Vorfall in Saarbrücken Wegen Maskenpflicht: Gehörloser Schüler aus Saarbahn geworfen

Saarbrücken/Kleinblittersdorf · Aufgrund seiner Behinderung ist ein zwölfjähriger Junge von der Maskenpflicht im ÖPNV befreit – dennoch musste er aussteigen. Die Saarbahn gibt sich reuig, stellt den Vorfall aber etwas anders dar.

 Der Vorfall ereignete sich in der Saarbahn-Linie S1 Richtung Kleinblittersdorf.

Der Vorfall ereignete sich in der Saarbahn-Linie S1 Richtung Kleinblittersdorf.

Foto: BeckerBredel

Diskriminiert die Saarbahn Menschen mit Behinderung? Dieser Eindruck drängte sich einem Vater auf, der sich deshalb an die SZ wandte. Ein Fahrer habe seinen Sohn, einen zwölfjährigen Integrationsschüler, vergangene Woche aus dem Zug geworfen, weil er keine Maske trug – dabei ist dieser wegen seiner Hörbehinderung von der Maskenpflicht befreit.

Der „diskriminierende Zwischenfall“ ereignete sich laut der Schilderung des Vaters am Dienstag, 13. Dezember, nachmittags in der Saarbahnlinie S 1 Richtung Kleinblittersdorf. „Mein Sohn nimmt täglich die Saarbahn, um in die Schule und wieder nach Hause zu kommen“, erzählt er.

Normalerweise offensichtlich ohne Probleme – doch dieses Mal habe der Fahrer am Bahnhof Brebach seine Kabine verlassen. „Er rief laut und aggressiv ‚Maske auf’. Er bewegte sich hierbei bedrohlich auf meinen zwölfjährigen Jungen zu.“ Der Schüler und seine Freunde hätten den Mann dann darauf hingewiesen, dass sie von der Maskenpflicht im ÖPNV befreit seien (siehe Info).

Fahrer soll Kinder geschubst haben

„Der Fahrer reagierte daraufhin mit Spott und Beleidigungen wegen der Behinderung meines Sohnes und wurde ihm gegenüber auch noch handgreiflich“, schildert der Vater weiter. „Er versuchte ihn durch Schubsen und Ziehen aus der Bahn zu drängen.“ Sein Sohn habe daraufhin mit seinen Begleitern die Bahn verlassen.

Der Vater betont, dass der Schüler „gut sichtbar Hörgeräte in beiden Ohren“ trage. „Wir als Eltern eines behinderten Kindes empfinden tiefe Wut und Unverständnis. Dieser Fahrer kennt die internen Regeln der Saarbahn nicht oder setzt sich darüber einfach hinweg. Er missbraucht seine Position als Fahrer und wirft widerrechtlich minderjährige Kinder einfach aus der Bahn.“ Auf die Eltern wirke es wie „blanker Hohn“, dass die Saarbahn auf ihrer Website eine Antidiskriminierungskampagne bewirbt. Unter dem Slogan „Wir heißt alle!“ schreibt das Unternehmen dort: „Die Diskriminierung einzelner Personen oder ganzer Gruppen ist ein gesellschaftliches Phänomen, das allgegenwärtig ist: In der Schule, im Internet, im ÖPNV oder auf der Straße werden Menschen aufgrund ihrer vermeintlichen Herkunft, ihres Aussehens, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Religion diskriminiert.“

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Foto: Saarbahn

Saarbahn bietet Entschuldigung an

Auf SZ-Nachfrage bedauert das Unternehmen den Zwischenfall. „Die zuständigen Vorgesetzten der Saarbahn haben mit dem Fahrer gesprochen“, erklärt eine Sprecherin. Dieser habe sich zwar daran erinnern können, stellt den Ablauf allerdings etwas anders dar: Nachdem er die Kinder aufgefordert habe, Masken zu tragen, hätten diese „mit Lachen und dem Hinweis auf die Schwerhörigkeit des Schulkameraden“ reagiert.

„Dem Fahrer war zu dem Zeitpunkt die Ausnahmeregelung für gehörlose und schwerhörige Menschen aus der Corona-Verordnung des Saarlandes nicht bekannt“, erklärt die Sprecherin. Er forderte daher die Kinder auf, die Bahn zu verlassen, was sie dann auch taten. „Handgreiflich sei er dabei nicht geworden. Da die Kinder während der Unterhaltung dauernd lachten, fühlte sich der Fahrer von ihnen nicht ernst genommen.“

Er habe sich bei dem Gespräch „sichtlich betroffen“ gezeigt und angeboten, sich bei dem Kind und seinen Eltern zu entschuldigen. „Er wurde über die Ausnahmeregelung der Corona-Verordnung informiert und ermahnt, schutzbefohlene Kinder nicht mehr der Bahn zu verweisen.“ Da der Fahrer eine laute Stimme habe, sei mit ihm ebenfalls über „Eigen- und Fremdwahrnehmung“ gesprochen worden.