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Rat für Verbraucher
Vorsicht: teure „Hilfe“ an der Haustür

Verbraucherschützer weisen immer wieder darauf hin: Die Not-Öffnung einer Haustür kann schnell richtig teuer werden, wenn Gauner zu Werke gehen. Denn die rechnen weitaus mehr ab als nötig. Vor allem nachts und an den Wochenenden. 
Verbraucherschützer weisen immer wieder darauf hin: Die Not-Öffnung einer Haustür kann schnell richtig teuer werden, wenn Gauner zu Werke gehen. Denn die rechnen weitaus mehr ab als nötig. Vor allem nachts und an den Wochenenden.  FOTO: dpa-tmn / Christin Klose
Saarbrücken. Die Verbraucherzentrale warnt vor dubiosen Schlüsseldiensten. Sie kassieren Riesensummen, und das Geld ist dann fast immer verloren.

Die Verbraucherzentrale stellte für die Saarbrücker Zeitung Fälle und Methoden aus der Region zusammen, die typisch für das tägliche Beratungsgeschäft in der Trierer Straße 22 sind.


Bei der Juristin Sabine Strichertz im dritten Stock des Hauses sitzen oft die Opfer dubioser Schlüsseldienste. Diese geben sich günstig, um die Anrufer zu einem Auftrag zu überreden. Ist die Tür wieder offen, schockieren die vermeintlichen Helfer in der Not ihre Kunden mit Rechnungen jenseits der 1000-Euro-Marke. Klar ist: Wer erst einmal bezahlt hat, sieht das Geld nie wieder.

Mit einer vergleichbaren Masche arbeiten dubiose Anbieter von Rohrreinigungen. Die schwarzen Schafe in der Branche tun entweder mehr als eigentlich nötig oder erbringen die versprochene Leistung oft nicht und langen dann sogar noch mit überhöhten Rechnungen zu.

Gewährleistungsfragen sind für Sabine Strichertz ein weiteres großes Aufgabenfeld. Denn oft folgt der Freude über eine Anschaffung der Frust, weil der Artikel schon kurz nach dem Kauf kaputt ist. Das ist umso schlimmer, wenn Läden den Kunden im Regen stehen lassen und ihm vorwerfen, er habe die Ware kaputtgemacht. Dabei sei der Artikel von Anfang an defekt gewesen, sagt Strichertz. Und die unredlichen Geschäfte setzten einfach darauf, dass der Kunde eine juristische Auseinandersetzung wegen einer vergleichsweise geringen Summe scheut. Strichertz stärkt Ratsuchenden in solchen Fällen den Rücken und erinnert die Händler nachdrücklich an die Rechtslage. Demnach hat nämlich der Kunde in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf bei Streitigkeiten über mangelhafte Neu-Ware bessere Karten als der Händler. Ein Rat, der in Strichertz’ Büro schon so manchem vor übereilter Kapitulation bewahrt hat.

An der Haustür abgeschlossene Energie-Lieferverträge sind Strichertz zufolge immer wieder ein Thema in Saarbrücken und im Regionalverband. Diese Dokumente seien oft schwer zu verstehen, ob nun für Einheimische und erst recht für Zuwanderer. Branchenkenntnisse sind auch das A und O für Thomas Beutler, den Banken- und Finanzexperten des Hauses. Der Diplom-Betriebswirt wechselte aus einer Bank zur Verbraucherzentrale. Ein Werdegang, der ihm hilft, Geldanlagen zu erkennen, die dem Kunden nutzen – oder schaden. Sein Tipp: erst Rat suchen, dann unterschreiben.



In Zimmer 303 hat es Silke Schröder, die Fachfrau für Telekommunikation, oft mit Mobilfunkverträgen zu tun. Meist sind die Ratsuchenden überrascht, was sie da angeblich abgeschlossen haben. „Ich möchte betonen, dass ich diesen Vertrag unter keinen Umständen gewollt oder bewusst unterzeichnet habe“, sagte ein ratloser Verbraucher.

In seinem Fall hatte Silke Schröder Erfolg, und das Unternehmen sah von seinen Forderungen aus dem Vertrag ab. Schröder sieht für sich als Vorteil, dass sie auch bei diesem großen deutschen Mobilfunkanbieter weiß, mit wem sie zu sprechen hat. Und vor allem wie.