Kunstpreis Robert Schuman: Vom Comic-Zeichner zum Lichtkünstler

Kunstpreis Robert Schuman : Vom Comic-Zeichner zum Lichtkünstler

Die SZ stellt vier Künstler vor, die für den Kunstpreis Robert Schuman nominiert sind; heute: François Schwamborn.

Wenn am 18. Januar der Kunstpreis Robert Schuman verliehen wird, hoffen 16 Künstler aus vier Ländern, ihn zu gewinnen. Denn der Kunstpreis Robert Schuman ist mit 10 000 Euro dotiert. Der Preis ist eine Auszeichnung für Gegenwartskunst, und wird alle zwei Jahre von den Quattropole-Städten Saarbrücken, Trier, Metz und Luxemburg verliehen. In diesem Jahr findet die Ausstellung samt Verleihung in Metz statt.

Und für Saarbrücken wurden von den Kuratoren der Stadtgalerie die vier Künstler Katharina Hinsberg, Gertrud Riethmüller, François Schwamborn und Thilo Seidel nominiert. „Als mich Kamila Kolesniczenko von der Stadtgalerie angerufen hat, und mich gefragt hat, ob ich Lust hätte, bei dem Preis mitzumachen, habe ich daher laut „ja“ gesagt“, erzählt François Schwamborn lachend. François Schwamborn, geboren in Saarbrücken in einem deutsch-französischen Elternhaus, hat schon früh die Kunst für sich entdeckt, malte in der Schulzeit bereits Comics und Karikaturen. Im Jahr 2008 hat er daher auch sein Studium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar begonnen, das er 2014 mit Diplom abgeschlossen hat und danach als Vertiefungsstudium weitergeführt hat. Heute arbeitet er freiberuflich, ist auch Lehrbeauftragter der HBK bei den „Rotationen-Projekten“, die er technisch betreut.

Wer die „Rotationen“ kennt, weiß, dass es sich hierbei um außergewöhnliche Inszenierungen von Licht, Filmen, Visuals und Animationen handelt, die in den letzten drei Jahren jeweils für ein Wochenende an die Schlossfassade projiziert wurden, begleitet von live improvisierter Jazz-Musik. Da stellt sich natürlich die Frage, wie ein Comic-Zeichner zum Lichtkünstler wurde. „Ich habe mich an der HBK mit Malerei beworben. Und dann habe ich im Studium den Bereich Media Arts und Design für mich entdeckt“, erklärt François Schwamborn.

Entscheidend sei dabei Professor Tamás Waliczky gewesen, der von 2005 bis 2010 die Professur für Neue Digitale Medien innehatte. „Es hat mich einfach beeindruckt, dass sein Werkzeug, um künstlerisch tätig zu sein, der Computer war“, erzählt der Künstler. Nach und nach hat dann auch François Schwamborn seine Handzeichnungen gegen im PC generierte Bilder ausgetauscht und mit Musik gestaltet. So war dann auch die Diplomarbeit von François Schwamborn eine interaktive Rauminstallation, die auf Sound reagiert hat und deren Projektionen sich mit der Musik von drei Jazzmusikern verändert haben. Seither nutzt François Schwamborn im Kern seiner Arbeit Licht, aber auch die Irritation, die man mit Licht erzeugen kann.

Er will die Wahrnehmung des Betrachters herausfordern. „Eine meiner Arbeiten, die ich im Metz zeigen werde, habe ich auch schon im Herbstsalon 2016 im Kuba vorgestellt. Dort habe ich um ein Wasserbecken elektrolumineszente Schnüre gespannt und Wassertropfen in das Becken tropfen lassen, die man kaum wahrnehmen konnte. Diese Tropfen haben aber das Spiegelbild der Schnüre im Wasser verzerrt. Diesen Unterschied in der Wahrnehmung, das Subjektive, möchte ich in meiner Arbeit gerne aufzeigen“, erklärt er.

Die zweite Arbeit, die er in Metz zeigen wird, wird brandaktuell sein. Denn sie stellt einen Dialog der Formensprachen verschiedener Religionen dar, und wird wohl in der ältesten Kirche Frankreichs, in Saint-Pierre-aux-Nonnains, gezeigt werden.

Für einen freischaffenden Künstler wie François Schwamborn wäre das Preisgeld des Kunstpreises Robert Schuman sehr willkommen. „Sie können mir gerne die Daumen drücken“, sagt er dann auch lachend. Zu traurig wird er aber wohl nicht sein, wenn es nicht klappt. Denn der deutsch-französische Künstler hat in den nächsten Monaten einiges zu tun. Neben einem Projekt in der Frauengenderbibliothek und im Frühjahr auf dem Theaterschiff Maria-Helena warten dann ja im Frühsommer schon wieder die „Rotationen“ auf ihn.

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