Wilderer tötet jungen Rehbock bei Bischmisheim

Kostenpflichtiger Inhalt: Tierquälerei : Wilderer tötet Rehbock bei Bischmisheim

Junges Tier verendet nach einem Kopfschuss. Jägerin befürchtet, dass ein Serientäter in den Wäldern sein Unwesen treibt.

Ein Blick reichte. Schon wich die Freude am Spaziergang der Fassungslosigkeit. Unweit des Alten Mühlenwegs lag in Bischmisheim ein verendetes Rehbock-Kitz. Die klaffende runde Wunde im Schädel ließ keinen Zweifel, was dort geschehen war. Jemand hatte das noch junge Tier, einen sogenannten Jährling, regelrecht abgeknallt und dann wie Abfall liegen lassen.

Für den Spaziergänger war klar: Ein richtiger Jäger macht so was nicht. Und er wusste, wer in diesem Gebiet wirklich auf die Jagd gehen darf. Der alarmierte Pächter war entsetzt, als er sah, was ein Wilderer angerichtet hatte. Der Jäger will jetzt unbedingt wissen, wer hinter dieser Straftat steckt.

Genauso wie die Jägerin Elvira Bier. Auch sie geht in diesem Revier bei Bischmisheim auf die Pirsch. Die Juristin lässt seit dem Vorfall von Ende September die Sorge nicht los, dass in den saarländischen Wäldern seit geraumer Zeit ein Serientäter unterwegs ist. „Ähnliche Vorfälle gab es bei Saarlouis und bei Medelsheim.“

Bier ist wütend auf einen Tierquäler, dem das Leid seines Opfers egal ist. Da treibe jemand sein Unwesen, der auf den Kopf eines Tieres wie auf eine Scheibe zielt und eiskalt abdrückt. Von der fehlenden Erlaubnis, im betreffenden Revier auf die Jagd zu gehen, mal ganz zu schweigen.

„Wer so etwas tut, begeht Jagdwilderei“, sagt Bier. Sie ging am Freitag mit ihrem Hinweis auf die Straftaten an die Öffentlichkeit, weil es noch immer keine Hinweise gibt, wer das getötete Wild ins Visier genommen hat.

Der Bischmisheimer Fall legt für Bier wegen der Lage des Kadavers ein besonders hinterhältiges Vorgehen nahe: Wenn der Täter aus einen Auto auf den Bock zielte und ihn mit dem Scheinwerferlicht blendete, dann war das reglos verharrende Tier dem Schützen ausgeliefert.

Elvira Bier will verhindern, dass noch weiteres Wild so sterben muss. Deshalb ruft sie alle Waldspaziergänger dazu auf, die Augen offen zu halten. „Es könnte ja inzwischen eine Masche des Täters sein, das Tier nach dem Todesschuss einfach liegenzulassen.“

Bier rät: Wer verendetes Wild findet, dass derart zugerichtet ist, sollte sich rasch an die nächste Polizeidienststelle wenden. Die Beamten hätten eine Liste der sogenannten Jagdausübungsberechtigten die über Zwischenfälle im jeweiligen Revier zu informieren sind.

Das könnte weiteres Leid verhindern und Wildtieren ein längeres Leben sichern. Rehen wie dem gewilderten Bock. Bier kannte das gesunde Kerlchen, wusste, in welcher Gruppe es lebte. Das wäre noch einige Jahre so gegangen – wenn nicht ein Wilderer geschossen hätte.

Mehr von Saarbrücker Zeitung