"Zu Hause wie bei Muttern"

Wehrden. "Ich schicke meine Arbeiter immer mit einem Lächeln in den Tag", sagt Christa Eich (65), die ganz allein das Hotel Altes Haus in Wehrden führt. Morgens um sechs Uhr steht sie auf, um den Gästen ihrer fünf Übernachtungszimmer Frühstück zu machen. Dann ist sie den ganzen Tag für ihre Gäste da, und das seit 17 Jahren

Wehrden. "Ich schicke meine Arbeiter immer mit einem Lächeln in den Tag", sagt Christa Eich (65), die ganz allein das Hotel Altes Haus in Wehrden führt. Morgens um sechs Uhr steht sie auf, um den Gästen ihrer fünf Übernachtungszimmer Frühstück zu machen. Dann ist sie den ganzen Tag für ihre Gäste da, und das seit 17 Jahren. Die Wehrdenerin kann nicht über mangelnde Auslastung klagen. Das Alte Haus ist immer gut belegt. Zu 90 Prozent sind es Arbeiter und Monteure, die bis zu 13 Monate am Stück bei Christa Eich leben. "Ich kann mich wirklich nicht beschweren", sagt sie. Die Arbeiter seien treue und gute Gäste. Sie arbeiten in der Saarstahl-Schmiede, im Saarbrücker Güterbahnhof, im Kraftwerk Fenne oder in der Müllverbrennungsanlage Velsen. Morgens, so berichtet Eich, gehen sie aus dem Haus, nach zehn Stunden kommen sie zurück, und am Wochenende geht es nach Hause. "Die Arbeiter nehmen auch im Hotel sehr viel Rücksicht aufeinander", sagt Eich. Jeder gehe einer schweren Arbeit nach, da sei Partystimmung unter der Woche nicht möglich. Auch Damenbesuche gebe es nicht, was man denken könnte, wenn Männer so lange von zu Hause weg sind. Die fünf Zimmer sichern ihr das Einkommen, erweitern will sie nicht mehr. Im Gegenteil: Sie würde das Haus gern verkaufen - aus gesundheitlichen Gründen. Die zehn Prozent ihrer Gäste, die nicht "auf Montage" kommen, besuchen in der Regel das Weltkulturerbe, so wie zwei Stundentinnen aus Hamburg, die dafür extra angereist sind und kurzfristig eine Bleibe suchten. "Ich habe Stammkunden, die kommen seit Jahren", sagt Eich. Und hat sich auf ihre Kundschaft bestens eingestellt. "Ich habe sogar ein Bänkchen für die Schaffschuhe", sagt sie - mit denen darf man nämlich nicht aufs Zimmer. Und die Monteure respektieren das ausnahmslos. Sie fühlen sich wohl in Wehrden, denn jeder wird mit Namen angesprochen. "Die sind bei mir zu Hause wie bei Muttern", sagt Eich.