Wie sich der Klimawandel aufs Saarland auswirkt

Kostenpflichtiger Inhalt: Folgen der Erderwärmung : Wie sich der Klimawandel aufs Saarland auswirkt

Die Folgen sind bereits heute in Teilen sichtbar – und werden sich noch verstärken: Der Klimawandel wird eine Herausforderung für Mensch und Natur. Und sich dagegen zu wappnen, wird viel, viel Geld kosten.

Wie wirkt sich der Klimawandel konkret auf das Saarland aus, etwa in den nächsten 30 Jahren? Das lasse sich verhältnismäßig zuverlässig vorhersagen, sagt der Klimatologe Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Frankfurt. Und zwar unabhängig davon, welche politischen Vorhaben zur Reduzierung der CO2-Emmissionen bis Mitte des Jahrhunderts (also bis zum Jahr 2050) umgesetzt werden. Denn ein Molekül Kohlendioxid von heute habe Auswirkungen bis 2040 – also rund 20 Jahre. Anders formuliert: Heute angestrengte Maßnahmen zum Klimaschutz wirkten sich erst in 20 Jahren allmählich aus. Heutige Prognosen für einen Zeitraum von 30 Jahren dürften also zumindest annähernd genau sein.

Walter geht – bei einem unveränderten Emmissionsverhalten – deutschlandweit von einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur in den Jahren 2031 bis 2060 um 1,6 bis 2,2 Grad gegenüber dem Referenzzeitraum von 1971 bis 2000 aus. Aufgrund seiner geografischen Lage geht er im Saarland bis 2050 mit einer Erhöhung der Durchschnittstemperatur von 2 Grad aus. Mit überdurchschnittlichen Erwärmungen wie etwa im Oberrheingraben, im Rhein-Main-Gebiet oder in Brandenburg sei im Saarland nicht zu rechnen – auch wenn sich der durchschnittliche Temperaturanstieg vor allem im Saartal bemerkbar machen werde.

Ein Unwetter fegte in der Nacht zum 1. Juni 2018 über Kleinblittersdorf. Foto: BeckerBredel

Wie andernorts auch rechnet Walter, der das Sachgebiet „Anpassung an den Klimawandel“ beim Deutschen Wetterdienst leitet, auch im Saarland des Jahres 2050 vermehrt mit Hitzerekorden. Umgekehrt werde es aber „nicht unbedingt weniger Kaltwetter-Ereignisse geben“ als heute. Auch werde sich die Gesamtniederschlagsmenge im Saarland übers Jahr gesehen „nicht wesentlich verändern“, so Walter. Es werde aber mehr Niederschläge im Winter und weniger im Sommer geben. Und die Niederschläge im Sommer würden häufiger heftig ausfallen – aufgrund des hohen Energiegehalts in der Atmosphäre bei hohen sommerlichen Temperaturen. „In wenigen Stunden kann da runter kommen, was sonst in einem ganzen Monat fällt“, sagt Walter. Die Flusspegel werden aufgrund der höheren Durchschnittstemperaturen im Sommer niedriger sein als heute. Bei Starkregen werde es dann aber zu Hochwasser und Überflutungen kommen können – die aber „nicht unbedingt heftiger ausfallen, sondern nur häufiger auftreten“, so Walter. Das heißt: Mit Überflutungen, die deutlich über das bis heute gekannte Maß hinaus gehen, sei hierzulande eher nicht zu rechnen.

Die Auswirkungen, die der Klimawandel mit sich bringt, sind vielfältig. Walter nennt zuallererst die Gesundheit insbesondere älterer Menschen, die unter den extremeren Temperaturen in den Sommermonaten schon heute leiden. „Es könnte unter Umständen infolgedessen zu einer höheren Sterblichkeit kommen“, so der Klimatologe. Folgen werde der Klimawandel auch in der Forstwirtschaft haben, einzelne Baumarten werden gegebenenfalls nicht überleben. Das Umweltministerium erklärt so etwa auf SZ-Anfrage: „Die Fichte ist schon heute ein klarer Verlierer des Klimawandels und droht in den kommenden 30 Jahren aus den saarländischen Wäldern weitgehend zu verschwinden.“ Verantwortlich dafür sei vor allem die Ausbreitung des Borkenkäfers, der durch weniger kalte Winter besser überlebt und sich ausbreiten kann. Auch die Ausbreitung der asiatischen Tigermücke – ein Krankheitsübertäger – werde durch die globale Erwärmung begünstigt, erklärt Walter.

