Zäher Kampf um Film-Kopien

Völklingen. Irene Holbach nimmt das Filmplakat von der Wand und rollt es zusammen. Vergangenen Mittwoch ging der angesagte Jugendfilm "High School Musical" bundesweit an den Start, auch in Saarbrücken, Neunkirchen, Saarlouis

Völklingen. Irene Holbach nimmt das Filmplakat von der Wand und rollt es zusammen. Vergangenen Mittwoch ging der angesagte Jugendfilm "High School Musical" bundesweit an den Start, auch in Saarbrücken, Neunkirchen, Saarlouis. "Aber nicht bei mir", sagt 72-jährige Pächterin des Völklinger Residenz-Kinos in der Karl-Janssen-Straße resigniert: "20 neue Filme sind in den letzten drei Wochen gestartet. Ich habe keine einzige Kopie erhalten." Dafür spielt sie "alte Kamellen", Filme, die sechs oder acht Wochen alt sind. Das mache sich auch an den Besucherzahlen und damit am Umsatz bemerkbar.. Und: "Zwei Mitarbeiter muss ich auch bezahlen." Für den Zeichentrickfilm "Kongfu-Panda", den sie aktuell vor drei Wochen zeigen wollte, sollte sie an die Verleihfirma Universal in Frankfurt "4000 Euro Vorkasse zahlen, weil ich eine neue, unbekannte Firma habe", empört sich Holbach, die nach eigenen Angaben über 50 Jahre im Kinogeschäft ist und in der Szene bestens bekannt. "Die tun, als sei Völklingen das letzte Dorf", kommentiert sie die Absagen. "Da ist was dran", bestätigt Albrecht Stuby, Chef des Saarbrücker Filmhauses, der das Geschäft aus dem Effeff kennt. "Verleiher geben ihre Kopien bevorzugt an Kinobetreiber in Großstädten. Und Völklingen liegt sehr nahe an Saarbrücken und auch an Saarlouis." 1500 bis 3000 Euro koste eine gezogene Kopie, da werde eben gerechnet. Dennoch, so sagt Stuby, solle Holbach das Bundeskartellamt informieren. Mindestens zwei bis drei Mal im Jahr müssten die Verleiher auch eine Startkopie nach Völklingen abgeben.Die Firma Universal Pictures zu sprechen, war nicht ganz einfach. Erst im vierten Anlauf äußerte sich der für das Saarland zuständige Branch Manager (Filialleiter) Ralph Metternich: "Uns geht es nicht um Personen oder Städte, da haben wir keine Vorlieben." Etwas geheimnisvoll fährt Metternich fort: "Frau Hohlbach hat ein Angebot erhalten, das hat sie nicht angenommen. Selbstverständlich kann sie auch zukünftig auf uns zukommen." Um welches Angebot es sich handelt, wollte Metternich nicht verraten.Wenigstens auf Unterstützung aus dem Rathaus kann Holbach zählen. Weil die Filmförderung ihr Kino in der Völklinger City nicht für förderwürdig hielt und sie deshalb nicht die angefragten 40000 Euro Zuschuss erhielt, schrieb Oberbürgermeister Klaus Lorig nach eigener Auskunft am 1. Oktober einen Brief. Darin verwies er auf den Bedarf in der 40000 Einwohner-Stadt Völklingen nach einem eigenen Kino. Der Brief muss Eindruck gemacht haben: Die Filmförderung benachrichtigte Holbach, dass am 28. November neu über ihre Anfrage beraten werde. Lorig beschrieb weiter, wie die Stadt konkret das Projekt Kino voran treiben wolle: "Wir wollen kulturelle Veranstaltungen in das Haus bringen, Jugendabende, Events, auch Konzerte im Kinosaal sind vorstellbar."Um doch noch Bewegung in die zähe Feilscherei um Filmkopien zu bringen, engagierte Holbach außerdem die Peter-König-Filmdisposition in Hamburg. "Wir haben Kunden mit insgesamt 300 Leinwänden", erklärt Mitarbeiter und Disponent Robert Lubrich. "Mit dieser Präsenz können wir anders an Verleiher heran treten. Wenn es allerdings für einen Film zu wenig Kopien gibt, können auch wir für Frau Holbach nichts tun." Die will sich dennoch nicht unterkriegen lassen "Ich bin ein Kämpfer, ich gebe nie auf", sagt sie und freut sich, dass es nun - nach dem Drama "Der Baader Meinhof Komplex" - zum zweiten Mal mit einer Startkopie klappt. Den neuesten James-Bond-Streifen bekommt sie von Saar Film ("die sind immer kulant zu mir") für kommenden Donnerstag - wie alle anderen Kinobetreiber auch. "Die tun, als sei Völklingen das letzte Dorf." Irene Holbach, Betreiberin des Völklinger Residenz-Kinos, über die Filmverleih-Firmen

Auf einen Blick80000 Euro investierte Irene Holbach nach eigener Auskunft ins Völklinger Residenz-Kino für eine neue Leinwand, Bestuhlung, Wandbespannung, neue Theke und neuen Bodenbelag. Bis Juni 2008 war Holbach Betreiberin des Corona-Kinos in Neunkirchen. Dort musste sie aufhören, weil das Gebäude, in dem das Kino untergebracht war, verkauft wurde und der neue Eigentümer den Pachtvertrag kündigte. af/red