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Bergbaugeschichte unterm Hammer?
Zukunft der Grube Velsen ist weiter offen

Besucher im Velsener Erlebnisbergwerk (hier aufgenommen bei der Hexennacht 2017). Der Verein, der den ehemaligen Lehrstollen betreut, lässt die Gäste die noch voll intakte Bergbau-Technik stets in Aktion erleben – besonders für die Kinder Anlass zum Staunen und ein großer Spaß.
Besucher im Velsener Erlebnisbergwerk (hier aufgenommen bei der Hexennacht 2017). Der Verein, der den ehemaligen Lehrstollen betreut, lässt die Gäste die noch voll intakte Bergbau-Technik stets in Aktion erleben – besonders für die Kinder Anlass zum Staunen und ein großer Spaß. FOTO: BeckerBredel
Velsen. Übernimmt der Zweckverband Regionalentwicklung Warndt die alte Grube Velsen? Die RAG hält das offenbar für eine Lösung. Von Dennis Langenstein

Das Gelände der ehemaligen Grube in Velsen könnte bald von der RAG Montan Immobilien an den Zweckverband Regionalentwicklung Warndt verkauft werden. Dies erklärte Prokurist Rudolf Krumm jüngst bei der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Ensdorf. „Es besteht Interesse beim Zweckverband. Wir wollen darüber reden, wie das Eigentum übertragen wird“, sagte Krumm. Betroffen sind damit auch das Erlebnisbergwerk und die Kaffeeküche, die zum denkmalgeschützten Gebäudebestand der einstigen Gruben-Tagesanlage zählt und als einzige Gruben-Kaffeeküche des Saarlandes noch in Betrieb ist.


Der Verein Erlebnisbergwerk Velsen arbeitet mit seinen 320 Vereinsmitgliedern seit nunmehr fast sechs Jahren daran, den ehemaligen Lehrstollen und die in ihm verborgene Technik in Schuss zu halten. Mehrere tausend Besucher im Jahr nutzen die Chance, sich selbst ein Bild von der Bergbauvergangenheit im Saarland zu machen.

Vor knapp einem Jahr hat der Verein allerdings auf seine schwierige Situation aufmerksam gemacht. Das Problem: Er mietet den Lehrstollen seit dem 1. April 2012 von der RAG. Jedoch jeweils nur für ein Jahr, da das Bergbauunternehmen aus subventionsrechtlichen Gründen nur kurzfristige Verträge schließt. Doch dadurch kann der Verein keine eigenen Subventionen beantragen, zum Beispiel über das Leader-Programm der Europäischen Union. Ihm fehlt durch die Ein-Jahres-Verträge der notwendige Nachweis, dass er mit Hilfe des Fördergeldes etwas Langfristiges und Nachhaltiges schafft.

Daher hatte der Verein vor knapp einem Jahr erneut eine Idee ins Spiel gebracht. Er wollte der RAG die Anlage für einen Euro abkaufen – mit allen Rechten und Pflichten. Der Bergbaukonzern sollte allerdings den Betrag, der zur Verfüllung und Sicherung der Anlage notwendig wäre, auf ein Treuhandkonto legen, etwa beim Wirtschaftsministerium. Damit sollte sichergestellt werden, dass nach einer etwaigen Vereinsauflösung die Sicherung des Stollens gewährleistet ist. Das Ziel, das der Verein mit dieser Lösung erreichen wollte, war, mit dem Eigentum Planungssicherheit zu gewinnen. Und zugleich die Möglichkeit, Fördergeld  zu beantragen. Diese Option ist aber nun erstmal vom Tisch, wie Krumm auf SZ-Nachfrage bestätigt. Ansprechpartner für die RAG Montan Immobilien soll nun der Zweckverband Regionalentwicklung Warndt sein. Dessen Vorsitz hat der Großrosseler Bürgermeister Jörg Dreistadt. Er erklärt: „Die Verbandsversammlung hat mir den Auftrag gegeben, mit dem zuständigen Ministerium und der RAG Gespräche darüber aufzunehmen, wie sich der Standort entwickeln könnte.“ Hier ist das Bildungsministerium zuständig, in dessen Aufgabenbereich auch die Industriekultur fällt. Verkaufsgespräche gebe es aber zurzeit noch nicht. „Es gibt noch kein Angebot, über das verhandelt werden könnte“, sagt Dreistadt. Und er fügt hinzu: „Ich denke jedoch, alle wären froh, wenn eine Lösung für den Premiumstandort gefunden wird.“