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Wegen Corona: Viel mehr Hunde und Haustiere in Saarbrücken.

Haustier-Boom in der Pandemie : Corona sorgt für Haustier-Boom

Seit Corona hat tierische Lebensfreude in den heimischen vier Wänden wieder Konjunktur. So schnellte die Zahl der neu angeschafften Hunde in Saarbrücken nach oben. Doch jetzt wächst die Sorge vor der Zeit nach dem Lockdown.

Wenn Tico sie ansieht, ist Frauchen Tara Sachs (21) glücklich. Sie weiß, dass Hunde es schwer haben in Rumänien, wo Tico herkommt. Gerade jetzt. Was also tun mit Hunden, die dort ohne Zuhause durch die Gegend irren – hungrig, traurig und irgendwann verloren?

Tierschützer suchen für diese Geschöpfe Rettung in Deutschland. Bei Menschen wie der Saarbrücker Studentin Tara Sachs, die Hundefreunde über den Lockdown hinaus sein wollen. „Meine Familie hatte früher schon einen Hund. Daher wollte ich seit längerem einen haben.“ Corona gab schließlich den Ausschlag, sich jetzt für eine Adoption zu entscheiden. Tico genießt seit zwei Monaten sein Glück, erst recht, wenn die Frühlingssonne sein Fell wärmt.

Tico steht für viele neue tierische Mitbewohner in der Landeshauptstadt. Ja, Saarbrücken hat in der Corona-Zeit die Freude am Haustier neu entdeckt. Mit ihm soll Lebensfreude einziehen, Anhänglichkeit, die gut tut. Abzulesen ist der Trend zum tierischen Mitbewohner an den Hunden, welche die neuen Besitzerinnen und Besitzer beim Stadtsteueramt meldeten.

Stadt-Pressesprecher Thomas Blug warf auf SZ-Anfrage einen Blick in die Saarbrücker Hunde-Statistik. Die Zahlen stiegen demnach zwar schon, bevor das Virus sich breitmachte. Aber mit dem Ausbruch der Pandemie gab es einen regelrechten Nachfrageschub. Zum Jahresende 2018 waren in Saarbrücken 6336 Hunde angemeldet und steuerpflichtig. Ende 2019 waren es 38 Tiere mehr. Im Jahr 2020 wurden 168 Hunde zusätzlich angemeldet und damit gut viermal mehr als im Vorjahr.

Der Trend setzt sich 2021 fort, denn bis Ende März registrierte das Steueramt weitere 53 neue Hunde, also binnen eines Quartals schon deutlich mehr als im gesamten Jahr 2019. Da tierische Gefährten auch in vielen anderen Teilen der Republik den Alltag aufhellen sollen, ist vielerorts schon von „Lockdown-Hunden“ zu lesen. Tieren, von denen viele den Besitzern nach der Rückkehr in den Alltag im Wege sein dürften. Spätestens dann, wenn Reisen und Urlaube wieder möglich sind.

Das Bertha-Bruch-Tierheim in Saarbrücken beobachtet das Geschehen aufmerksam. Noch verzeichnen die Tierretter keine Steigerung bei den Hunde-Vermittlungen. „Wir verfolgen natürlich den Trend, dass mehr Hunde seit der Pandemie gekauft werden, und rechnen damit, dass es mit größeren Lockerungen des Lockdowns auch eine große Welle an Abgabehunden geben wird“, sagt der Heimsprecher Frederick Guldner. „Wir erhalten mehr Anfragen, doch es gibt bei uns nicht mehr Vermittlungen.“

Das Heim prüfe genau, ob es nur um einen „Home-Office-Hund“ geht oder ob sich die zukünftigen Herrchen und Frauchen nach der Zeit des dauer­haften Zuhause-Bleibens um die Vierbeiner kümmern können. „Es wurden tatsächlich ein paar mehr Langzeit-Insassen vermittelt. Das hat allerdings damit zu tun, dass diese Hunde schwieriger Bindungen aufbauen und man daher mehr Termine bei uns braucht. Durch die Kurzarbeit sind viele Leute flexibler, was die Terminierung angeht.“ Das Tierheim prüfe aber sehr genau, ob das potentielle Zuhause wirklich in Frage kommt. Einen temporären lebenden Zeitvertreib werde das Heim nicht vermitteln.

Das soll mit Tico sowieso nicht passieren. Schon für die Eingewöhnung nimmt Frauchen Tara Sachs sich bewusst viel Zeit. „Tico kam in den Semesterferien zu mir, daher konnte ich mich in der ersten Zeit ganztägig um ihn kümmern“, sagt die Studentin. „Tico ist ein etwa sechs Monate alter Mischlingsrüde. Wir schätzen, dass es ein Mix aus Schnauzer, Terrier und Bordercollie ist, doch genau weiß man es nicht. Für mich war klar, dass ich einen Hund über eine Tierrettung holen möchte, nicht vom Züchter.“ Damals habe sie gemerkt, dass viele angefragte Hunde schon reserviert waren.

 Studentin Tara Sachs (21) nahm vor zwei Monaten aus Rumänien Straßenhund Tico zu sich. Über die Zeit nach der Pandemie und darüber, wer dann mal auf den Hund aufpassen kann, hat sie sich die Tierfreundin gründlich Gedanken gemacht.
Studentin Tara Sachs (21) nahm vor zwei Monaten aus Rumänien Straßenhund Tico zu sich. Über die Zeit nach der Pandemie und darüber, wer dann mal auf den Hund aufpassen kann, hat sie sich die Tierfreundin gründlich Gedanken gemacht. Foto: BeckerBredel

Tara Sachs blickt längst über den Lockdown hinaus. „Wenn Corona irgendwann vorbei ist, kann ich Tico mit zur Uni nehmen. Ansonsten ist meine Mutter viel zu Hause und kann sich um ihn kümmern. Meine Großeltern und Freunde haben schon angeboten, mal aufzupassen, falls bei mir was sein sollte. Und solange ich studiere, kann ich auch zwischen den Vorlesungen nach Hause und mit ihm spazieren gehen.“ Kein Zweifel: Für Tico und Tara war es Liebe auf den ersten Blick. Eine Liebe, die Corona überdauern soll.

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