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Noch ist der Standort Neuweiler nicht gesichert
Wird die Kita-Lösung doch wieder gekippt?

In der Redaktion in Sulzbach zu Gast (v. l.): Frank Mayer, Dieter Heckmann und Michael Henrichs.
In der Redaktion in Sulzbach zu Gast (v. l.): Frank Mayer, Dieter Heckmann und Michael Henrichs. FOTO: Stephanie Schwarz
Sulzbach. Ausbau der Pestalozzischule in Neuweiler: Die SPD ist strikt dagegen, das Jugendamt ist noch in der „internen Meinungsfindung“.

Als der Stadtrat Mitte Juni tagte, fiel eine weitreichende Entscheidung. Denn CDU, Linkspartei und „Fraktion der Mitte“  winkten am 13. Juni gemeinsam ein neues Projekt durch – gegen die Stimmen von SPD und der Freien Wähler. Die Neinsager monierten vor allen Dingen, dass sie quasi im Nebel stocherten, weil noch keine Zahlen als Diskussionsgrundlage vorliegen würden und man nicht mitstimmen werde aufgrund von fehlender Transparenz. Einige Tage nach der Sitzung erhielt die SPD diese Zahlen, die sie ihrem Abstimmungsverhalten gern zugrunde gelegt hätte.


Dezidiert hat die Verwaltung nun den voraussichtlichen Bedarf in allen städtischen Kitas und  den Betreuungseinrichtungen der freien Träger  bis ins Jahr 2020/2021 dargelegt. Daraus ergibt sich, dass vor allem in der Innenstadt Kita-Plätze fehlen – und das nicht zu knapp. Für 2018/2019 sind es 128, für 2020/2021 schon 153. Aber: Der Stadtrat folgte – ungeachtet dessen und bar jeglicher fundierter Informationen – mehrheitlich dem Beschlussvorschlag der Verwaltung. Demnach wird es noch zwei weitere Kita-Gruppen in der Pestalozzischule im Stadtteil Neuweiler geben. Und einen Bus, der die Kinder aus anderen Stadtteilen dorthin bringt. Die Schule wird gerade umgebaut und bietet mehr Platz, nachdem die „Staatliche Förderschule Sprache“ nach Beschluss des Saar-Bildungsministeriums ihre Dependance mit drei Klassenräumen aufgeben muss. Die bislang geschätzten Kosten für den neuerlichen Ausbau: 750 000 Euro.

Im Gespräch mit dem SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Dieter Heckmann, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank Mayer und dessen Stellvertreter Michael Henrichs erfährt man, dass die Genossen die mehrheitliche Entscheidung im Rat am liebsten kippen würden. Und zwar aus vielerlei Gründen. Da möchte man etwa die im Raum stehende Schließung des Kindergartens in Schnappach nicht hinnehmen – sondern für die Sanierung des Gebäudes plädieren. Die Genossen stützen sich auf Unterlagen der Verwaltung von 2016. Aus diesen gehe hervor, dass bei Sanierung – abzüglich der zu erwartenden Zuschüsse – die Stadt bloß noch 27 000 Euro hätte zuschießen müssen, um das Haus herzurichten.



Die SZ hat gestern auf Anfrage bei der Pressestelle des Regionalverbandes erfahren, dass es am Dienstag dieser Woche ein Gespräch mit der Verwaltungsspitze in Sulzbach gegeben hat. Derzeit, so heißt es aus Saarbrücken, sei man, „intern in der Meinungsfindung“, was die Kita-Erweiterung am Standort Neuweiler angeht. Will heißen: Da ist vonseiten des Jugendamtes als Planungsträger noch überhaupt nichts entschieden. Es könnte sein, dass das Vorhaben Pestalozzischule in sich zusammenfällt wie ein Soufflé.

Die Sulzbacher SPD hält es auch für pädagogisch nicht gerade wertvoll, wenn Kita-Kinder nicht in ihrem sozialen Umfeld verbleiben. Und: Im Gegenteil zum geplanten „Betonklotz“ in Neuweiler, gebe es in Schnappach „Natur pur“. Da hätte man einen „ganz tollen Waldkindergarten“.

Unterm Strich ziehen Heckmann, Mayer und Henrichs folgendes Fazit: „Nach Adam Riese fehlen rund 100 Kita-Plätze in der Innenstadt. Das ist die Realität.“