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Gärtner-Schicksal
Wie man den Löwenzahn das Fürchten lehrt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Selbst bei gutem Willen fällt es dem Kleingärtner schwer, die ungebetenen Gäste zwischen seinen Blumen ohne Groll zu beachten. Von Ruth Rousselange

Als Kind habe ich die Sendung „Löwenzahn“ gemocht. Vor allem wegen des Intros, wo sich diese zarte Pflanze aus dem Straßenasphalt drückte. Was für eine Kraft, was für ein Mut, dachte ich. Und wie viel hübscher eine Straße gleich aussieht, wenn da was wächst, selbst aus Betonritzen heraus.


Der Löwenzahn war mir sympathisch, für mich war er ein Symbol für Freiheitsdrang und Durchsetzungsvermögen. Schön fand ich seine gelbe Blüte und schön seinen Fruchtstand, die kleine Fallschirme, die man einfach pusten musste… Weil man sich was wünschen durfte, schaffte man es, alle mit einem Atemstoß in die Luft zu befördern. Seitdem ist einige Zeit vergangen und leider machte ich betrübliche Erfahrungen. Tatsache ist: Wo ein Löwenzahn wächst, bleibt es nicht bei dem einen. Tausende, Abertausende zieht er nach sich. Das hätte ich bei Peter Lustigs Sendung damals auch schon lernen können, hätte ich mir gemerkt, wie besagte Straße nach dem Sprießen des ersten Löwenzahns aussah. Die kleinen Fallschirme wehen nicht nur wunderbar im Wind, sie sind eine effiziente Saat, durch nichts aufzuhalten. Eindeutig hat diese Saat es auf Straßenasphalt schwerer, als in meinem Garten.

Im Prinzip ist mir ja jede Pflanze lieb, irgendwann aber schwante mir: Löwenzahn ist ein unbarmherziger Usurpator. Eben war draußen noch alles grün, dann wird es wärmer und plötzlich ist alles gelb, überall Löwenzahn! Er hockt zwischen Vergissmeinnicht und Hasenglöckchen, zwischen Rosen und Tulpen, zwischen Thymian und Rosmarin. Das allein ist schon ein starkes Stück.



Aber er besitzt auch die Unverschämtheit nicht mal davor zurückzuschrecken, sich in frisch angesäten Gemüsebeeten breitzumachen. Wo man ihn vor Monaten durch mühsames Umgraben bis zur Wurzel getilgt zu haben meinte. Nein, ich werde mich nicht geschlagen geben, dieser Invasion werde ich Einhalt gebieten! Das Gute am Löwenzahn ist, man kann ihn essen. Obwohl die erwachsenen Pflanzen bitter schmecken und die Blätter ihre Zartheit verlieren. Egal, was soll’s! Lebensmittel werden erst wieder gekauft, wenn der Garten das gelbe Kraut los ist. Mein ist die Rache…!