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Neuigkeiten aus der Gemeinde Quierschied
Wenn die Kaufkraft nicht im Ort bleibt

Beim Frühschoppen der Gewerbetreibenden informierte Bürgermeister Lutz (am Stehpult) über den Inhalt einer Einzelhandelsstudie. 
Beim Frühschoppen der Gewerbetreibenden informierte Bürgermeister Lutz (am Stehpult) über den Inhalt einer Einzelhandelsstudie.  FOTO: Iris Maria Maurer
Quierschied. Einzelheiten einer interessanten Studie wurden bei einer Zusammenkunft von Gewerbetreibenden in Quierschied bekannt.

Früher war er eine Institution, heute ist er etwas aus der Mode gekommen. Dabei ist der Frühschoppen doch eigentlich eine wunderbare Gelegenheit, Meinungen auszutauschen und gemeinsame Pläne zu schmieden. Das dachte sich wohl auch Quierschieds Bürgermeister Lutz Maurer, der die Gewerbetreibenden der Gemeinde eben zu einem solchen Frühschoppen in die Q.lisse eingeladen hatte. „Das ist jetzt natürlich keine neue Idee des neuen Bürgermeisters. Solche Treffen gab es ja auch schon unter meinen Vorgängern“, bekannte Maurer, „wir wollen diesmal die Gelegenheit zum Austausch nutzen und um eventuell neue Dinge anzustoßen.“


Die Resonanz war eher durchschnittlich. Gerade einmal knapp 30 Unternehmerinnen und Unternehmer waren der Einladung gefolgt. „Bei uns sind über 80 Gewerbetreibende und Freiberufler aus Quierschied und Umgebung organisiert“, sagte Stephan Maurer, der Vorsitzende des mitveranstaltenden Gewerbevereins, „uns ist wichtig, dass Quierschied lebenswert bleibt und dass sich das Angebot weiterentwickelt. Wir brauchen das Engagegement der Gewerbetreibenden.“

Bürgermeister Maurer - schon in der letzten Haushaltssitzung des Gemeinderates als „zahlenaffiner Mensch“ geoutet - legte einen ganzen Stapel brandneuen Zahlenmaterials vor - aus einer Studie des Regionalverbandes, die eigentlich erst in der kommenden Woche veröffentlicht wird.

Darin kommt man zum Schluss, dass in Quierschied Angebote des mittelfristigen Bedarfs - das sind beispielsweise Kleidung oder Schuhe - deutlich unterrepräsentiert sind. Laut Studie gibt es in Quierschied eine Kaufkraft von 68,6 Millionen Euro, doch nur 36 Prozent davon werden in der Gemeinde ausgegeben. Zum Vergleich: in Sulzbach sind es 57, in Friedrichsthal 66 und in Saarbrücken sogar 136 Prozent der jeweiligen Kaufkraft. Außerdem fehle es in Quierschied an geeigneten Gewerbeflächen. Maurer berichtete, dass es derzeit 14 Leerstände in der Kommune gebe, davon acht in zentraler Lage.

So neu das Zahlenwerk, so altbekannt waren Teile der anschließenden Diskussion um Ursachen und Verbesserungsmöglichkeiten. Die Parkplatz-Situation kam einmal mehr auf, die jedoch aufgrund der städtebaulichen Gegebenheiten kaum zu ändern ist. „Unser Problem ist auch, dass die Umgehungsstraße die Kunden an uns vorbeiführt“, klagte Olaf Strobel, der designierte neue Geschäftsführer des Gewerbevereins.. Eine Beschilderung des „Alten Marktes“ wurde gefordert - ob jedoch ein neues Schild Kunden anlockt, sei dahingestellt. Auch warum ortsansässige Vereine zwar ortsansässige Firmen als Sponsoren anfragen, anschließend dort aber nicht einkaufen, ließ sich in der Runde nicht wirklich auflösen. Auch scheinen einige Gewerbetreibende davon auszugehen, dass die Gemeinde mit der Organisation von Events mehr Leute in die Stadt locken solle und damit höhere Umsätze generiert werden könnten. Eine Idee, die Maurer mit dem Hinweis auf die extrem dünne Personaldecke der Verwaltung entschieden zurückwies.



Doch genau dieser Diskussionsansatz führte zu einem der zukunftsweisenden Ansätze des Morgens. Herbert Moll schlug eine konzertierte Aktion vor, in der Gewerbetreibende, aber auch Vereine und Institutionen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Die Idee eines Ortslaufes bei gleichzeitiger Gewerbe-Leistungsschau wurde angesprochen. Hier könnte die Gemeinde sehr wohl als Moderator und Bindeglied tätig werden. Große Events wie Biathlon in Püttlingen oder Rad-WM in St.Wendel könnten als Vorbilder dienen. Paul Pendorff vom Heimat- und Verkehrsverein regte darüber hinaus an, das eingeschlafene Gemeindemarketing wiederzubeleben.

Die angeregte Diskussion vom Sonntag kann in jedem Fall ein Startschuss sein. Ob sie mehr wird als der Austausch von Meinungen  müssen die handelnden Personen unter Beweis stellen.

(cor)