Werner Otto vom 1. FC Saarbrücken feiert 90. Geburtstag

Eine Fußball-Legende wird 90 : „Ich konnte ja nichts dafür. Ich war halt dabei.“

Er stürmte in der WM-Qualifikation für die saarländische Nationalmannschaft. Er spielte mit, als der 1. FC Saarbrücken mit 4:0 gegen Real Madrid gewann: Saarlands Fußball-Legende Werner Otto feierte in Malstatt seinen 90. Geburtstag.

Mailand oder Madrid? Diese im Fußball nahezu legendäre Frage stellte sich Werner Otto nie. Und wenn, dann hätte sie der sechsmalige saarländische Nationalspieler wahrscheinlich mit „Malstatt“ beantwortet. Dort feierte einer der besten Fußball-Spieler in der Geschichte des Saarlands am Donnerstag seinen 90. Geburtstag.

„Werner Otto ist nach wie vor ein Aushängeschild des Saar-Fußballs. Seine Leistungen als Aktiver habe ich leider selbst kaum miterlebt. Aber wenn er davon erzählt, ist es noch heute ein Gewinn“, sagt Franz Josef Schumann. Der Präsident des Saarländischen Fußball-Verbands ergänzt: „Dazu kommt die jahrzehntelange Treue zu seinem Verein. Das macht Werner Otto zu einem Vorbild, gerade für die heutige Generation der Fußball-Spieler.“

Werner Ottos Verein – das war und ist der 1. FC Saarbrücken. Er erzielte in 142 Pflichtspielen 43 Tore. 1952 setzten sich Werner Otto, Herbert Binkert und Co. mit dem FCS gegen so große Mannschaften wie den FC Schalke 04, den 1. FC Nürnberg und den Hamburger SV durch und erreichten das Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Im Finale verloren die Blau-Schwarzen gegen den VfB Stuttgart mit 2:3. „Wenn sich unser Torwart Erwin Strempel nicht verletzt, werden wir Meister“, ist sich Werner Otto heute noch sicher. Und der Jubilar erzählt, wie es nach Strempels Verletzung zur Niederlage kam: „Dann ist der Theo Puff zwischen die Pfosten – und die machen noch das dritte Tor.“

Der heute viertklassige FCS spielte mit Werner Otto auf der großen europäischen Bühne. 1951 bezwang er als erster deutscher Club Real Madrid im heutigen Bernabeu-Stadion mit 4:0. Jules Rimet, Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, erklärte damals: „Die interessanteste Mannschaft des Kontinents kommt aus Saarbrücken.“

Im Europapokal der Landesmeister gewann der 1. FC Saarbrücken in der Saison 1955/1956 beim AC Mailand mit 4:3, schied nach dem 1:4 im Rückspiel aber aus. „Das war schon eine Nummer“, sagt Werner Otto, der sich ein bisschen dagegen wehrt, als „lebende Fußball-Geschichte“ betrachtet zu werden: „Ich konnte ja nichts dafür. Ich war halt dabei.“

Zwischen 1950 und 1956 gehörte der damalige Saarländische Fußball-Bund als eigenständiges Mitglied dem Weltverband Fifa an. In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1954 spielte des Saarland mit dem späteren Bundestrainer Helmut Schön als Trainer gegen Norwegen und Deutschland. Die deutsche Elf gewann das letzte Spiel im März 1954 vor 53 000 Zuschauern im Saarbrücker Ludwigspark-Stadion gegen das Saarland mit 3:1. Das Hinspiel im Oktober 1953 hatte die deutsche Elf in Stuttgart mit 3:0 gewonnen. Deutschland unter Trainer Sepp Herberger qualifizierte sich vor dem Saarland für die WM in der Schweiz – und holte den Titel.

Werner Otto war bei allen Qualifikationsspielen der Saarländer dabei. Er erzielte beim 3:2-Sieg im Juni 1953 in Norwegen das 2:2 – das Rückspiel im November 1953 in Saarbrücken endete 0:0. „Ich weiß noch, dass ich das Tor gemacht habe. Wie, weiß ich nicht mehr. Ist ja auch schon so lange her“, sagt die FCS-Legende: „Aber es war wichtig, dass Deutschland dann Weltmeister wurde.“

Die 90 Jahre merkt man Werner Otto kaum an. Er kommt noch zu den Heimspielen seines FCS, auch wenn die wegen des Umbaus des Ludwigspark-Stadions im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen stattfinden. „Das ist natürlich schlecht für den Verein“, sagt er – und hofft, dass es mit der Rückkehr in den Ludwigspark schnell geht. „Naja, aber vielleicht werde ich ja 100 Jahre alt“, witzelt Werner Otto, der im Verein ein geschätzter Gesprächspartner ist. „Als tragende Säule des FCS und der saarländischen Nationalmannschaft hat er die Glanzzeiten des saarländischen Fußballs entscheidend mitgeprägt. Wir sind stolz, dass er sich auch im hohen Alter zum FCS bekennt und unsere Heimspiele besucht“, sagt FCS-Präsident Hartmut Ostermann: „Werner Otto verkörpert noch heute die Generation, die durch ihre mitreißende Spielkunst in den 1950er-Jahren den Mythos und die Tradition unseres Vereins begründet haben.“

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