Postmoderne Kirche im Köllertal: Volles Vertrauen in die Geometrie

Postmoderne Kirche im Köllertal : Volles Vertrauen in die Geometrie

Postmoderne vom Allerfeinsten: Mit der Kirche Maria Königin in Obersalbach-Kurhof hat der Saarbrücker Architekt Peter Alt ein großartiges Beispiel dafür geschaffen.

Als in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eine Wohnsiedlung abgerissen wurde, die erst 17 Jahre zuvor gebaut worden war, galt dieser Moment in der Geschichte der Architektur als Beginn der Postmoderne. Mit der oft als kalt, austauschbar und maschinell im Ausdruck empfundenen Moderne konnten sich ab 1968 immer weniger Bürger identifizieren. Die Postmoderne versprach eine Rückkehr zu regionalen Identitäten, vertrauteren Formen und Typologien und mehr Respekt der Geschichte, der Stadt und der Differenz gegenüber.

Ausgerechnet im kleinen saarländischen Örtchen Obersalbach-Kurhof, einem Ortsteil von Heusweiler, findet sich eines der feinsten Beispiele für den postmodernen Zeitgeist in der Architektur. Nämlich die katholische Kirche Maria Königin, entworfen von dem Saarbrücker Architekten Peter Alt.

Der Bau des Gotteshauses begann mit einer tragischen Geschichte. Als 1983 im Ort als Folge der Abbaumaßnahmen in der nahen Grube Ensdorf starke Bauschäden an dem Vorgängerbau auftraten, begann für die Dorfkirche ein verhängnisvoller Verlauf. Eine starke tektonische Störung verlief direkt diagonal unter der Kirche und verursachte letztlich einen Totalschaden. Die Dorfkirche musste abgerissen werden, der Neubau einer kleinen Kirche wurde notwendig. Sie sollte im Zentrum des Dorfes an dessen tiefster Stelle errichtet werden.

Alt entwarf einen gedrungenen Solitär ohne Kirchturm. Die Kirche bildet den Dorfmittelpunkt im Talkessel zwischen Dorfgemeinschaftshaus, Bauernhaus und Scheune. Ihre markante, zeitlose und leicht erinnerbare Form entwickelte sich aus der Vierung einer Kreuzkirche. Die Kirche mit quadratischem Grundriss mit 16 Metern Kantenlänge hat ein Dach in Form von zwei sich kreuzenden Tonnengewölben, die in der halben Raumhöhe ansetzen und entsprechend bullig wirken. Die Aufteilung des Interieurs entspricht den Forderungen des zweiten vatikanischen Konzils nach zentraler Lage des Altars. Der Altar ist dreiseitig von den Sitzbänken umgeben, aber frei zu umschreiten.

Die Kirche Maria Königin in Obersalbach-Kurhof ist klassisch nach Osten, in Richtung Jerusalem, orientiert. Der Haupt-Eingang liegt deshalb etwas ungewöhnlich hinter dem Altar. Die Atmosphäre im Innenraum wird von warmen Holz-Oberflächen für Wände und Böden, Ziegel-Mauerwerk und natürlichem Licht getragen. Eine Dachlaterne im Gewölbescheitel belichtet das Zentrum mit dem Altar.

Die bunten Glaskunstwerke in den vier halbrunden Fenstern stammen von dem englischen Künstler Brian Clarke und geben dem Sakralraum zusätzlich Atmosphäre. Der 1953 in Oldham geborene Künstler gilt als Wieder-Entdecker der Bleiglas-Fenster-Kunst. Die Glasfenster scheinen „aus sich selbst heraus“ zu leuchten. Der „Lichtarchitekt“ Clarke hat für seine Fenstern das Motiv der vier Jahreszeiten gewählt. Nach innen funkeln die Gläser bei Tageslicht, bei Dunkelheit wirken sie nach außen durch die Beleuchtung des Gewölbes. Ein gedeckter „Kreuzgang” bildet zugleich eine umlaufende hölzerne Galerie, die zur Orgel-Empore führt. Auf der Rückseite der Orgel liegt ein kleines Geläut. Das Kirchendach besteht aus einer Holzbinderkonstruktion, die innen mit weißem Akustikputz verkleidet ist. Ein kreisrunder Leuchter akzentuiert die perfekte Geometrie des Raumes zusätzlich. Die Dachdeckung mit grünlich patinierten Kupferstegblechen außen bildet den Komplementär-Kontrast zu den rot-braun glimmenden Fassaden.

Buntglasfenster schaffen innen besonderes Licht. Foto: Marco Kany

Die stämmige, postmoderne Dorfkirche mit ihrem starken geometrischen, fast playmobil-haften Ausdruck bietet einen fantastisch illuminierten Innenraum und liebevoll entworfene Details. Sie markiert die Abkehr von der abstrakteren, nüchternen und oft ahistorischen Kirchenarchitektur der späten Moderne.

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