Zwei Lager auf der Röchling-Höhe

Hermann-Röchling-Höhe. Es war als Protestveranstaltung geplant und endete in einer bewegten, aber fairen Debatte mitten auf der Straße: Am Samstag verhüllten Völklinger Bürger das Denkmal von Hermann Röchling auf der Hermann-Röchling-Höhe (HRH), um den Industriellen als Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten zu brandmarken

Hermann-Röchling-Höhe. Es war als Protestveranstaltung geplant und endete in einer bewegten, aber fairen Debatte mitten auf der Straße: Am Samstag verhüllten Völklinger Bürger das Denkmal von Hermann Röchling auf der Hermann-Röchling-Höhe (HRH), um den Industriellen als Kriegsverbrecher und Nationalsozialisten zu brandmarken. Doch es kamen ebenso viele, die das Andenken an Hermann Röchling ehren wollten. Vereinzelt fielen Schimpfwörter, aber es wurde vor allem sachlich und heftig diskutiert über die Rolle Röchlings bei den Nationalsozialisten und über den Ortsnamen. Die einen wollen die Umbenennung in "Bouser Höhe", die anderen natürlich nicht. Hubert Kesternich war gegen den Namen "HRH". Für ihn ist Röchling ein "zweimal verurteilter Kriegsverbrecher", der für viele tote Zwangsarbeiter verantwortlich ist und gar ein eigenes Straflager unterhielt. Kesternich gehörte also zu denen, die am Samstag Stacheldraht um das Röchling-Denkmal wickelten. Oswald Poth ist anderer Meinung. "Pro HRH" steht auf seinem Transparent. Er debattiert mit Kesternich und will die Verdienste Röchlings beim Bau der Arbeitersiedlung gewürdigt wissen. Georg Jungfleisch ist dagegen. "Am Bau hat Röchling Geld verdient, gebaut hat er gar nichts", sagt er. Röchling sei sein Patenonkel gewesen. Trotzdem habe er wirklich kein Denkmal und schon gar keinen Ortsnamen verdient. Gerd Heckmann schüttelt den Kopf über Jungfleisch: "Man sollte froh sein, dass es diese Siedlung gibt. Familien haben bei Röchling Lohn und Brot gefunden. Muss man denn alles politisch sehen?", fragt er sich. Der Krieg habe auf beiden Seiten Opfer gekostet, jetzt müsse Ruhe sein. Auch Gerd Münch sieht das so: "Wir sind hier groß geworden, die HRH ist unsere Heimat. Das Denkmal zu verhüllen, ist eine Schweinerei", sagt er und zeigt Fotos von Röchling. Detlef Thieser (74) hat auch ein Transparent gebastelt, der Saarstahl-Pensionär und Welterbe-Gästeführer ist pro Röchling. Einig werden sich die Demonstranten nicht. Nach einer Stunde Streitgespräch gehen sie friedlich auseinander.

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