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Warum zwei Saarländer Olympia in Frankfurt feiern

Offizielles Jugendlager aus Pandemie-Gründen verlegt : Warum zwei Saarländer Olympia in Frankfurt feiern

Johanna Recktenwald und Rio Grumbrecht wollten zum Olympischen Jugendlager nach Tokio, müssen wegen der Pandemie nun aber mit Hessen Vorlieb nehmen.

Kaum ist die Fußball-Europameisterschaft zu Ende gegangen, steht mit den Olympischen Sommerspielen in Tokio der zweite große Sport-Höhepunkt dieses Sommers an. Dabei hat die Corona-Pandemie für eine Verschiebung der Wettkämpfe um ein Jahr gesorgt, zudem werden es nun Geisterspiele ohne Zuschauer sein. Einen Strich durch die Rechnung hat die Pandemie auch den Teilnehmern des Olympischen Jugendlagers gemacht. Das findet normalerweise im direkten Umfeld der Spiele vor Ort statt, so können die Jugendlichen auch Wettkämpfe besuchen. Wegen Corona treffen sich die 50 Jugendlichen aus Deutschland von 16 bis 19 Jahren in diesem Jahr aber statt in Japans Hauptstadt vom 29. Juli bis zum 5. August in Frankfurt.

Mit dabei sind mit Para-Biathletin Johanna Recktenwald aus Marpingen und dem Saarbrücker Rio Grumbrecht auch zwei Saarländer, die exemplarisch zeigen, auf welchen beiden Wegen die Teilnehmer ausgewählt wurden. Entweder es sind Spitzensportler wie die 20-jährige Recktenwald, die wegen einer Behinderung nur noch ein Sehvermögen von rund drei Prozent besitzt, oder stark ehrenamtlich engagierte junge Leute wie Grumbrecht. „Klar ist es schade, dass wir wegen Corona nicht nach Japan fahren können. Aber ich freue mich trotzdem sehr darauf“, sagt die Wintersportlerin Recktenwald, die nach dem Abitur im vergangenen Jahr in eine Sportler-WG nach Freiburg gezogen ist und dort am Bundesstützpunkt trainiert. Ihr Ziel sind die Paralympischen Winterspiele im März 2022 in Peking, dazu stehen im kommenden Winter Weltcup-Wettkämpfe und die WM im Januar im norwegischen Lillehammer an. „Wir wollen auch versuchen, in Frankfurt etwas Olympiastimmung zu verbreiten. Das kann eine richtig coole Woche werden. Am meisten freue ich mich darauf, neue Leute kennenzulernen“, sagt Recktenwald, für die es ein kleiner Ersatz für ein Auslandsjahr sein soll, das nach dem Abi wegen Corona nicht möglich war. Zudem machte Corona es ihr auch in Freiburg schwer, neue Freunde kennenzulernen. Nach dem Bundesfreiwilligendienst am Olympiastützpunkt in Freiburg wird die Marpingerin, die 2019 WM-Bronze im Biathlon holte und auch als Nordische Langläuferin unterwegs ist, ab diesem Herbst Gesundheitspädagogik im Breisgau studieren. „Wir machen Projekte zum Beispiel zu den Themen Nachhaltigkeit und Inklusion im Sport oder sexualisierter Gewalt im Sport, stehen auch mit der japanischen Sportjugend in Kontakt“, berichtet die Spitzenathletin, die in Wettkämpfen von ihrem Guide Valentin Haag begleitet wird und mittels eines akustischen Systems die Zielscheiben mit dem Gewehr anvisiert.

Auch Rio Grumbrecht wird wie Recktenwald geimpft in die Mainmetropole fahren, zudem gibt es ein durchstrukturiertes Testkonzept. Der vor wenigen Tagen 18 Jahre alt gewordene junge Mann ist ein Multifunktionär und Ehrenamtler durch und durch. „Ich bin sehr viel im Sport unterwegs“, sagt der Sohn eines Briten und einer Deutschen, der denselben Vornamen wie der ehemalige englische Kultfußballer Rio Ferdinand trägt. Er engagiert sich in der Basketballabteilung des ATSV Saarbrücken, ist dort Jugendvorstand, spielt Fußball beim SV Saar 05 Jugend, ist im Junior-Team des Deutschen Basketballbundes, arbeitete für die Deutsche Sportjugend (DSJ), trainierte an seiner Schule, dem Ludwigsgymnasium, das Fußballteam für „Jugend trainiert für Olympia“ und, und, und. „Ich mag alle Sportarten gerne und freue mich, mit anderen Jugendlichen einige in Frankfurt auszuprobieren“, erzählt der junge Mann mit der dunklen Stimme, der künftig an der Sporthochschule in Köln Sportmanagement studieren möchte.