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Weihnachtsmusical Die Schöne und das Biest im Saarrondo am Eurobahnhof

Kultur am Eurobahnhof : Saarbrückens Biest versüßt das Fest der Liebe

Am ersten Weihnachtsfeiertag hatte ein bemerkenswert inszeniertes Mini-Musical Premiere. Zwei Frauen verdienten sich den Beifall.

Zur Uraufführung des Weihnachtsmusicals „Alice und das Biest“ hat sich ein weihnachtlich herausgeputztes Publikum, darunter viele Familien, im Saarbrücker Saarondo eingefunden. Es ist auf dem Gelände des Eurobahnhofs im neuen Haus der Tanzschule Bootz-Ohlmann. Im Bistro mit seiner schicken langen Theke plaudern die Gäste in festlicher Vorfreude bei einem Gläschen Crémant.

„Ausnahmsweise ein paar Worte“, beginnt Regisseur Elmar Ottenthal seine kurze Vorrede. Auf der Bühne umgibt ein beleuchteter Rahmen ein projiziertes Nachtstillleben: Sterne ziehen einen Schweif und scheinen in einem Meer aus Wolken zu versinken. „Mit minimaler Vorbereitung, großem Herzblut und auf eigenes Risiko“ habe man das Musical auf die Beine gestellt, und es werde sich zeigen, „dass man auch so Qualität auf die Bühne bringt“, sagt Ottenthal.

Schon geht der Zauber los. Die Macher haben für die Inszenierung ihres Zwei-Frauen-Musicals tief in die mediale Trickkiste gegriffen, wie die nonstop laufende Filmprojektion mit ausgefeilten Effekten eindrucksvoll vor Augen führt.

Es ist Heiligabend 1922: Alice, von der jungen Viviana Milioti verkörpert, möchte die vom Vater geschenkten Schlittschuhe ausprobieren, was die garstige Stiefmutter mit dem Hinweis verbietet, Alice sei „faul und verwöhnt“. Harter, vom Getöse brechender Eisberge untermalter Schnitt. Alice fällt haltlos in die Eiswüste, wo die Eiskönigin das Biest eingesperrt hat. Vor der arktischen Kulisse liefern sich die Verbannten ein Rededuell. „Du bist ein Biest, nicht furchterregend, aber hässlich schon“, wirft die rotbäckige Alice dem gebrechlichen Biest an den Kopf, das sich der jugendlichen Dreistigkeit nicht recht zu erwehren weiß. „Für mich wird es immer bloß Blüten regnen“, stimmt Viviana Milioti ihr erstes Lied an, dem viele weitere folgen werden. Im Fortgang der mit allerlei Motiven aus dem Märchen- und Popfundus gespickten Geschichte singt sich nicht nur die Alice-Darstellerin mit schönen Gesangseinlagen in die Herzen des Publikums.

Auch ihre Kollegin, die britische Sängerin Aino Laos, trumpft mit schönen gesanglichen Darbietungen auf. Sie schlüpft dafür in gleich sechs Rollen: allesamt Personen, denen Alice auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begegnet und damit den Verlust ihrer Mutter überwindet.

Optisch gefallen Laos’ Auftritte als Eiskönigin. Mit schimmernden Flügeln betört sie das Publikum und erinnert an glanzvolle Frauenfiguren aus Märchen- und Fantasyfilmen. „Ich finde es eine tolle Idee“, sagt eine junge Besucherin, und ihre Mutter schließt sich ihr an.

Dass die Akustik an diesem Tag vor allem in den leisen Passagen nicht immer zu überzeugen weiß, was einige Besucher zu Recht monieren, schmälert den guten Gesamteindruck kaum.

Denn die bildgewaltige Reise überzeugt mit einer fantastischen Verschränkung von Video, Schauspiel und Gesang. Und sie bereitet den kleinen wie großen Besuchern der Aufführung fantasievolle Kurzweil zum Fest.