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Wie sich Corona auf die Festivals auswirkt

Corona und die großen Konzerte : Fällt die gesamte Festivalsaison ins Wasser?

Die Corona-Pandemie bedroht auch den Veranstaltungs-Sommer in der Region. Was steht auf der Kippe, was könnte doch noch stattfinden? Wir haben uns umgehört.

Von Kult-Stars wie Udo Lindenberg über internationale Größen wie James Blunt bis zu deutschen Chart-Stürmern wie Sarah Connor – alle wollten sie in diesem Sommer bei den zahlreichen Open-Airs im Saarland auftreten. Doch nach dem Verbot von Groß-Veranstaltungen bis Ende August fällt nun wohl die komplette Festival-Saison 2020 aus. Für die von uns befragten Veranstalter war nach der Pressekonferenz der Landesregierung die Lage noch etwas „schwammig“, da ihnen die konkrete Verordnung noch nicht vorlag und unklar war, ab welcher Größenordnung die Konzerte nicht stattfinden dürfen. Regierungssprecher Alexander Zeyer erklärte auf SZ-Nachfrage, dass die genaue Zahl in den nächsten Tagen bundeseinheitlich festgelegt werden soll.

„Es ist wichtig, dass die Rahmenbedingungen zur Allgemeinverfügung genau definiert werden“, betont Ralf Kirsch, Geschäftsführer der Congress Centrum Saar. Erst dann könne die Betreibergesellschaft der Congress- und Saarlandhalle mit den Veranstaltern abstimmen, ob ihr Event stattfinden kann. „Wir werden alles dafür tun, dass die Auflagen erfüllt werden“, betont Kirch.    Im Juli sollte eine sechsteilige Open-Air-Reihe mit James Blunt, Tim Bendzko, Sido & Co. vor der Congresshalle steigen.

Heiko Renno vom Veranstalter „Saarevent“ geht davon aus, dass nicht nur diese, sondern auch alle anderen Konzerte und der Clubbetrieb seiner Agentur in der Garage nicht stattfinden können. Rund 100 Termine sind zurzeit im Vorverkauf. Kleinere unter strengen Auflagen durchzuführen, ergibt aus seiner Sicht keinen Sinn. „Aber 90 Prozent aller Shows werden nachgeholt“, sagt Renno. Die Branche werde nun wohl versuchen, den Festival-Sommer 2020 eins zu eins auf das nächste Jahr zu verschieben. Zumindest habe man jetzt Planungssicherheit.

Das sieht auch Thilo Ziegler so, der mit seiner Firma „4plus1 Konzerte“ das große „Rocco del Schlacko“-Open-Air organisiert. Mit der Vorgabe, die er als „sehr vorausschauend und umsichtig“ bezeichnet, könne man arbeiten. „Wir sind bereit, die Entscheidung von Bund und Land voll mitzutragen“, sagt er. Man konzentriere sich nun bereits auf die Vorbereitung der 2021-Ausgabe: „Wir gehen fest davon aus, dass wir gemeinsam mit allen Beteiligten und vor allem den Besuchern eine sehr gute Lösung finden werden.“

Die Trierer Agentur „Popp Concerts“ hatte eine fünftägige Open-Air-Reihe im Amphitheater mit Fury in the Slaughterhouse, The Boss Hoss & Co. geplant. Zudem sollten die Broilers am Stausee Losheim spielen. „Wir gehen davon aus, dass die meisten unserer Veranstaltungen in diesem Zeitraum auch von diesem Verbot betroffen sein werden“, sagt ein Sprecher. Um die notwendigen Infos von den Behörden einzuholen, brauche man aber noch ein bisschen Zeit. Zumal „Popp Concerts“ in unterschiedlichen Bundesländern sowie in Luxemburg tätig ist und die Regelungen und Auslegungen unterschiedlich ausfallen können.

Gleich vier Open-Airs mit Dance-Acts, Chartgrößen wie Adel Tawil, Mallorca-Stars und Sängerin Sarah Connor waren für Pfingsten auf der Alm in Landsweiler-Reden geplant. Am Mittwochabend veröffentlichten die Veranstalter „Alm Events“ dann auf Facebook einen viel kommentierten Post, dass diese nun wohl auf Beschluss der Landesregierung nicht stattfinden können. Auch die beiden Freiluft-Konzerte von Udo Lindenberg in Lebach wären von dem Verbot betroffen. Bis zum gestrigen Abend sagten die Veranstalter ihre Events jedoch noch nicht offiziell ab, weil ihnen die Verfügung noch nicht vorgelegen habe. Ein Sprecher erklärte, dass das auch mit versicherungsrechtlichen Gründen zusammenhänge. Denn die zahlt nur, wenn der Veranstalter etwa durch ein Verbot der Behörde den Ausfall nicht zu vertreten hat. Am Losheimer Stausee sollte am 4. Juli „Klassik am See“ steigen. Ob das stattfindet, ist laut Saarländischem Rundfunk „noch in Abstimmung“.

Neben den kommerziellen Veranstaltungen wurden von der Saarlouiser „Emmes“ bis zur „Waderner Maad“ auch von den Städten bereits viele Volksfeste offiziell abgesagt. Zu den größten der Region gehören das „Altstadtfest“ und das „Saar Spektakel“ in Saarbrücken, die 2020 ebenfalls nicht stattfinden – ebenso wie „Les Francofolies“ in Esch/Alzette. Zudem fällt die beliebte „Umsonst & Draußen“-Reihe „Sonntags ans Schloss“ des Regionalverbandes aus.