Zu Besuch in der Völklinger Fischfarm - es geht aufwärts

Völklinger Fischfarm auf Erfolgskurs : „Die ganze Welt schaut auf das, was hier läuft“

Die Völklinger Fischfarm ist nach Ansicht ihres Chefs Peter Zeller auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg. Umbauten sind beendet, Zeller will 2019 mindestens doppelt so viel Fisch produzieren wie im Vorjahr.

Gäste empfängt die Fischfarm im Völklinger Stadtteil Fürstenhausen auf entspannte Art. Die Eingangstür steht einfach offen. Die nächsten Türen geradeaus sind freilich fest verschlossen und mit „Gefahr!“-Warnschildern versehen, da geht’s zu den Wasserbecken. Man merkt von selbst,  dass die Besucher-Musik im Obergeschoss spielt, und stapft die Treppe hinauf zum Tagungsraum.

Dort umringt am Mittwochabend der Ortsrat Völklingen den großen ovalen Tisch, zur öffentlichen Sitzung. Zuhörer dürfen auf quietschgrünen Sesselchen Platz nehmen. Das reicht nicht – Peter Zeller, Geschäftsführer der Fischfarm, und Mitglieder seines Teams holen noch Klappstühle aus dem Nebenraum.

„Farm“, darauf legen sie Wert, Zeller und der junge Agrarwissenschaftler Kristian Anicker, der seit drei Jahren in Fürstenhausen arbeitet und den Besuchern die Anlage vorstellt. „Zucht“, das hieße: Fische aufziehen vom Laich an, Auswahl  der Elterntiere inklusive – „das können andere viel besser“, sagt Anicker. In Völklingen werden eingekaufte Setzlinge gemästet bis zur Schlachtreife. Also „Farm“, nicht mehr. Aber auch nicht weniger: Gerade jetzt wollen die Farmer richtig durchstarten.

Umbauten – um deretwillen jeweils Teile der Anlage ruhten – habe man abgeschlossen, sagt Zeller, seit Oktober seien alle vier Produktions-Becken in Betrieb. Man steuere nun eine Produktion an „in einer Menge, die wirtschaftlich erfolgversprechend ist“. Seit die Schweizer Investorengruppe, die Zeller vertritt, 2014 die damals fast gescheiterte Anlage von den Völklinger Stadtwerken übernahm (siehe Info), gingen rund 100 Tonnen Fisch jährlich von Völklingen aus an Kunden – vorwiegend in die Ferne, etwa in die Schweiz. 2019, erstmals im Vollbetrieb, soll die Menge mindestens doppelt so hoch werden, vielleicht sogar auf 300 Tonnen wachsen. 500 Tonnen sind das Ziel, „und wir haben die berechtigte Hoffnung, die 500 Tonnen zu überschreiten“, sagt Zeller.

Dafür habe man nochmal einen zweistelligen Millionenbetrag investiert – Raunen im Raum, die Ortsräte wissen ja, dass die Stadtwerke schon mehr als 20 Millionen Euro in die Anlage gesteckt hatten und damit an den Abgrund gerieten. 20 bis 25 Millionen Euro, erklärt Zeller, werde eine solche Anlage immer kosten. Für Nachfolge-Anlagen komme man wohl auch mit etwas weniger aus, wirtschaftlich sei das tragfähig. „Hier ist etwas entstanden, das eine viel größere Bedeutung hat als nur im lokalen Kontext“, fügt er an. Nicht zufällig sei 2018 ein internationaler Innovationspreis für Fisch-Aquakultur nach Völklingen gegangen: „Die ganze Welt schaut auf das, was hier läuft.“ Denn: „Hier wird nicht nur Fisch produziert, sondern auch viel Wissen. Und das Wissen ist fast wichtiger als der Fisch.“

Die Gäste gehen hinaus auf die Aussichtsplattform – es riecht nach Salzwasser und Meer – und lassen sich von Anicker Fischbecken, Filter und Fütterung erklären. Zeller antwortet derweil auf die Frage nach dem Völklinger Wissen. „Kommen Sie mal mit“ – ein kleines Büro am Ende des Gangs, neben dem Schreibtisch ein Besprechungstisch, von allen Stühlen aus hat man den Bildschirm an der Wand im Blick: „Hier stehen alle Daten der Anlage seit 2012 zur Verfügung.“ Für jeden Tag, jede Stunde lassen sich Temperaturen, Laborwerte, Systemmeldungen aufrufen und in Zusammenhang bringen. Diesen Daten-Schatz habe er wenige Monate nach der Übernahme entdeckt, verborgen in so genannten Logfiles der Steuerungs-Software, und ausbauen lassen – daraus könne man unglaublich viel lernen über die Anlage. „Schauen Sie hier“: Sommer 2014, glühende Hitze, Wolfsbarsche starben – „diesen Fehler machen wir nicht wieder“, bei späteren Hundstagen wurde das Wasser gekühlt, die 2018er Temperaturkurve sieht anders aus.

Gelbschwanz-Makrelen, Yellowtail Kingfish, im Völklinger Becken. Sie werden speziell für Sushi und Sashimi-Gerichte geschätzt. Foto: BeckerBredel
Kristian Anicker, Fisch-Fachmann in der Völklinger Farm. Foto: Becker & Bredel. Foto: BeckerBredel

Einzigartiges Wissen, ist die Völklinger Meerwasser-Aquakultur doch weltweit die einzige ihrer Art. Will Zeller, erklärtermaßen Marketing-Mann, künftigen Anlagen-Bauern dieses Wissen verkaufen? Er lächelt. Nein, sagt er, beim Bau von Anlagen wolle man nicht mitmischen. Was zähle, auch kommerziell, sei das umfangreiche Wissen über den Betrieb; „wir werden jetzt schon bei vielen Dingen gefragt“.

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