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Wie das Kabarett ins Leidinger kommt: Wie das Kabarett ins Leidinger kommt

Wie das Kabarett ins Leidinger kommt : Wie das Kabarett ins Leidinger kommt

Nächste Woche kommt der Wiener Kabarettist Gunkl. Solche Gastpiele riskieren die Leidinger-Macher, weil ihr Publikum sehr offen ist.

Das Leidinger in der Mainzer Straße ist seit vielen Jahren eine verlässliche Anlaufstation für Kabarettisten und andere Kleinkünstler. Die beiden künstlerischen Leiter Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner, selbst als Kabarett-Duo Brunner & Barscheck bekannt, legen dabei Wert auf eine Mischung aus Neuentdeckungen und Künstlern, die immer wieder kommen. Am 4. November gastiert ein Künstler, der ihnen besonders am Herzen liegt. Der österreichische Kabarettist Gunkl alias Günther Paal kommt zum ersten Mal, aber wenn es gut läuft, sicher nicht zum letzten Mal. Wir wollten von Scheck und Tiefenbrunner wissen, wie das Kabarett ins Leidinger kommt.

Sie holen immer wieder Kabarettisten zu Gastspielen nach Saarbrücken, die nicht gleich jedem aus Funk und Fernsehen bekannt sind. Das birgt ein gewisses Risiko als Veranstalter, wenn man sich nicht auf sicheren Bänken niederlässt.  Folgt Ihnen denn das Publikum? Sind die Veranstaltungen gut besucht?

Peter Tiefenbrunner: Wir können uns – dank des Mäzenatentums von Gerd Leidinger, der uns künstlerisch freie Hand lässt – ein gewisses Risiko leisten. Im Großen und Ganzen sind wir mit der Publikums-Resonanz zufrieden, was nicht heißt, dass wir nicht noch zufriedener sein könnten. Etwas mehr Mut auch zum weniger Bekannten und Ausgefallenen könnten die Saarländer ruhig noch zeigen. Wie die SZ schon mal geschrieben hat: Vertraut den Leidinger-Machern . . .

Am 4. November zum Beispiel kommt der Österreicher Gunkl alias Günther Paal. Was hat Sie gerade auf diesen Künstler gebracht?

Barbara Scheck: Wir hatten die Gelegenheit, Gunkl in Wien auf der Bühne zu erleben. Ich gebe zu, ich war selbst vorher ein wenig skeptisch – Gunkl steht für eine Art von intellektuellem, aufklärerischem Kabarett, das in Österreich mehr Tradition hat, als bei uns. Aber Gunkl hat mich dann mit seiner fulminanten Logik, seiner furiosen Sprache und seinem präzisen Witz restlos begeistert. Und er ist ja durchaus kein Unbekannter: Deutscher Kleinkunstpreis, Salzburger Stier und nicht zu vergessen: Fernseh-Präsenz als Gast bei „Leschs Kosmos“ im ZDF und der Wissenschafts-Boygroup des ORF, den „Science Busters“!

Wie schafft man es, als kleine Bühne einen Künstler aus dem doch recht fernen Österreich zu bekommen? Da sind ja allein die Fahrtkosten beachtlich.

Peter Tiefenbrunner: Das war in diesem Fall möglich durch die Zusammenarbeit mit der „Giordano-Bruno-Stiftung Saar“, denen der Künstler inhaltlich nahesteht. Die Stiftung setzt sich für einen „evolutionären Humanismus“ und für ein wissenschaftliches Weltbild ein. Themen, die Gunkl in seinen Programmen auch anspricht.

Bekommen Sie viele Bewerbungen von Kleinkünstlern, die im Leidinger auftreten wollen?

Barbara Scheck: Über zu wenig Bewerbungen können wir uns wirklich nicht beklagen. Da kommt wesentlich mehr, als wir dann berücksichtigen können. Zumal wir großen Wert darauf legen, dass wir uns wirklich ein Bild über die angebotenen Programme machen können – nach Möglichkeit selbst etwas angucken können.

Peter Tiefenbrunner: Wir freuen uns sehr, dass wir durchaus auch Anfragen von renommierten Künstlern bekommen. In aller Bescheidenheit: Es hat sich wohl herumgesprochen, dass die Künstlerinnen und Künstler hier gut betreut werden, dass wir uns große Mühe geben, gute Auftrittsbedingungen zu schaffen. Nicht zuletzt: Die Unterbringung im Hotel ist natürlich angenehm. Und unser Publikum wird allgemein von den Auftretenden als sehr offen und interessiert wahrgenommen.

Was sind denn, neben Gunkl, Ihre persönlichen Höhepunkte der nächsten Monate? Also auf welche Künstler freuen Sie sich besonders?

Barbara Scheck: Da fällt mir persönlich zu erst einmal Johannes Kirchberg ein, der Anfang Dezember mit seinem Johannes-Becher-Programm zu uns kommt. Kirchberg ist ein treuer Leidinger-Fan, der mit seinen musikalisch-literarischen Programmen schon seit Jahren immer Highlights im Programm setzt. Und natürlich freue ich mich auf das neue Programm des Homburger Frauenkabaretts, das im November bei uns die Saarbrücker Premiere erleben wird.

Peter Tiefenbrunner: Ist zwar noch ein bisschen hin, aber ich freue mich schon auf Sascha Gutzeit, der mit seiner skurrilen und unglaublich witzigen Krimi-Lese-Performance im Februar zum zweiten Mal im Leidinger seinen Overstolz rauchenden und Cognac trinkenden 60er-Jahre Kommissar Engelmann auf Ermittlungen schicken wird. Nostalgisch, witzig und sehr charmant. Für Freunde des gepflegten Kalauers ein unbedingtes Muss!

Barbara Scheck und Peter Tiefenbrunner machen selbst Kabarett, haben also einen guten Blick auf die Arbeit der Kollegen. Foto: Iris Maurer

Das Gespräch führte Susanne Brenner