| 20:28 Uhr

Interview mit dem Pfarrer im Stadtbezirk Dudweiler
Wie man die Menschen wieder einfängt

Einen „Gottesdienst in neuem Gewand“ gibt es am Samstag in der Kreuzkirche in Herrensohr.
Einen „Gottesdienst in neuem Gewand“ gibt es am Samstag in der Kreuzkirche in Herrensohr. FOTO: Thomas Seeber
Dudweiler. Der evangelische Pfarrer aus Dudweiler zu einer neuen Veranstaltungsreihe und auch zu Fragen in dieser Zeit.

Die evangelische Kirchengemeinde Dudweiler/Herrensohr lädt ein zum „Gottesdienst in neuem Gewand“. Er findet statt am kommenden Samstag, 13. Januar, um 18 Uhr in der Kreuzkirche Herrensohr. SZ-Redakteurin Michèle Hartmann hat anlässlich dieser Veranstaltung mit Pfarrer Heiko Poersch geredet und interessante Einzelheiten auch über den innovativen Gottesdienst hinaus erfahren.



Herr Pfarrer Poersch, Sie laden  zum „Gottesdienst im neuen Gewand“ ein. Was erwartet Ihre  Gäste, ohne noch nicht all zu viel zu verraten?

Poersch Mit der Gottesdienstreihe haben wir Mitte 2017 gestartet. Es ist der Versuch, Menschen zu erreichen, denen der traditionelle Gottesdienst in Wortwahl und Struktur zu weit von ihrer Lebenswirklichkeit entfernt ist. Menschen, die aber trotzdem eine spirituelle Sehnsucht haben und sich von uns als Kirche dazu ansprechen lassen. Deshalb verzichten wir auf die gesungene Liturgie und besetzen deren Inhalte mit einigen frischen und neuen Liedern und einer knackigen Verkündigung. Der Snack im Anschluss schafft Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen und vielleicht neue Kontakte zu knüpfen. Gottesdienst ist für mich eine heilsame Unterbrechung des Alltags und ein guter Start in den Sonntag.

Wie viele gläubige Christen besuchen regelmäßig die Gottesdienste?

Poersch Wieviel Prozent davon gläubig oder nur suchend sind, kann ich nicht sagen. Zum „Gottesdienst im neuen Gewand” kommen zirka 40 bis 50 Menschen. Es gibt mittlerweile ein kleines Vorbereitungsteam und immer wieder Menschen, die sich bei Aktionen einbinden lassen. Dringend gesucht werden noch Musiker, die eine in der Gründung befindliche Band unterstützen wollen. Interessenten können sich gerne bei mir melden.

Wie kann man den Rest wieder „einfangen“ und begeistern? Oder: Was muss Kirche leisten, um wieder für die breite Masse attraktiv zu werden?

Poersch Wenn ich darauf eine Antwort wüsste, wäre ich wahrscheinlich ein gefragter Referent auf Kirchentagen oder Ähnlichem. Ich denke aber, dass wir nach wie vor gute Möglichkeiten haben. Mit den klassischen Angeboten zu den Lebensabschnitten – Taufe, Kindergarten, Konfirmation und Trauerbegleitung  – erreichen wir immer noch einen großen Prozentsatz unserer Mitglieder. Auch an Weihnachten oder zum Reformationsjubiläum waren die Kirchen voll. Wir müssen andererseits aber akzeptieren, dass wir als christliche Kirche das religiöse Monopol in unserer Gesellschaft längst verloren haben. Für die von ihnen genannte „breite Masse” sind wir ein Anbieter unter vielen. Also braucht es einladende und gut gemachte Veranstaltungen. Anlässlich des Reformationsjubiläums haben wir da durchaus ganz gute Resonanz gehabt. Für religiös nicht festgelegte Menschen braucht es sicherlich aber noch offenere Angebote wie Konzerte, Filmabende  – wo ich einfach konsumieren und mich nicht gleich outen muss. Letztlich ist Vitamin „B“ wie Beziehungen unersetzlich. Wir müssen unsere Gemeindeglieder aktivieren, ihre Verwandten und Freunde zu Angeboten einzuladen und ihnen die Hemmschwelle, die unsichtbar auch vor einer Kirchentür liegt, zu nehmen. Falls dann ein tieferes Interesse geweckt wird, braucht es weiterführende Angebote wie beispielsweise die Einladung in eine bestehende Gemeindegruppe oder einen Glaubenskurs, wo ich mit meinen Fragen vorkomme. Weiterhin werden wir in bestehende Kooperationen,  zum Beispiel  mit der katholischen Gemeinde, dem OIV Herrensohr, der Marinekameradschaft, dem DRK, investieren und versuchen, auch in die Kommunalgemeinde hineinzuwirken. Gegenwärtig engagiere ich mich in der Gründung einer Tafel für das Sulzbach- und Fischbachtal. Sicherlich ließe sich auch die Gemeinwesenarbeit in Dudweiler noch intensivieren. Erste Gespräche dazu laufen.

Nach dem Luther-Jahr: Worauf darf sich die evangelische Kirchengemeinde im neuen Jahr freuen?

Poersch Recht erfolgreich laufen die Abendmusiken in Herrensohr, jeweils am ersten Freitag im Monat. Wir planen anlässlich des Willi-Graf-Gedächtnisjahres (er war Mitglied der Weißen Rose und hätte in diesem Jahr 100. Geburtstag) eine Filmnacht mit weiteren Aktionen. Und natürlich das Viva-Voce Konzert am 3. Juni in der Christuskirche. Hörproben gibt es im Internet, Karten im Gemeindebüro oder unter www.reservix.de

Ihr Wahlspruch für 2018?

Poersch Mich hat in der Adventszeit ein Wort der jüdisch-christlichen Märtyrerin Edith Stein inspiriert, die 1942 in Ausschwitz ermordet wurde: „Und wenn ... der Rückblick zeigt,  dass alles Stückwerk war und vieles ungetan geblieben ist, wenn so manches tiefe Beschämung und Reue weckt: dann alles nehmen, wie es ist, in Gottes Hände legen und ihm überlassen. So wird man in ihm ruhen können, wirklich ruhen und den neuen Tag wie ein neues Leben beginnen.“ (Edith Stein in: http://gebete-und-gedichte.de/)

Und Ihre Wünsche für 2018?

Poersch Inspirierende Begegnungen! Dass mir selbst gelingt, wozu ich andere motivieren will. Immer mehr eine gute Balance zwischen Körper, Seele und Geist zu finden.

Pfarrer Heiko Poersch.
Pfarrer Heiko Poersch. FOTO: Thomas Seeber
(mh)