Völklinger Alessandro Marotta spielt in der saarländischen E-Soccer-Liga

Kostenpflichtiger Inhalt: Völklingen : Auf Torejagd am Computerbildschirm

Der Völklinger Alessandro Marotta spielt in der saarländischen E-Soccer-Liga – organisiert von „E Sports United Saar“.

Mit einer Seelenruhe und konzentriertem Blick schaut Alessandro Marotta auf den großen Monitor, der etwa einen Meter vor ihm auf einem Tisch steht.   In seinen Händen hält der 16-Jährige einen Controller, und seine Finger fliegen förmlich über die kleinen Knöpfe – ohne dass Alessandro hinsehen müsste.

Der Völklinger spielt Fußball auf einer Spielekonsole. Aber nicht nur so zum Spaß, sondern in der ersten saarländischen E-Soccer-Liga. Der Verein „E Sports United Saar“aus Saarlouis hat die Liga mit vier Spieltagen organisiert.

Alessandro passt den Ball geschickt durch die Mitte zu einem Stürmer, schließt ab und trifft zum 4:0 in seinem Achtelfinalspiel. Er ballt kurz die Faust und klatscht mit seinem Bruder Giuseppe ab, der unmittelbar daneben steht und seinen Bruder anfeuert. „Ich spiele am liebsten durch die Mitte. Ich mag das schnelle Passspiel und setzte so meine Stürmer ein“, erzählt der 16-Jährige vom elektronischen Fußball, den er seit vier Jahren spielt.

Die gesamte Marotta-Familie ist fußballverrückt. Auch Alessandros Papa ist als Zuschauer dabei und erklärt, dass sein Sohn nach dem großen italienischen Fußballstar Alessandro Del Piero benannt worden ist. Was die Familie damals noch nicht wusste: Alessandro spielt Fußball lieber an der Konsole als auf dem Platz.

„Ich mag auch den Fußball auf dem Platz und schaue mir viele Spiele an. Aber wenn ich selbst spiele, dann nur vor dem Monitor“, sagt der 16-Jährige, der in diesem Jahr erfolgreich seinen Schulabschluss machte und aktuell einen Ausbildungsplatz sucht.

Sein großer Traum ist es, professioneller E-Sportler zu werden. Das Turnier in Völklingen war erst das dritte, bei dem sich Alessandro der Konkurrenz in der Öffentlichkeit stellte. Auch das Viertelfinale gewann er. Im Halbfinale hatte er aber Pech mit der Auslosung. Er traf auf den späteren Turniersieger und E-Sports-Profi bei Besiktas Istanbul, Dominik Schwenk aus Saarwellingen. Alessandro verlor 1:4 und ärgerte sich. „Es wäre mehr drin gewesen. Die Auslosung war doof. Aber ich nehme das Beste mit. Ich konnte gegen einen Profi spielen und lernen“, sagte der Völklinger. Im Spiel um Platz drei war Alessandro dann wieder der Bessere und schnappte sich die 100 Euro.

Es war das erste Preisgeld für den jungen E-Sportler. „Bei meinen ersten beiden Turnieren bin ich bis ins Viertelfinale gekommen und jetzt bis ins Halbfinale. Ich werde noch fleißiger trainieren, um besser zu werden.“ Aktuell trainiert der 16-Jährige bis zu sechs Stunden am Tag. Morgens, mittags und abends je zwei Stunden. Dazu kommt die Wochenend-Liga, bei der Spieler aus der ganzen Welt online gegeneinander antreten und von Freitagmorgen acht Uhr bis Montagmorgen acht Uhr insgesamt 30 Spiele absolvieren müssen.

Alessandro hat die vergangene Wochenend-Liga mit 25 Siegen und fünf Niederlagen abgeschlossen. „Das war wieder ein gutes Training, aber ich habe noch einige Sachen entdeckt, die ich einfach besser machen muss“, sagt der 16-Jährige. Zeit mit Freunden zu verbringen hat der jungen Völklinger trotz des zeitintensiven Hobbys genug. Auch wenn seine Gedanken längst wo ganz anders sind. „Im Januar 2020 ist ein richtig großes Turnier in der Saarbrücker Congresshalle. Da möchte ich gut abschneiden und  werde alles dafür tun“, sagt der talentierte Computer-Fußballspieler.

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