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Weißer Ring stellt Bilanz der Außenstelle Saarbrücken für 2019 vor

Hilfe für Verbrechensopfer : Bestohlen, geschlagen, beraubt: So hilft der Weiße Ring

Erst sind da Blut, Schmerz, Tränen. Menschen in den schlimmsten Momenten ihres Lebens. Beraubt, verletzt, gedemütigt und in Existenzangst gestürzt. Wie die Rentnerin, noch am Geldautomaten um eine große Summe bestohlen.

Am Ende eines Jahres stehen vor allem Zahlen und Abkürzungen. 121 zum Beispiel. Dahinter verbirgt sich die Arbeit von Ehrenamtlichen für die Opfer von Verbrechern. 121 Frauen, Männern und Kindern im Regionalverband half die Organisation Weißer Ring im vergangenen Jahr.

Jetzt stellte die Außenstelle Saarbrücken die Bilanz für 2019 vor. Werner Kaspar leitet das Team aus Ehrenamtlichen. Es hatte im vergangenen Jahr fast genauso viel zu tun wie 2018. Ganz vorn in der Hilfe-Tabelle stehen die Opfer von Körperverletzungen (31). Dahinter folgen Leidtragenden von Diebstählen (27), Sexualstraftaten (23) und Raub (14). „Den Schwerpunkt hatte unsere Arbeit für jene Menschen, die Gewalt ausgesetzt waren und körperlich verletzt wurden“, sagte Werner Kaspar.

Der Weiße Ring war da für den Jugendlichen, den jemand an der Johanneskirche ohne erkennbaren Grund zusammengeschlagen hatte. Wie so oft, ohne jede Rücksicht auf die Folgen für den Angegriffenen.

Mit dem Wandel der Gesellschaft ändert sich die Arbeit für Verbrechensopfer. Jetzt wenden auch Gewaltbetroffene aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen an die Organisation. Für Kaspar ist es wichtig, mit der Zeit zu gehen. „Wir müssen auf jede Situation reagieren können.“ Aber dafür müssen sie von solchen Notlagen erst einmal erfahren. Kaspar und die anderen vom Weißen Ring sehen aber mit Sorge, dass gerade Männer sich nicht an die Organisation wenden. Denn sie kennen ja die Kriminalstatistik und die Zahl derer, die dann beim Weißen Ring Rat und Hilfe suchen. „Meist melden sich bei uns verletzte Frauen“, sagt der Außenstellenleiter. Die Mehrheit der Betroffenen scheut sich jedoch, Hilfe anzunehmen.

Deswegen wendet sich der Weiße Ring mit einer neuen Aktion gerade an die männlichen Verbrechensopfer (siehe Info). Frauen bietet die Hilfsorganisation eine neue Smartphone-App, um sich egen Stalking zu wehren (siehe Info).

Der Weiße Ring ist Teil eines großen Netzwerkes, zu dem etwa die Trauma-Ambulanz in Berus gehört. Zu den Hilfsangeboten gehören auch der Verein Aldona mit seinen Beratungsangeboten für Migrantinnen und Prostituierte und die Interventionsstelle der Caritas für Opfer häuslicher Gewalt.

Um die erste Not zu lindern, heißt es zuzuhören, vielleicht Soforthilfen auszuzahlen und dann Kontakt mit der Mainzer Bundesgeschäftsstelle des Weißen Rings aufzunehmen.

Mit 11 517 Euro (2018: 12 394 Euro) half der Weiße Ring im vergangenen Jahr. Die Zahlungen reichten von Soforthilfen für Bestohlene bis zum bezahlten Ferienaufenthalt für Betroffene eines Gewaltverbrechens.

Um die ganze Bandbreite von Unterstützungsangeboten zu kennen und bei Gesetzen auf dem Laufenden zu bleiben, bilden die Helfer sich fort. Dafür unterhält der Weiße Ring eine Akademie an seinem Hauptsitz in Mainz.

Das Helferteam der Außenstelle für den Regionalverband tut all das, damit Verbrechensopfer irgendwann wieder ein normales Leben führen können. Oft sind die Angebote der erste Lichtblick nach harten Zeiten. Helfer Gerhard Ruloff weiß wie wichtig sie sind. Er freute sich, als einem der Ratsuchenden am Ende sogar ein Lächeln im Gesicht stand.

Kontakt: Wer beim Weißen Ring mitmachen oder ihn mit Spenden fördern möchte, wende sich an Werner Kaspar, Telefon (01 51) 55 16 47 44.