Wachsender Tourismus im Saarland

Sparkassen-Tourismusbarometer : Rehlinger will 3,3 Millionen Übernachtungsgäste

Wenn viele Gäste ins Land kommen, profitiert der Einzelhandel am meisten davon. Das ist die wichtigste Erkenntnis des neuen Sparkassen-Tourismusbarometers, der Branchenvertretern in Saarbrücken vorgestellt wurde.

„Von den rund 1,38 Milliarden Euro, die im saarländischen Tourismus an Umsatz erwirtschaftet werden, fließen 45 Prozent in den Einzelhandel“, sagt Forscher Karsten Heinsohn von der Beratungsgesellschaft dwif-Consulting. „Das sind immerhin 620 Millionen Euro.“ Das Berliner Unternehmen erstellt den Branchenmonitor seit 2015 im Auftrag der Sparkassen-Finanzgruppe Saar  sowie des Landes und schreibt ihn jährlich fort.

Wichtig ist vor allem der Tagestourismus. „Vier von fünf Euro geben die Besucher, die sich nur für  Stunden im Land aufhalten, in den Geschäften aus“, betont Heinsohn.   Rund 14 Prozent aller Tagestouristen, die ins Saarland kommen, „planen von vornherein eine Einkaufsfahrt“, betont dwif-Geschäftsführer Mathias Feige. Aber auch bei Besuchern, die eine oder mehrere Nächte bleiben, „stehen Einkäufe in vielen Fällen auf dem Programm“. Bei entsprechenden Investitionen und Kooperationen könnten daher beide Branchen voneinander profitieren. sagt Feige. Das Shopping-Verhalten verändere sich zudem. Der Genuss-Kauf verlagere sich vom Alltag weg in die Zeit ohne Berufsstress.

Feige rät den Händlern vor Ort, sich nach Kooperationspartnern im Gastgewerbe, bei den Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie bei Dienstleistungsbetrieben umzusehen, um mit ihnen gemeinsame Angebote zusammenzustellen. Das könnte der Verkauf von Kosmetikartikeln in Verbindung mit einer Wellness-Behandlung in einem Hotel sein oder die Produktpräsentation in einem Café. Im Tourismusbarometer sind einige Praxisbeispiele aus anderen Städten aufgezeigt. So baut München den Besuch von Geschäften in seine Stadtführungen ein. Ladeninhaber kämen so mit den Gästen ins Gespräch. Die Stadt Minden (Westfalen) lockt in den Sommermonaten jeden Samstag die Gäste mit einem wöchentlich wechselnden Bühnenprogramm in die Innenstadt. „Das Format ist ein beliebter Treffpunkt für Leute, die anschließend einen Einkaufsbummel unternehmen“, heißt es in der Studie.

Insgesamt hat sich der Tourismus im Saarland während des vergangenen Jahres gut entwickelt, so ein weiteres Ergebnis des Barometers. „Bei den Übernachtungen haben wir eine Steigerung um 2,3 Prozent auf 3,16 Millionen geschafft“, bilanzierte Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD). Damit rücke das Ziel des Landes, bis zum Jahr 2025 insgesamt 3,3 Millionen Übernachtungen zu erreichen, „in greifbare Nähe“. In den ersten acht Monaten des laufenden Jahres wurden 2,19 Millionen Übernachtungen verbucht, 1,4 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Gäste, die mindestens eine Nacht in saarländische Herbergen verbringen, stieg 2018 um 0,8 Prozent auf 1,07 Millionen. Derzeit stehen ihnen knapp 25 000 Betten zur Verfügung, 1,5 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.

Für die saarländische Tourismus- und Freizeitbranche werden die Gäste aus dem Ausland immer wichtiger. Deren Übernachtungen kletterten um 4,3 Prozent nach oben, wohingegen das Plus bei Gästen aus anderen deutschen Regionen lediglich 0,9 Prozent erreichte. Vor allem Reisende aus den Niederlanden hat es vermehrt ins Saarland gezogen. Deren Übernachtungszahlen wuchsen um 23,8 Prozent, was vor allem auf verstärkte Marketing-Maßnahmen zurückgeführt wird. Aus der Schweiz und aus Frankreich ging die Nachfrage allerdings um 11,5 beziehungsweise 9,7 Prozent zurück.

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