiler müssen durch Frankreich, wenn sie in Gersweiler einkaufen oder in Großrossseln ihre Post abholen wollen.

Drei Häuser stehen in der Rue Pasteur in Saarbrücken-Gersweiler und bilden eine deutsche Exklave in Lothringen. Auf Saarbrücker Grund errichtet, sind sie vom französischen Grenzort Schoeneck erschlossen und auch nur über diesen mit dem Auto zu erreichen. Die Familien, die dort wohnen, haben seit den Grenzschließungen zwei wesentliche Probleme. Sie bekommen keine Post mehr und dürfen die Grenze in Schoeneck nur noch benutzen, wenn Polizisten ein Auge zudrücken, denn offiziell ist es verboten.

 Agnes Wagner gehört zu den Betroffenen und rennt seit Wochen ihrer Post hinterher: „Die kommt postlagernd mal nach Klarenthal oder nach Großrosseln. Dann stand mein Mann 30 Minuten in der Schlange, und als er an die Reihe gekommen wäre, schloss der Schalter“, berichtet die Ärztin über den Service der Post.

Und da man nicht über die Schoen­ecker Grenze dürfe, müsse man über die Goldene Bremm in den Warndt fahren, um Briefe abzuholen. Ohnehin habe es lange gedauert, bis deutsche Postdienste die Rue Pasteur als deutsche Adresse angefahren hätten. Das sei nur durch Presseberichte erreicht worden. Jetzt stockten Postsendungen erneut. Das Gleiche prangert Nachbar Markus Anton an. „Die Post hat einfach die Zustellung eingestellt, niemand hat uns benachrichtigt, nicht mal ein Anruf wurde getätigt. Auch wir müssen unsere Post suchen gehen. Wir wissen nicht, ob dabei nicht auch Sendungen verlorengegangen sind.“

Zur pflegebedürftigen Schwiegermutter nach Gersweiler müssten sie regelmäßig. Der offizielle Weg führe über die Goldene Bremm. Doch das sieht Familie Anton nicht ein. „Wir wohnen in Gersweiler und wollen in Gersweiler zur Mutter fahren können. Wir versuchen es immer in Schoeneck. Manchmal drücken die Beamten dann ein Auge zu, aber oft gibt es auch Ärger oder gar Drohungen“, sagt Inge Bärbel Anton. Bußgeld habe man ihnen schon angedroht, ihre Angaben angezweifelt oder eine polizeiliche Bestätigung, dass sie in der Exklave wohnen, ignoriert: „Das waren Bundespolizisten. Die sagten, eine Bescheinigung der Landespolizei gelte für sie nicht.“ Formal sei das korrekt, sagt Bundespolizeisprecher Carsten Eberhard. Offiziell sei der Grenzübergang „entwidmet“ und damit für jeden geschlossen. Familie Anton versucht es trotzdem immer wieder. Meist würden die Beamten ein Auge zudrücken. Trotzdem sei in diesen Zeiten das Wohnen in der Rue Pasteur mit vielen Nachteilen verbunden.

Die drei deutschen Familien dort sehnen die Grenzöffnung herbei: „Auch für die französischen Nachbarn. Hier ist so viel zusammengewachsen, was jetzt wieder kaputtgemacht wird. Das muss endlich wieder aufhören“, appelliert Markus Anton an die Politik und wünscht sich offene Grenzen, auch wenn andere Einschränkungen weiterhin berechtigt seien.