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Zusatz-Unterricht für junge Flüchtlinge - Kritik an bayerischem Vorstoß zur Verteilung Minderjähriger

Zusatz-Unterricht für junge Flüchtlinge - Kritik an bayerischem Vorstoß zur Verteilung Minderjähriger

Mit einem 10 000-Euro-Zuschuss will das Diakonische Werk an der Saar im kommenden Jahr seine Betreuung für minderjährige Flüchtlinge ausbauen. Sorge bereitet den Jugendhelfern indes eine Bundesratsinitiative Bayerns, das junge Flüchtlinge deutschlandweit verteilen lassen will.

Das Diakonische Werk an der Saar (DW Saar ) will vom kommenden Jahr an minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen eine bessere Förderung bieten. Zusätzlich zu ihrem regulären Sprach- und Schulunterricht sollen Jugendliche bei Bedarf Nachhilfe erhalten. Außerdem solle die Betreuung in Übergangsphasen nach einem Wohnortwechsel ausgebaut werden, kündigte der Abteilungsleiter im Jugendhilfeverbund des DW Saar , Volker Bourgett, gestern in Völklingen an. Finanziert wird das neue Angebot zunächst über eine Zuwendung der Diakoniestiftung an der Saar in Höhe von 10 000 Euro.

Seit Oktober 2010 werden Minderjährige, die alleine geflüchtet sind, nach den Regeln der Jugendhilfe betreut. Gut 500 Jugendliche wurden seitdem im Saarland aufgenommen. Aktuell betreut das DW Saar 141 junge Flüchtlinge . Die Minderjährigen kommen zunächst ins Clearinghaus nach Völklingen oder Merzig-Besseringen. Nach drei bis fünf Monaten ziehen sie in eine feste Bleibe, etwa eine Wohngruppe. An dem neuen Wohnort sollen sie auch eine Regelschule besuchen. Deshalb bekommen die Jugendlichen schon direkt nach ihrer Ankunft im Clearinghaus Sprach-Unterricht - seit Anfang Dezember gibt es für sie extra zwei Schulklassen.

Eine dieser Klassen besucht ein 16-jähriger Junge aus Eritrea - sein Name soll nicht genannt werden. Nach seiner Flucht ist der Jugendliche seit fünf Monaten in Deutschland, lebt zurzeit im Völklinger Clearinghaus. "Deutschland gefällt mir sehr gut, ich habe auch schon neue Freunde gefunden", erzählte er. Acht Jahre lang sei er in Eritrea zur Schule gegangen - mit ausreichenden Sprachkenntnissen wird er im Saarland seine Schulkarriere fortsetzen können.

Um Jugendlichen diesen Weg zu ebnen, will das DW Saar sein Angebot ausweiten. Wenn ein Jugendlicher vom Clearinghaus in eine Wohngruppe umziehe, entstehe oft eine Lücke, bis er am neuen Wohnort einen Schulplatz bekomme. Vom DW Saar organisierte Lehrer sollen die Jugendlichen künftig während der Wartephase unterrichten.

Während die Pläne im Saarland gedeihen, blicken die Jugendhelfer mit Sorge nach Berlin. Dort brachte die bayerische Landesregierung im Oktober eine Gesetzesänderung in den Bundesrat ein, laut der minderjährige Flüchtlinge nach einem bestimmten Schlüssel über alle Bundesländer verteilt werden sollen. Bisher werden sie dort betreut, wo man sie aufgegriffen hat. Erziehungshilfefachverbände laufen Sturm gegen die Pläne: Den entwurzelten Jugendlichen sei kaum zuzumuten, noch einmal zum Umzug gezwungen zu werden. Es werfe ein zweifelhaftes Bild auf eine Gesellschaft, wenn diese lieber Menschen umverteile als Geld, sagte dazu Diakoniepfarrer Udo Blank.