Vorwürfe wegen Vergabe bei Cispa-Neubau

Kostenpflichtiger Inhalt: Architekt erbost : Vorwürfe wegen Vergabe bei Cispa-Neubau

Der Kölner Architekt Johannes Kister spricht von „mafiösen Strukturen“ beim Vergabeverfahren für einen Neubau in Saarbrücken. Die Strukturholding Saar hatte dafür bereits eine Rüge bekommen.

Was hat die Sockenfarbe eines Architekten mit seinen Chancen in einem Wettbewerb zu tun? Nichts, sollte man meinen. Viel, mutmaßt dagegen Johannes Kister. Der Architekt mit Büros in Leipzig und Köln sowie einer Professur in Dessau ist eines von drei Mitgliedern des Saarbrücker Gestaltungsbeirates. Als solcher soll er  Architekten und Bauherren beraten und so zur Baukultur in der Landeshauptstadt beitragen.

Als Architekt hat er gerade an einem zweistufigen Verfahren im Saarland teilgenommen mit dem Ziel, ein Institutsgebäude des Cispa auf dem Universitätscampus Saarbrücken zu bauen. Dieses Ziel schien nahe, denn Kister und sein Büro (Kister, Scheithauer, Groß Architekten und Stadtplaner) belegten Rang 1 des Wettbewerbes. Doch Kister, der einst bei Gottfried Böhm studierte, wird nicht bauen. Stattdessen baut nun HPP, ein international aufgestelltes Unternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf – das den 2. Rang beim Wettbewerb fürs Cispa belegte.

Johannes Kister hat den „Cispa-Wettbewerb“ gewonnen. Bauen durfte jedoch ein Anderer. Foto: Chris Rausch

Das brachte Kister in Rage. Und inspirierte ihn zu dem Titel „Krieg und Frieden“ für seine spätere Vorstellung als Gestaltungsbeirat in Saarbrücken, die er als Bühne für seinen Unmut nutzte. Solche Vorstellungen laufen üblicherweise emotionslos ab. Architekten stellen sich und ihre Büros vor, zeigen Fotos von Häusern, die sie gebaut haben: Wohnhäuser oder öffentliche Gebäude. Auch Johannes Kister zeigte zunächst Gebautes, etwa die Hochschule in Bremerhaven. Das war der friedliche Teil.

Dann erhob er den Vorwurf, die Entscheidung gegen seinen Entwurf sei zumindest sehr subjektiv – vielleicht ja von der Sockenfarbe der Präsentierenden abhängig – oder aber das Ergebnis von „mafiösen Strukturen“.

Kister hatte nach der Entscheidung gegen sein Büro einen offenen Brief verfasst. Darin schildert er sehr emotional das Vergabeverfahren. Nachdem eine Fachjury bewertet habe, habe man sich in einem 15-minütigen Verhandlungsverfahren vor einer Bewerterrunde präsentieren dürfen. Einer Runde, die nicht einmal vorgestellt worden sei.

Für den Neubau des Institutsgebäude Cispa I (Cispa 2 soll folgen) richtete die Strukturholding Saar (SHS) das zweistufige Vergabeverfahren aus. In solchen Verfahren werden die Wettbewerbsergebnisse lediglich zu 30 Prozent eingebracht. Das ist üblich, wird von Architekten aber immer wieder kritisiert. Auch der Präsident der Saarländischen Architektenkammer, Alexander Schwehm, will mehr: Mindestens zu 50 Prozent müsse ein Wettbewerb für die Vergabe gewertet werden, fordert er. Und: „Ich bin dafür, dass der Gewinner  eines Wettbewerbes auch baut.“

Thomas Schuck, Geschäftsführer der SHS, verwies auf Anfrage darauf, dass im zweistufigen Vergabeverfahren zunächst Ideenskizzen abgefragt worden seien. Das sei weniger, als in Wettbewerben gefragt sei. Die SHS errichtet das Gebäude und wird es an Cispa vermieten. Die Bruttoprojektkosten gab Schug mit 34 Millionen Euro an. Er bestätigte auch, dass den Zuschlag für den Bau von Cispa 1 HPP bekommen wird.

Die SHS hatte zwischenzeitlich eine Rüge bekommen, eingereicht von einem saarländischen Bieterteam, das ebenfalls an dem Wettbewerb teilgenommen hatte und Rang vier belegte. Gerügt wurde unter anderem, dass die Bietergemeinschaft, obwohl sie in die engere Wahl gekommen sei,  nicht zu weiteren Verhandlungen eingeladen wurde. Die SHS holte die Einladung dann nach, das Team verzichtete jedoch.

Johannes Kister ist „extrem angesäuert“ an die Öffentlichkeit gegangen. Unter den saarländischen Architekten ist – wenngleich nichtöffentlich – das Verfahren auch umstritten. Und die Entscheidung für HPP wirft bei vielen die Frage auf, warum es mal wieder ein großer Name von außen sein musste, der gewinnt.