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Was man für einen barrierefreien Umbau im Saarland wissen muss

SZ-Telefonaktion : Was man für einen barrierefreien Umbau wissen muss

Die Architektin Sonja Hopf und der Finanzierungsexperte Alexander Nothaft vom Verband der Privaten Bausparkassen haben Leserfragen zum Thema Barrierefreiheit beantwortet. Hier eine Zusammenfassung der Gespräche.

Wo finde ich Beratung zum barrierefreien Umbau?

HOPF Informationsstellen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung im Saarland findet man unter www.wohnungsanpassung-bag.de.

Welche Förderung bekomme ich vom Saarland?

NOTHAFT Aus dem Wohnraumförderungsprogramm des Landes kann es maximal 60 000 Euro pro Wohneinheit geben, wenn der Gebrauchswert der Wohnräume nachhaltig erhöht oder die allgemeinen Wohnverhältnisse auf Dauer verbessert werden. Darunter sind auch Barriere reduzierende Maßnahmen gefasst. Der zinsverbilligte Kredit gilt für selbst genutzten Wohnraum, aber auch für Mieter in bestimmten Regionen des Saarlandes. Voraussetzungen sind außerdem bestimmte Einkommensgrenzen und eine bestimmte Wohnungsgröße, Eigenleistungen werden verlangt. Details und Beratungskontakte gibt’s auf der Webseite der Saarländischen Investitionskreditbank unter www.sikb.de.

Wann gilt eine Wohnung als barrierefrei?

HOPF Eine Wohnung wird als barrierefrei bezeichnet, wenn folgende Standards eingehalten werden: der Zugang zur Wohnung ist barrierefrei, in der gesamten Wohnung sind weder Stufen noch Schwellen vorhanden, alle Türen haben eine ausreichende Breite, ausreichende Bewegungsflächen, eine bodengleiche Dusche im Bad. Statistiker haben ermittelt, dass 2018 nur zwei Prozent aller Wohnungen diese Merkmale erfüllten.

Wie fördert die KfW Barriere reduzierende Umbauten?

NOTHAFT Sie können wählen zwischen einem Förderkredit bis zu 50 000 Euro zu einem effektiven Jahreszins von aktuell 0,78 Prozent und einem Zuschuss. Der Zuschuss beträgt zehn Prozent, maximal 6250 Euro. Förderfähig sind Einzelmaßnahmen und solche Umbauten, mit denen der Standard „Altersgerechtes Haus“ erreicht wird. Den Kredit beantragen Sie über Ihre Hausbank oder Bausparkasse, den Zuschuss direkt bei der KfW.

Nach einem großen Wasserschaden in unserem Haus müssen wir sanieren. Dabei will ich gleich das Bad barrierefrei umbauen und dichtere Fenster einsetzen. Gibt es staatliche Zuschüsse?

NOTHAFT Die staatliche Förderbank KfW bietet über das Programm 455-B zur Barrierereduzierung einen Investitionszuschuss von zehn Prozent, maximal 5000 Euro an. Die neuen Fenster könnten Sie sich fördern lassen mit einem Zuschuss aus dem Programm für energetische Einzelmaßnahmen. Der Zuschuss beträgt hier 20 Prozent der förderfähigen Kosten.

Ich möchte mich nach Geld erkundigen für einen barrierefreien Umbau. Meine Mutter wohnt mit bei uns im Haus und hat einen Pflegegrad.

NOTHAFT In diesem Fall können Sie die Pflegekasse Ihrer Mutter an den Kosten beteiligen. Stellen Sie einen Antrag. Dann kann die Pflegekasse bis zu 4000 Euro dazugeben. Die KfW-Bank hält für Barrierereduzierung ebenfalls Zuschüsse bereit. Unter www.kfw.de finden Sie die Details und auch eine entsprechende Hotline, wenn Sie bestimmte Bedingungen erklärt haben möchten.

Vor vier Jahren habe ich einen Zuschuss von der Pflegekasse bekommen. Jetzt habe ich den Pflegegrad 3, weil sich meine gesundheitliche Situation verschlechtert hat. Ich brauche jetzt einen Treppenlift. Kann ich noch mal einen Zuschuss beantragen?

HOPF Unter www.nullbarriere.de/wohnungsanpassungscheck.htm finden Sie eine umfangreiche Checkliste. Das kann zum Beispiel die höher angebrachte Steckdose sein oder statt üblicher Schränke mit Türen offene Regale.

Wir haben ein Haus aus zweiter Hand und wollen barrierefrei umbauen. Eignet sich zum Sparen ein Bausparvertrag?

NOTHAFT Sie können einen klassischen Bausparvertrag für altersgerechte Umbauten verwenden. Denken Sie daran, Wohnungsbauprämie beziehungsweise Arbeitnehmersparzulage zu beantragen, sofern Sie darauf Anspruch haben. Wenn Sie einen Riester-Bausparvertrag abschließen, können Sie staatliche Zulagen oder Steuervorteile bekommen und das Geld später auch für barrierefreie Umbauten nutzen. Wollen Sie sofort beginnen, eignet sich zum Beispiel ein Blankodarlehen von der Bausparkasse bis zu 30.000 Euro - ohne Grundbucheintrag.

Ich bin schwer behindert, habe keinen Pflegegrad. Ich brauche eine bodengleiche Dusche. Sind die KfW-Kredite an das Einkommen gebunden?

NOTHAFT Nein, Kredit und Zuschuss von der KfW sind nicht an Einkommensgrenzen gebunden, sondern an den Charakter der Maßnahmen, die geplant sind. Für die Umbauten sind bestimmte Anforderungen einzuhalten.

Weitere Infos unter www.bausparkassen.de (Verband der Privaten Bausparkassen); www.nullbarriere.de (Infoportal für barrierefreien Umbau); www.kfw.de (Kreditanstalt für Wiederaufbau). Die Broschüre „Barrierefrei umbauen und bauen – mehr Lebensqualität für alle“ kann man sich unter www.bausparkassen.de anschauen und herunterladen.