Das Überleben vieler Schädlinge hat auch Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Auch Anbaupflanzen werden von Schädlingen vermehrt befallen. Außerdem: Schon bei der steigenden Anzahl heißer Tage über 30 Grad Höchsttemperatur in der jüngeren Vergangenheit fehlte etwa beim Anbau von Weizen die Zeit zur Kornausbildung, so Fachleute des Ministeriums. Anhaltende Trockenheit und höhere Durchschnittstemperaturen machten auch anderem Getreide wie Mais, Futterpflanzen, Kartoffeln oder Kern- und Steinobst zu schaffen. Wintergemüse und Wintergetreidesorten kämen dagegen ebenso wie Frühgemüse (Spargel) oder Erdbeeren vergleichsweise besser mit dem Klimawandel zurecht, da die Niederschläge in Herbst und Winter künftig wahrscheinlich zunehmen. „Gewinner höherer Temperaturen könnten vor allem die Burgunderreben an der saarländischen Mosel und insgesamt der Weinbau werden, da Weinreben mit ihren bis zu 20 Meter tiefen Wurzeln auch an entsprechende Wasservorräte gelangen“, teilt das Ministerium mit.

Ein Segen ist der Waldreichtum des Saarlandes. Der saarländische Wald speichert nach Ministeriumsangaben mehr als 60 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Jedes Jahr kämen „durch Erhöhung des Holzvorrates weitere 1 Million Tonnen CO2-Äquivalente hinzu“, so das Ministerium. Geplant sei zudem, den sogenannten Hiebsatz (jährliche einschlagbare Holzmenge) im Staatswald auf 5,2 Kubikmeter Holznutzung pro Jahr und Hektar zu reduzieren und einen „klimastabilen Waldumbau“ so verstärkt voranzutreiben.

„Durch die niedrigen Pegelstände der Flüsse in den Sommermonaten wird möglicherweise die Schiffbarkeit der Saar eingeschränkt“, zählt der DWD-Klimatologe Walter eine weitere Folge des Klimawandels im Saarland auf. Dies könne gegebenenfalls zu Transport- und Versorgungsengpässen führen. Der prognostizierte Anstieg von Hitzerekorden in den Sommermonaten könne sich zudem auf andere Infrastrukturen auswirken, etwa wenn der Asphalt auf Straßen aufplatze. „Man muss jetzt handeln, jetzt Vorbereitungen treffen, um dann, wenn es soweit ist, gewappnet zu sein“, mahnt Walter.

Das saarländische Umweltministerium hat infolge der Starkregen-Ereignissen im Jahr 2016 „Handlungsempfehlungen zur Erstellung von Starkregengefahrenkarten im Saarland“ herausgegeben. Die Gefahrenkarten sollen dazu dienen, gefährdete Gebiete innerhalb der Städte und Gemeinden zu identifizieren. Die Kommunen sind nun gehalten, entsprechende Vorsorgekonzepte zu erstellen. Nachdem St. Wendel kürzlich als erste saarländische Kommune die Erstellung eines solchen Vorsorgekonzepts in Angriff genommen hatte, meldeten sich die Saar-Grünen zu Wort und forderten einen Schutzmaßnahmen-Fonds des Landes für die Kommunen. Lediglich Vorsorgekonzepte zu fördern, so Grünen-Landeschef Markus Tressel, bringe wenig, wenn die darin ausgearbeiteten Schutzmaßnahmen dann aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden könnten. Der Feuerwehrverband forderte am Wochenende außerdem mehr Investitionen in den Feuerschutz.

Der Streit um geeignete und ausreichende Vorsorgemaßnahmen gegen den prognostizierten Klimawandel und die vermutlich immensen Kosten, die damit verbunden sind, dürfte gerade erst begonnen haben. Wenn man so will, ist das eine weitere Folge des Klimawandels. Und einmal mehr – menschengemacht.