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Zweifel am Sinn „besonderer“ Tage

Völklingen. Am Sonntag ist Weltfrauentag. Der Tag entstand in der Zeit des Ersten Weltkrieges und soll an die Gleichberechtigung und das Wahlrecht der Frauen erinnern. Wir haben Völklinger Frauen gefragt, was sie von dem Tag halten – ob sie denken, dass der Tag hilft, Frauenpower zu stärken, und ob sie eventuell besonders verwöhnt werden. Frank Bredel,Anny-Ellen Reichel (beide SZ)

"Weil viel zu wenig an den Tag erinnert wird, hilft er meiner Meinung nach nicht, die Frauenpower zu stärken", sagt Birgitt Schreiber-Simon aus Bous, die in Völklingen zum Bummeln unterwegs ist. Für die 53-Jährige ist dies ein ganz normaler Tag: "Ich brauche an diesem Tag nicht verwöhnt zu werden. Aber besondere Aktionen von Geschäften und ein Tag Urlaub würden mir schon reichen", sagt die Erzieherin schmunzelnd.

Rentnerin Ruth Pfüll glaubt, dass ein Weltfrauentag überflüssig sei und es effektiver wäre, Taten sprechen zu lassen. "Die Gleichberechtigung der Frauen ist noch sehr ausbaufähig. Ich würde mir wünschen, dass gerade die männlichen Politiker mehr darauf aufmerksam machen", sagt die 62-jährige Völklingerin.

"Für Frauen aus anderen Ländern, die einen niedrigeren Stand in der Gesellschaft haben, ist so ein Tag durchaus wichtig. Aber wir deutschen Frauen haben genug Power und wissen uns durchzusetzen", meint Carla Poth (46), deren Mann keinen bestimmten Tag braucht, um sie zu verwöhnen. Dennoch fände die Reinigungskraft aus Völklingen es toll, wenn an diesem Tag zum Beispiel Blumen an die Frauen verteilt würden: "Schließlich macht man das am Valentinstag auch, und dieser Tag ist ein reines Konsumfest."

Die gebürtige Russin Katharina Keller kennt den Weltfrauentag anders: "In meiner Heimat wird der Weltfrauentag richtig groß gefeiert, und die Frauen werden auch verwöhnt. Hier in Deutschland ist das anders", erklärt uns die Völklingerin. Die 59-jährige Verkäuferin wünscht sich mehr Publizität für diesen Tag. "Eine Demo für die Frauen am Weltfrauentag wäre doch ein guter Anfang. Dann würde jeder an den Tag und seinen Sinn erinnert."

"Ehrlich gesagt, habe ich mir über diesen Tag nicht besonders viele Gedanken gemacht", sagt Tanja Schaller aus Wadgassen. Für die 42-Jährige ist es ein Tag wie jeder andere auch. "Es ist toll, dass es in anderen Ländern so groß gefeiert wird. Aber wir brauchen ihn meiner Meinung nach nicht, da die Gleichstellung in Deutschland eigentlich gut geregelt ist", findet die Einzelhandelskauffrau.

Hausfrau Patrizia Reichertz weiß erstmal nicht, wann der Weltfrauentag ist: "Für mich war es immer ein ganz normaler Tag. Deswegen wurde ich auch nie verwöhnt und brauche es auch ehrlich gesagt nicht." Die 54-Jährige meint, dass es mittlerweile zu viele solcher besonderen Tage gäbe. "Ich habe schon gehört, dass er in anderen Ländern groß gefeiert wird. Früher in der Kriegszeit war das vom Sinn her auch gut, aber mittlerweile brauchen wir das doch nicht mehr", sagt die Völklingerin.



Zum Thema:

Stichwort Der Internationale Frauentag wurde erstmals 1911 gefeiert. Im Zentrum stand anfangs der Kampf um das Wahlrecht für Frauen. Später rückten weitere Frauenrechts-Themen in den Blickpunkt. Die Vereinten Nationen haben den Tag inzwischen zum "Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden" erklärt. red